Baubranche zwischen Boom und Flaute: Rechenzentren wachsen, Auftragsbücher schrumpfen
Der Bauwirtschaft geht am 25. September 2026 das Material nicht aus – aber die Nachrichtenlage bleibt widersprüchlich. Hilti hebt die Umsatzprognose an, Porr meldet mehr Gewinn, Wacker Neuson wächst kräftig. Gleichzeitig geraten Projektentwickler, Baustoffhersteller und Bauunternehmen unter Druck. Zwischen Rechenzentren, Wasserstoffleitungen und leeren Auftragsbüchern liegen derzeit oft nur ein paar Kilometer.
Der liechtensteinische Bautechnologiekonzern Hilti erwartet für 2026 nun ein Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich in Lokalwährungen. In den ersten acht Monaten stieg der Umsatz um 5,9 Prozent auf 4,24 Mrd. CHF, das Betriebsergebnis legte um 16,9 Prozent auf 533 Mio. CHF zu. Investitionen in Energie- und Rechenzentrumsprojekte in Amerika und Asien treiben das Geschäft; der traditionelle Bausektor, vor allem in Europa, bleibt schwach.
Konzerne zwischen Wachstum und Umbau
Die ersten vier Monate hatten bei Hilti ein Umsatzplus von 4,7 Prozent in Lokalwährungen gebracht. Der starke Schweizer Franken drückte allerdings mit einem negativen Währungseffekt von 6,2 Prozentpunkten. In Schweizer Franken sank der Umsatz um 1,5 Prozent auf 2.068 Mio. CHF. Regional wuchs Amerika um 9,6 Prozent, der Mittlere Osten und Afrika um 17,5 Prozent, Asien/Pazifik um 6,6 Prozent. Europa kam trotz des anhaltend schwachen Marktumfelds auf 0,8 Prozent. Für das Gesamtjahr hatte Hilti zunächst ein Wachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich in Lokalwährungen erwartet.
Bei Bauer ist der angekündigte Rechtsformwechsel inzwischen vollzogen: Mit der Eintragung ins Handelsregister wurde aus der Aktiengesellschaft die Bauer GmbH & Co. KGaA. Die operativen Geschäfte führt künftig die Bauer Management GmbH unter Geschäftsführer Martin Beck. 2025 erzielte Bauer eine Konzernleistung von 1,72 Mrd. Euro. Im Spezialtiefbau stieg das Nachsteuerergebnis auf 28,9 Mio. Euro, während die Maschinensparte einen Verlust von 23,6 Mio. Euro verbuchte.
Strabag baut für den von Trianel entwickelten Batteriepark Waltrop die Infrastruktur schlüsselfertig. Geplant sind rund 900 MW Leistung und 1.800 MWh Speicherkapazität. Zum Auftrag gehören die Erschließung des Geländes und die Gebäude für ein 380-kV-Umspannwerk. Hafenbetrieb, Schwerlastverkehr, Grundwassermessstellen und eine Pipeline machen die Baulogistik knifflig. Die Inbetriebnahme ist für das zweite Halbjahr 2028 vorgesehen.
Auch gemeinsam mit Züblin ist Strabag unterwegs: Für das Projekt ABS Gäubahn Nord/Pfaffensteigtunnel erhielt das Unternehmen mehrere Bauaufträge. Der zweiröhrige, jeweils eingleisige Tunnel soll rund 11 Kilometer lang werden. Auftraggeber ist die DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH, umgesetzt wird nach dem Modell der Integrierten Projektabwicklung.
BRZ verschwindet schrittweise als eigenständige Marke und wird in Suiteify integriert. Die Infoniqa-Gruppe bündelt dort Lösungen für HR, Payroll, Finance und ERP. Die Baubranche bleibt ein eigener Schwerpunkt; das BRZ-Wissen über Bauprozesse und regulatorische Anforderungen soll in das Angebot einfließen.
Bosch will den Umsatz mit schweren Nutzfahrzeugen von derzeit gut 4 Mrd. Euro bis Mitte der 2030er-Jahre auf mehr als 8 Mrd. Euro verdoppeln. Für Lkw über sechs Tonnen wird 2026 weltweit ein Absatzplus von 1 Prozent auf 3,3 Mio. Fahrzeuge erwartet. Wasserstoff- und Elektroantriebe stehen im Mittelpunkt. Etwa jeder dritte neue E-Lkw in Europa fährt mit Bosch-Motoren und -Invertern; von Daimler Truck kommt ein neuer Großauftrag für den eActros.
Zur Saison 2026/2027 arbeitet Ela Container mit Borussia Dortmund zusammen. Die Partnerschaft umfasst Marken- und Bandenpräsenz sowie infrastrukturelle Unterstützung. Als erstes Projekt liefert der Modulbauspezialist Containerbauten für das neue Trainingszentrum der BVB-Frauen in Dortmund-Brackel.
