Die deutsche Bauwirtschaft hat im Juli 2026 einen deutlichen Dämpfer bekommen. Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe sank kalender- und saisonbereinigt um 9,2 Prozent gegenüber Juni. Im Mai und Juni war die Auftragslage noch stabiler gewesen. Nun wird wieder sichtbar, wie dünn das Eis ist.

Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), erklärt den Rückgang auch damit, dass die Betriebe weiterhin frühere Bestellungen abarbeiten. Die Lage der Baubranche bleibe dennoch fragil. Im Hochbau gingen die Aufträge im Juli um 8,4 Prozent zurück, im Tiefbau sogar um 10 Prozent. Zum Hochbau zählt vor allem der Wohnungsbau, während zum Tiefbau unter anderem Straßen- und Brückenbau gehören.

Juli bringt kräftigen Rückgang

Die Destatis-Reihe weist den Auftragseingang als Volumenindex mit dem Basisjahr 2021 gleich 100 aus. Im Juli 2026 lag der Gesamtindex bei 95,0, nach 110,1 im Juni. Der Hochbau kam auf 65,8 Punkte, der Tiefbau auf 88,1. Für den Wohnungsbau wurden 94,7 Punkte ausgewiesen, für den Hochbau ohne Wohnungsbau 126,4. Im Juni hatten die entsprechenden Werte bei 79,3, 96,7, 105,5 und 151,9 gelegen.

Der Rückgang gegenüber dem Vormonat fällt damit in allen ausgewiesenen Bereichen auf: Der Gesamtindex sank um 13,7 Prozent, der Hochbau um 17,0 Prozent, der Tiefbau um 8,9 Prozent, der Wohnungsbau um 10,2 Prozent und der Hochbau ohne Wohnungsbau um 16,8 Prozent. Im Juni hatte es dagegen noch Zuwächse gegeben: insgesamt 16,5 Prozent, im Hochbau 19,4 Prozent, im Tiefbau 25,1 Prozent, im Wohnungsbau 15,6 Prozent und beim Hochbau ohne Wohnungsbau 11,0 Prozent.

Auch der Blick auf die Monate davor zeigt ein Auf und Ab. Im Mai stieg der Gesamtindex gegenüber April um 1,2 Prozent; der Hochbau fiel um 13,2 Prozent, der Tiefbau legte um 3,6 Prozent zu, der Wohnungsbau sank um 11,4 Prozent und der Hochbau ohne Wohnungsbau stieg um 11,9 Prozent. Im April war der Gesamtindex um 13,8 Prozent zurückgegangen. Im März folgte ein Plus von 29,2 Prozent, im Februar von 15,9 Prozent. Der Jahresauftakt im Januar war dagegen schwach: minus 20,9 Prozent beim Gesamtindex.

Im Vorjahresvergleich lag der Gesamtindex im Juli 2026 um 1,9 Prozent niedriger. Der Hochbau sank um 7,7 Prozent, während der Tiefbau um 2,6 Prozent zulegte. Der Wohnungsbau lag 1,1 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats, der Hochbau ohne Wohnungsbau 3,4 Prozent darunter. Im Juni hatte der Gesamtindex noch 15,4 Prozent über dem Vorjahreswert gelegen; Hochbau, Tiefbau, Wohnungsbau und Hochbau ohne Wohnungsbau kamen auf plus 9,5, 8,0, 15,0 beziehungsweise 24,3 Prozent.

Die übrigen Vorjahresvergleiche 2026 waren wechselhaft: Im Mai lag der Gesamtindex 0,1 Prozent niedriger, im April 0,6 Prozent höher, im März 5,3 Prozent niedriger, im Februar 9,1 Prozent höher und im Januar 5,9 Prozent niedriger. Im März stiegen Hochbau, Tiefbau und Wohnungsbau zwar um 9,8, 15,0 und 3,5 Prozent, der Hochbau ohne Wohnungsbau brach jedoch um 24,9 Prozent ein. Im Januar fiel der Wohnungsbau um 20,5 Prozent, der Hochbau um 17,0 Prozent und der Tiefbau um 1,9 Prozent; der Hochbau ohne Wohnungsbau lag gleichzeitig 1,6 Prozent über dem Vorjahresmonat.

