Lüdenscheids neues Forum-Bad soll Schulschwimmen und Vereine aus der Krise holen
In Lüdenscheid soll auf dem Forum-Areal ein neues Hallenbad entstehen. Der Sport- und Schulausschuss der Stadt hat einstimmig dafür gestimmt, die Entwicklung gemeinsam mit dem Bäderbetrieb zu konkretisieren. Das marode Familienbad am Nattenberg könnte damit zunächst ersetzt beziehungsweise ergänzt werden. Ist das neue Bad fertig, soll am Nattenberg später ein Familienbad für die Zukunft entstehen.
Der Standort am Sternplatz hat dabei eine Vorgeschichte, die man nicht einfach wegwischen kann: Das Forum steht seit über 15 Jahren leer und gilt als größter innerstädtischer Leerstand Lüdenscheids. Ende 2023 kaufte die Stadtverwaltung den Gebäudekomplex, um die weitere Entwicklung selbst zu steuern. Das Hauptgebäude umfasst rund 17.000 Quadratmeter, dazu kommt eine Tiefgarage mit etwa 4.600 Quadratmetern.
Warum das Nattenberg-Bad nicht einfach saniert werden soll
Bäderbetriebsleiter Ricardo Rietzschel hält eine reine Sanierung des Nattenberg-Bads für den falschen Weg. Der energetische und technische Stand stamme teilweise aus dem Jahr 1978 beziehungsweise 2008. Veraltete Steuerungs- und Pumpentechnik verursache Ausfälle an mehreren Becken. Für die Lüftungsanlage von 1978 seien keine Ersatzteile mehr verfügbar. Auch der Aufzug bereite Sorgen, weil bestimmte Ersatzteile nicht mehr geliefert werden könnten.
Dazu kommen zu wenige Umkleidekabinen – gerade beim Schulschwimmen wird das eng. Menschen mit Behinderungen und Familien erreichen das Bad nur umständlich über das Obergeschoss. Parallel läuft neben einem Sanierungsplan mit Kostenschätzungen eine Betonuntersuchung im gesamten Gebäude. Die Betonfestigkeit soll in die Einschätzung einfließen, wie lange das Bad überhaupt noch genutzt werden kann.
Frühere Überlegungen sahen eine vierjährige Sanierung des Bestands vor. Für das Schulschwimmen wären Containerlösungen nötig gewesen; geplant war lediglich ein 25-Meter-Becken mit fünf Bahnen. Bei geschätzten Kosten von rund 50 Millionen Euro, so Rietzschel, hätte das für die Badegäste keine erkennbare Verbesserung gebracht.
Sein Gegenentwurf ist ein stärker profiliertes Familienbad am Nattenberg: mit Splashpark, Rutschen und Kinderattraktionen, dazu einem Aufenthaltsbereich, in dem Eltern ihre Kinder im Blick behalten und nebenbei Kaffee trinken können. Eine direkte Konkurrenz zum Aquamagis in Plettenberg soll das nicht werden. Gedacht ist an ein klassisches Familienbad mit regionalem Zulauf. Ein Splashpark könnte laut Rietzschel bis zu 50 Prozent günstiger sein als ein entsprechender Neubau am Nattenberg.
Forum-Bad soll Schulen und Vereine entlasten
Das neue Bad im Forum soll vor allem das Schul- und Vereinsschwimmen aufnehmen. Vorgesehen ist ein 25-Meter-Becken mit sechs Bahnen, außerdem größere Umkleidebereiche und zwei Lehrschwimmbecken mit höhenverstellbaren Böden. Die Wassertiefen sollen von 0 bis 1,80 Metern einstellbar sein. Bei Wettkämpfen könnten die Lehrschwimmbecken als Aufenthaltsflächen für Vereine dienen.
SPD-Ratsfrau Lenia Sommer verlangte, die Lehrschwimmbecken konsequent an den Anforderungen des Schulschwimmens auszurichten. Moderne Technik, geeignete Umkleide- und Aufenthaltsbereiche, kurze Wege, sichere Abläufe und verlässliche personelle Betreuung gehören für sie dazu. Rietzschel berichtete, derzeit fielen etwa 50 Prozent des Schulschwimmunterrichts aus – unter anderem, weil Busse fehlten oder Lehrkräfte krank seien.