Deutz erweitert gemeinsam mit Kirloskar Oil Engines sein Programm um eine 1,6-Liter-Motorenbaureihe mit 18 bis 41,2 kW. Die wassergekühlten Dreizylinder kommen als Saugmotor D1.6 und als Turbovariante TCD1.6 mit Common-Rail-Einspritzung. EU Stage V und Tier 4 werden erfüllt. Gedacht sind die Motoren für kompakte Baumaschinen, Flurförderzeuge und Industrieanwendungen; lieferbar sollen die ersten Einheiten ab dem ersten Quartal 2027 sein.
Teckentrup weist Berichte über einen russischsprachigen Ransomware-Angriff mit Lösegeldforderungen zurück. Nach Unternehmensangaben gab es keinen erfolgreichen Angriff, keine Forderungen und keine Zahlungen. Kundendaten seien weder gefährdet noch abgegriffen worden. Wegen falscher Tatsachenbehauptungen behält sich der Türen- und Torhersteller rechtliche Schritte vor.
Gewinne, Übernahmen und Insolvenzen
Porr steigerte den Halbjahresgewinn 2026 um 23,9 Prozent auf 36,4 Mio. Euro, während der Umsatz um 1,1 Prozent auf 2,93 Mrd. Euro sank. Der Auftragsbestand erreichte mit 9,8 Mrd. Euro einen Höchstwert und reicht für rund anderthalb Jahre Auslastung. Auf der Liste stehen unter anderem eine Chipfabrik in Erfurt, ein 270-Mio.-Euro-Rahmenvertrag mit der Bundeswehr und Infrastrukturprojekte in Polen. Für 2026 erwartet Porr ein Umsatzwachstum von 2 bis 4 Prozent.
Etex und Austrotherm verhandeln exklusiv über den Verkauf der XPS-Dämmstoffsparte von Etex. Betroffen sind Produktion und Vertrieb der Ursa-XPS-Produkte in Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich. Etex will sich künftig auf Glaswolle konzentrieren, Austrotherm sein XPS-Produktionsnetzwerk in West- und Südeuropa ausbauen.
Der geplante Opern-Neubau am Hamburger Baakenhöft wird durch den Tod von Klaus-Michael Kühne nicht gestoppt. Die Kühne-Stiftung hat bis zu 340 Mio. Euro der reinen Baukosten vertraglich zugesagt. Der Entwurf der Bjarke Ingels Group wird derzeit in einer zweijährigen Ausarbeitungsphase konkretisiert. Hamburg investiert zusätzlich rund 150 Mio. Euro in Erschließung, Kaianlagen und Flutschutz. Die Fertigstellung ist voraussichtlich für 2034 geplant.
Bei der König-Gruppe läuft ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an. Den Antrag stellte das Unternehmen beim Amtsgericht Göttingen. Die Gruppe beschäftigt rund 900 Leiharbeitskräfte und fertigt Metallprofile sowie Zubehör für den Trockenbau. Trotz eines Umsatzes von etwa 100 Mio. Euro im Jahr 2025 führten Preisdruck, die mangelnde Auslastung des 2021 errichteten Profilwerks und interne Strukturprobleme in die Schieflage. Der Geschäftsbetrieb geht weiter; ein Investorenprozess soll rund 1.000 Arbeitsplätze sichern.
Auch der Kölner Projektentwickler Pandion beantragte für die AG und fünf Tochtergesellschaften ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Auslöser war eine ausgefallene Finanzierung mit anschließenden Liquiditätsengpässen. Die Projektgesellschaften sind nicht betroffen, laufende Bauvorhaben sollen fortgeführt werden. Die Gehälter sind bis Oktober durch Insolvenzgeld gesichert.
John Deere meldete im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Nettogewinn von 1,379 Mrd. US-Dollar nach 1,289 Mrd. US-Dollar im Vorjahr. Der Quartalsumsatz stieg um 5 Prozent auf 12,608 Mrd. US-Dollar. Die Jahresprognose für den Nettogewinn wurde auf 4,75 bis 5,0 Mrd. US-Dollar angehoben. In den USA und Brasilien blieb die Nachfrage stabil, in Europa war sie schwächer.
Die Berner Group hielt den Umsatz im Geschäftsjahr 2025/2026 trotz schwacher Baukonjunktur bei rund 1,1 Mrd. Euro und steigerte die Profitabilität. Der Außendienst wurde mit rund 5.000 Beschäftigten ausgebaut. In die Automatisierung des Hauptlieferzentrums in Künzelsau flossen 5 Mio. Euro. Neue Einkaufsbüros in der Türkei, Indien und Hongkong sollen Lieferketten und Warenverfügbarkeit absichern.
MC-Bauchemie gründete im März 2026 eine Gesellschaft in
