Seit 50 Jahren wird in Verl gebaut, geplant, geschleppt und manchmal wohl auch improvisiert. Das Familienunternehmen Hauphoff begann als Ein-Mann-Betrieb und wird heute in zweiter Generation geführt. Josef und Michael Hauphoff treffen wichtige Entscheidungen weiterhin gemeinsam – kein kleiner Punkt bei inzwischen 61 Beschäftigten.

Der erste Auftrag kam für ein Einfamilienhaus am Lerchenweg. Gründer Josef Hauphoff, ausgebildeter Maurer und Fliesenleger, baute anfangs zwei bis drei Häuser mithilfe von Subunternehmern. Auf Baustellen steht er bis heute täglich. Wer den Geruch von Mörtel kennt, weiß: Das ist kein Beruf für Menschen, die sich vor staubigen Schuhen fürchten.

Vom Einfamilienhaus zum Rohbau

Mitte der 1970er-Jahre verkaufte Hauphoff überwiegend schlüsselfertige Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften. Die Nachfrage war während der Boomjahre enorm, unter anderem wegen Miele und Bertelsmann in Verl. Laut Josef Hauphoff gab es für jedes Bauprojekt zwei bis drei Interessenten.

Seit 1999 liegt der Schwerpunkt hauptsächlich auf Rohbauten. Außerdem arbeitet das Unternehmen für den Industriesektor. Rund zehn Prozent des Umsatzes entfallen heute wieder auf schlüsselfertiges Bauen – mit steigender Tendenz.

Michael Hauphoff half bereits als Kind auf Baustellen mit. 1997 trat er als Geselle in den Betrieb ein, 2002 legte er seine Meisterprüfung ab. Technische und organisatorische Verbesserungen folgten, darunter Trageklammern für Steine. Heute gehören auch Lasertürme, Planungssoftware und digitale Lösungen für logistische Abläufe zum Arbeitsalltag.

1990 wurde das ursprüngliche Ein-Mann-Unternehmen in eine GmbH umgewandelt und der erste Auszubildende eingestellt. Insgesamt bildete Hauphoff in 50 Jahren 46 Lehrlinge aus. 2000 wechselte der Betrieb vom Schnepfenweg über die Nickelstraße an den heutigen Standort am Brummelweg. 2021 kam der Einstieg in den Tiefbau hinzu.

Ausbildung mit eigenem Baustellenplan

Für die Ausbildungsarbeit erhielt Hauphoff 2021 eine bundesweite Auszeichnung als bester Ausbildungsbetrieb. Bei der „Junior-Baustelle“ errichten die Auszubildenden federführend ein Bauprojekt. Eine weitere aktuelle Initiative ist die vom Unternehmen unterstützte „Baumädchen-Baustelle“. Da wird nicht nur zugeschaut, da wird angepackt – mit Helm, Plan und vermutlich ordentlich Staub in der Luft.

Der Weg vom kleinen Betrieb zum Unternehmen mit 61 Mitarbeitern fällt in eine Zeit, in der die Baubranche kräftig unter Druck steht. Das Baugewerbe erwirtschaftet rund fünf Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung Deutschlands und zählt damit zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Wegen der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt wächst seine gesellschaftliche Bedeutung weiter.

Hohe Preise, knappe Wohnungen

In den vergangenen Jahren stiegen die Baupreise deutlich. Lieferengpässe, Rohstoffmangel, höhere Energiekosten, hohe Zinsen und der Fachkräftemangel verteuerten Projekte zusätzlich. Die Baupreise lagen zuletzt rund drei Prozent über dem Vorjahreswert. Ein Preisrückgang wird nicht erwartet; gerechnet wird lediglich mit einer Anpassung an die Inflationsrate.

Belastet wird die Branche zugleich von der schwachen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ging 2024 zurück und stieg 2025 lediglich um 0,2 Prozent. Preissteigerungen und wirtschaftliche Krisen ließen die Zahl der Baugenehmigungen sinken. Weniger Bauaufträge verschärfen besonders die Wohnungsknappheit. Im vergangenen Jahr wurden rund 172.610 neue Wohnungen fertiggestellt – weniger als im Vorjahr.

Das Baugewerbe umfasst dabei unterschiedliche Bereiche: Zum Bauhauptgewerbe zählen insbesondere Hoch- und Tiefbau, zum Baunebengewerbe beziehungsweise Ausbaugewerbe die Bauinstallation und sonstige Ausbauarbeiten. Hauphoffs Entwicklung vom Einfamilienhausbau über Rohbau und Industrieaufträge bis zum Tiefbau passt in dieses breite Bild.

Ganz düster ist die Lage trotzdem nicht. Zuletzt verzeichnete das Baugewerbe steigende Umsätze und ein wachsendes Bauvolumen. Deutschland lag im europäischen Vergleich bei den Bauinvestitionen vorn und investierte 2024 mehr als 464 Milliarden Euro in die Baubranche. 2024 erzielte die deutsche Bauindustrie außerdem Auftragseingänge aus dem Ausland von knapp 46 Milliarden Euro. Die Zahl der Unternehmen entwickelte sich tendenziell steigend.

Digitaler werden, Leute finden

Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen gilt als Indikator für die Baukonjunktur und deutet auf eine wachsende Baunachfrage sowie eine leichte Entspannung hin. Gleichzeitig verändern Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte, Digitalisierung und technologische Entwicklungen die Arbeit. Auch das Bevölkerungswachstum beeinflusst den Bedarf. Für den Wohnungsbau bleibt die Lage besonders angespannt.

2025 waren rund 2,58 Millionen Menschen im Baugewerbe erwerbstätig, etwas weniger als im Vorjahr. Das entsprach etwa 5,6 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland. Die meisten Beschäftigten arbeiteten im Bereich „Bau von Gebäuden“. Der Anteil der Vollzeitbeschäftigten nimmt seit Jahren tendenziell ab und lag zuletzt bei 87 Prozent. Der Frauenanteil betrug rund 14 Prozent und blieb damit im Branchenvergleich niedrig.

Der Fachkräftemangel belastet die Branche seit mehreren Jahren. Knapp 27 Prozent der deutschen Unternehmen gaben an, dass fehlende Fachkräfte ihre Geschäftstätigkeit beeinträchtigen; Deutschland lag damit über dem EU-Durchschnitt. Für einen Betrieb wie Hauphoff wird Ausbildung damit zur praktischen Überlebensfrage – und zur Gelegenheit, junge Leute früh für Baustellen, Maschinen und den manchmal ziemlich rauen Charme des Handwerks zu gewinnen.

Das größte deutsche Bauunternehmen war 2024 die Hochtief AG mit einer Bauleistung von rund 33,3 Milliarden Euro. Hauphoff spielt in einer völlig anderen Größenordnung, arbeitet aber an derselben Grundaufgabe: Gebäude und Infrastruktur trotz knapper Leute, steigender Kosten und immer mehr digitaler Abläufe auf die Baustelle zu bringen.

Veröffentlicht wurden die Branchenangaben am 9. Juli 2026 von René Muschter. Der Blick auf Hauphoff zeigt dazu die konkrete Verler Seite: Entscheidungen am Familientisch, Lehrlinge auf der „Junior-Baustelle“, Lasertürme im Einsatz und Josef Hauphoff weiterhin täglich zwischen Mauerwerk und Werkzeug.