Ein Index mit langer Vorgeschichte

Der Gesamtindex bewegte sich 2026 bislang zwischen 72,3 im Januar und 110,1 im Juni. 2025 lag die Spanne zwischen 76,8 im Januar und 114,4 im März. Für 2024 wurden Werte zwischen 70,1 im Januar und 95,5 im März ausgewiesen, für 2023 zwischen 68,6 im Januar und 100,0 im März. 2022 reichte die Spanne von 77,0 im November bis 124,9 im März. Im Basisjahr 2021 lagen die Werte zwischen 86,0 im Januar und 114,2 im Dezember.

Auch die älteren Vorjahresvergleiche erzählen keine gerade Geschichte. 2025 erreichte der Gesamtindex im September mit plus 23,0 Prozent den höchsten und im August mit minus 1,8 Prozent den niedrigsten Vorjahreswert. 2024 lag die Gesamtveränderung im September bei minus 11,6 Prozent, im November dagegen bei plus 14,3 Prozent. 2023 waren die Werte von Januar bis Mai negativ; der stärkste Rückgang kam im März mit minus 19,9 Prozent, ehe im August ein Anstieg von 17,3 Prozent folgte. 2022 lag die Gesamtveränderung meist im Minus, mit plus 17,9 Prozent im März und minus 22,4 Prozent im Dezember. 2021 bewegten sich die Werte zwischen minus 6,4 Prozent im November und plus 13,4 Prozent im Dezember.

Bei den Monatsveränderungen gab es 2025 den stärksten Ausschlag nach oben im März mit plus 49,0 Prozent, den kräftigsten Rückgang im April mit minus 18,9 Prozent. Für 2024 stehen plus 22,3 Prozent im März und minus 20,8 Prozent im Januar. 2023 lag der größte positive Monatssprung im März bei 31,8 Prozent, der stärkste negative im Januar bei minus 22,6 Prozent. 2022 wurden plus 38,3 Prozent im März und minus 26,5 Prozent im Januar verzeichnet. 2021 reichte die Spanne von plus 30,8 Prozent im Dezember bis minus 14,6 Prozent im Januar.

Der Wohnungsbau stagnierte im Juli. Pakleppa fordert deshalb Reformen und hält eine Förderung des Wohnungsbaus für einen günstigen Ansatz, um die Konjunktur zu beleben. Die Branche setzt außerdem auf das Sondervermögen der Bundesregierung für Infrastruktur und Klimaneutralität. Nach Einschätzung des ZDB-Hauptgeschäftsführers erreichen diese Mittel die Bauwirtschaft bislang allerdings kaum.

Eine kleine Gegenbewegung gibt es bei den laufenden Geschäften: Trotz des Auftragsrückgangs stieg der Umsatz im Baugewerbe im Juli gegenüber Juni um 4,6 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten lag 1,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Auf den Baustellen wird also weiter gearbeitet, Maschinen laufen, Material wird bewegt – nur neue Aufträge kommen nicht verlässlich genug nach.

Wohnungsnot trifft auf teures Bauen

Das ist gerade beim Wohnen heikel. In Deutschland herrscht insbesondere in Großstädten Wohnungsnot, und die Knappheit könnte sich weiter verschärfen. Das Ziel der Ampel-Koalition, jährlich 400.000 Wohnungen zu bauen, wurde verfehlt. 2024 wurden rund 216.000 Wohnungen fertiggestellt, etwa 14 Prozent weniger als im Vorjahr.

Gestiegene Baupreise, höhere Energiepreise, Inflation, Lieferengpässe und teures Baumaterial haben den Markt ausgebremst. Die Baugenehmigungen für neue Wohngebäude sanken auf den niedrigsten Stand der vergangenen 30 Jahre. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland stark zurückgegangen. Mehr als zwei Drittel der Genehmigungen entfielen auf private Haushalte.

Gemessen am Umsatz bleibt der Wohnungsbau eine wichtige Sparte des deutschen Bauhauptgewerbes. Zuletzt entfiel knapp ein Drittel des Gesamtumsatzes auf ihn. Der Umsatz sank 2024 auf rund 51 Milliarden Euro. Bis 2022 war er kontinuierlich gestiegen, seitdem geht er jedes Jahr zurück. Auch die Auftragseingänge haben in den vergangenen zwei Jahren deutlich nachgelassen.

Als wesentlicher Grund gilt der Anstieg der Neubaupreise für Wohngebäude. Zuletzt lagen sie knapp 3 Prozent über dem Vorjahresniveau. 2022 war der Höchststand erreicht worden, mit einem Anstieg von bis zu 16 Prozent. Und obwohl der Markt bei Genehmigungen und Aufträgen knirscht, stiegen die Investitionen in den Wohnungsbau: 2024 lagen sie bei rund