Der Forum-Standort wäre für viele Kinder leichter erreichbar: Bahn und Busbahnhof liegen in der Nähe, Schulen in der Innenstadt sind zu Fuß angebunden. Auch Vereine könnten davon profitieren, wenn Eltern ihre Kinder unkomplizierter mit dem Bus bringen können. Trotz des Schwerpunkts auf Schulen und Vereine soll es öffentliche Schwimmzeiten geben.
SPD-Ratsherr Dominik Hass-Sommer sieht in der zentralen Lage außerdem die Chance, ältere Menschen als neue Zielgruppe zu gewinnen. Christiane Langs-Blöink, Leiterin der Theodor-Heuss-Realschule, schilderte derweil die aktuelle Enge: An ihrer Schule erhielten derzeit nur die fünften Klassen Schwimmunterricht, weil weitere Zeiten fehlten.
Für die Planung brachte Langs-Blöink zusätzliche Wünsche mit. Das Bad müsse Möglichkeiten für die Rettungsschwimmerausbildung bieten, eine ausreichende Beckentiefe wie bisher im Variobecken haben und ein Drei-Meter-Sprungbrett für Schwimmabzeichen vorsehen. Eine gute Schwimmausbildung sei auch für Klassenfahrten ans Meer wichtig. Wie dringend das ist, zeigt eine Beobachtung aus dem Bäderbetrieb: Laut Rietzschel wurden bereits siebte Klassen festgestellt, in denen 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler Nichtschwimmer waren.
Leerstand, Abriss und die nächste Planungsrunde
Für das Forum selbst hatte eine im Februar 2025 vorgestellte Machbarkeitsstudie des Büros DERICHS u KONERTZ Projektentwicklung GmbH ergeben, dass eine Sanierung wirtschaftlich nicht darstellbar ist. Der Stadtrat beschloss deshalb am 7. Juli 2025 den Abriss des Forums. Seitdem wird ein Konzept für die Nachnutzung des zentralen Innenstadtstandorts erarbeitet – nun mit dem Hallenbad als entscheidendem Baustein.
Als Nächstes soll eine Arbeitsgruppe gebildet werden. Danach ist ein Termin mit dem niederländischen Unternehmen Pellikaan vorgesehen, das den Bau des Forumsbads umsetzen soll. Anschließend soll eine Machbarkeitsstudie folgen. Bis zum ersten Sprung ins Wasser ist es also noch ein gutes Stück Weg.
Bundesweit großer Bedarf an Bäderförderung
Wie groß der Sanierungsdruck bei kommunalen Bädern und Sportstätten ist, zeigt der Blick auf das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“. Das Interessenbekundungsverfahren für den Projektaufruf 2026 „Schwimmbäder“ endete am 19. Juni 2026. Beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung gingen 942 Projektskizzen ein. Beantragt wurden insgesamt rund 3,2 Milliarden Euro – der Aufruf ist damit deutlich überzeichnet.
Die Projektskizzen werden nun fachlich geprüft und bewertet. Danach entscheidet der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages, welche Vorhaben gefördert werden. Alle teilnehmenden Kommunen sollen über das Ergebnis informiert werden.
Im Bundeshaushalt 2026 stehen für das Programm insgesamt 583 Millionen Euro bereit: 250 Millionen Euro ausschließlich für die Sanierung kommunaler Schwimmbäder, weitere 333 Millionen Euro für die Sanierung von Sportstätten allgemein. Das Geld stammt aus dem Wirtschaftsplan des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität. Der Sanierungsstau soll damit kleiner werden – zumindest ein Stück weit.
Ein weiterer Projektaufruf ist für Herbst 2026 vorgesehen. Bereits am 22. April 2026 hatte der Haushaltsausschuss die Förderung von 314 Projekten beschlossen, finanziert aus den 2025 bereitgestellten Programmmitteln in Höhe von 333 Millionen Euro.
