Starboard fordert Knife River zu mehr Marge oder Verkauf heraus
Beim US-Bauunternehmen Knife River wird es unruhig. Starboard Value hat einen erheblichen Anteil an dem Konzern erworben und drängt auf Veränderungen. Nach Angaben von mit der Angelegenheit vertrauten Personen soll Knife River entweder seine Margen verbessern oder einen Verkauf prüfen.
Die Nachricht ließ die Aktie am 24. September 2026 um 3,8 Prozent steigen. Zuvor war der Kurs allerdings deutlich unter Druck geraten: In den vergangenen drei Monaten fiel die Aktie spürbar, im laufenden Jahr liegt das Minus bei nahezu 30 Prozent. Genau diesen aus Sicht von Starboard unbefriedigenden Aktienkurs will der aktivistische Investor offenbar drehen.
Ein Baukonzern mit starken Reserven
Knife River hat seinen Sitz in Bismarck im US-Bundesstaat North Dakota und kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 3 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen wurde 2023 aus der MDU Resources Group ausgegliedert und wird seither eigenständig an der Börse geführt.
Starboard bezeichnete Knife River in einem Brief an das Management als „außergewöhnliches Unternehmen“ in einer attraktiven Branche. Zugleich, und da wird der Ton deutlich schärfer, habe der Konzern sein Potenzial nicht ausgeschöpft. Die Renditen seien unzureichend, Knife River habe schlechter als vergleichbare Unternehmen abgeschnitten und der Bewertungsabschlag gegenüber Wettbewerbern habe sich weiter vergrößert.
Ein wichtiger Trumpf liegt laut Starboard unter der Erde: Knife River besitzt rund 1,3 Milliarden Tonnen Gesteinsreserven in lokalen Märkten. Diese Bestände schaffen Markteintrittsbarrieren und verschaffen dem Unternehmen Preissetzungsmacht. Für einen Baustoffkonzern ist das kein kleines Detail, sondern kann über Jahre hinweg den Unterschied machen.
22 Prozent EBITDA-Marge bis 2029
Der Investor fordert das Management auf, strategische Alternativen zu prüfen. Dazu kann typischerweise auch ein Verkauf des Unternehmens gehören. Konkret verlangt Starboard außerdem einen glaubwürdigen Plan, mit dem Knife River bis zum Geschäftsjahr 2029 eine bereinigte EBITDA-Marge von mindestens 22 Prozent erreicht.
Falls dieses Ziel nicht erreichbar sei, solle der Verwaltungsrat strategische Alternativen prüfen. Damit stehen bei Knife River genau jene Optionen im Raum, die bei Beteiligungen von Starboard häufig eine Rolle spielen: Effizienzsteigerungen, höhere operative Margen, eine veränderte Kapitalallokation oder der Verkauf des gesamten Unternehmens beziehungsweise einzelner Geschäftsbereiche.
Starboard beteiligt sich typischerweise an Unternehmen, bei denen der Fonds das operative Potenzial als nicht ausgeschöpft einschätzt. Der aktivistische Investor hat in der Vergangenheit Erfolge erzielt. Deshalb sind mögliche Veränderungen infolge des Einstiegs keineswegs vom Tisch, auch wenn konkrete Schritte noch nicht feststehen.
Management setzt auf Zusammenarbeit
Knife River erklärte, man werde mit Starboard zusammenarbeiten, um dessen Ansichten besser zu verstehen. Gleichzeitig verteidigte das Unternehmen sein Management und seine Strategie. Der eigene Fokus liege auf besseren operativen Leistungen und profitablem Wachstum.
Ob daraus ein echter Kurswechsel wird, bleibt offen. Die weitere Entwicklung hängt vom Management, dem Verwaltungsrat und den übrigen Aktionären ab. Ebenso unklar ist, ob Starboard seine Forderungen durchsetzen kann. Der Verwaltungsrat muss sich nun mit dem Margenziel auseinandersetzen – und mit der Frage, was passiert, wenn die 22 Prozent bis 2029 nicht glaubwürdig erscheinen.
Für Anleger ist der Fall deshalb doppelt interessant: Einerseits besitzt Knife River mit seinen lokalen Gesteinsreserven eine starke Ausgangsposition, andererseits hat die Aktie zuletzt ordentlich Federn gelassen. Der Kursanstieg um 3,8 Prozent nach der Beteiligung zeigt, dass manche Marktteilnehmer auf Bewegung hoffen. Ob daraus mehr wird als ein kurzer Ruck nach oben, entscheidet sich aber nicht an einem einzigen Handelstag.
Quelle: aktien.news
Weitere Informationen: The Motley Fool
