In Berlin steht der Neubau bei Vonovia vorerst still. Nach der Fertigstellung der derzeit geplanten rund 1.000 Wohnungen will der Konzern keine weiteren Projekte in der Hauptstadt starten. Als Grund nennt das Unternehmen politische Unsicherheiten – ein Signal, das in einer Stadt mit ohnehin knappem Wohnraum aufhorchen lässt.

CEO Luka Mucic kündigte den vorsichtigen Kurs an. Damit wird aus der angekündigten Zurückhaltung zunächst ein konkreter Baustopp für neue Vorhaben. Die bereits geplanten Wohnungen sollen noch fertig werden, danach ist Schluss – zumindest vorerst.

Politik und Verschuldung bremsen die Pläne

Eine Rolle spielt auch die finanzielle Lage des Konzerns. Die Verschuldungsquote von Vonovia liegt bei 46 Prozent. Diese Verschuldung beeinflusst die Investitionsstrategie: Neue Bauprojekte binden viel Kapital, während politische Debatten und unsichere Rahmenbedingungen die Kalkulation zusätzlich erschweren.

Laut einem weiteren Bericht hat Vonovia sogar sämtliche Neubauprojekte gestoppt. Als Belastung gelten gestiegene Zinsen infolge mehrerer Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank, hohe Material- und Lohnkosten sowie Lieferengpässe und der Fachkräftemangel im Baugewerbe. Gleichzeitig ist die Nachfrage wegen Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit schwerer einzuschätzen.

Die Finanzierung neuer Projekte ist dadurch teurer geworden. Wohnungen lassen sich zudem schwieriger vermarkten. Für ein börsennotiertes Unternehmen kommen wirtschaftliche Anforderungen hinzu, die politisch unsichere Entscheidungen noch heikler machen. Auch die Debatte über mögliche Enteignungen wird als Faktor genannt.

Wohnungsmarkt unter zusätzlichem Druck

Wenn große Wohnungsunternehmen weniger neu bauen, könnte sich der Mangel an Wohnraum weiter verschärfen – besonders in Städten und Ballungsräumen. Menschen mit geringem Einkommen hätten dann noch größere Schwierigkeiten, bezahlbare Wohnungen zu finden. Das klingt trocken, betrifft aber am Ende ganz konkrete Wohnungssuchen, Absagen und Umzüge, die nicht stattfinden können.

Auch für die Baubranche wäre ein längerer Stillstand spürbar. Bauarbeiter, Handwerker und andere Beschäftigte könnten ihre Arbeitsplätze verlieren. Betroffene Familien und Gemeinden könnten dadurch wirtschaftlich belastet werden. Wo heute Kräne stehen, bleiben dann womöglich nur Bauzäune, leere Flächen und viele offene Fragen.

Für Investoren wächst ebenfalls das Risiko. Neubauprojekte könnten Verluste verursachen, weshalb sich Kapitalgeber künftig beim Wohnungsbau zurückhalten könnten. Weniger Investitionen würden den Druck auf den Markt weiter erhöhen.

Förderung, Genehmigungen und mögliche Auswege

Staatliche Fördermaßnahmen für den Wohnungsbau werden als teilweise unzureichend oder zu bürokratisch beschrieben. Dazu kommen hohe gesetzliche Auflagen und lange Genehmigungszeiten. Sie erschweren den Neubau und verteuern ihn zusätzlich – selbst dann, wenn ein Projekt grundsätzlich gebraucht würde.

Als mögliche Gegenmaßnahmen gelten niedrigere Zinsen, staatliche Zuschüsse oder Steuererleichterungen für den Bau bezahlbaren Wohnraums sowie schnellere Genehmigungsverfahren und weniger Auflagen. Ebenso wichtig wären Schritte gegen den Fachkräftemangel, damit auf den Baustellen nicht nur Material, sondern auch ausreichend Personal vorhanden ist.

Der Umgang mit der Wohnungsbaukrise wird damit zu einer gemeinsamen Aufgabe von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Vonovia muss seine Verschuldung und die Erwartungen der Börse im Blick behalten, während Städte dringend neue Wohnungen benötigen. In Berlin sollen zunächst die rund 1.000 bereits geplanten Wohnungen fertig werden. Was danach kommt, bleibt offen.