200 Milliarden Dollar für US-Energieprojekte: Südkorea plant LNG, Kraftwerke und acht Reaktoren
Donald Trump hat am 1. Oktober 2026 südkoreanische Investitionen von insgesamt 200 Milliarden US-Dollar in US-Energieprojekte angekündigt. Auf dem Plan stehen ein LNG-Komplex in Alaska, acht Kernkraftwerke und ein gasbefeuertes Kraftwerk in Texas. Die Größenordnung ist enorm – und trotzdem ist bei mehreren Vorhaben noch längst nicht alles unterschrieben.
Das Geld gehört zu einem 350-Milliarden-Dollar-Paket, das Südkorea im vergangenen Jahr im Rahmen eines Handelsabkommens zugesagt hatte. 150 Milliarden US-Dollar davon sind bereits für den Schiffbau vorgesehen, über die übrigen 200 Milliarden US-Dollar wurde bislang verhandelt. Im Gegenzug senkten die USA die Zölle auf südkoreanische Waren auf 15 Prozent.
Trump stellte die Energievorhaben als Beitrag zu einer stärkeren US-Energieversorgung, mehr Energieunabhängigkeit und einer engeren Partnerschaft mit Südkorea dar. Die Ankündigung kommt fünf Wochen vor den US-Halbzeitwahlen. Mit Alaska und Texas betrifft sie zudem zwei Bundesstaaten, in denen enge Wahlkämpfe erwartet werden.
Alaska-LNG zwischen Pipeline und Fragezeichen
Der größte Brocken ist ein Pipeline- und LNG-Verflüssigungskomplex in Alaska. Südkorea soll dafür 54 Milliarden US-Dollar investieren. Die Leitung soll Erdgas rund 1.300 Kilometer von den Gasfeldern an Alaskas North Slope in den Süden des Bundesstaates transportieren. Dort soll das Gas verflüssigt und unter anderem nach Asien exportiert werden. Gemeinden an der Westküste Alaskas könnten mit Gas versorgt werden.
Nach Trumps Angaben könnten dadurch 12.000 Bauarbeitsplätze entstehen, außerdem könnten die Energiekosten für Haushalte in Alaska sinken. Das von der Glenfarne Group unterstützte Projekt wäre allerdings ein Langstreckenlauf: Glenfarne-Chef Brendan Duval zufolge würde der Bau der Pipeline drei Jahre dauern, bis zum Beginn der LNG-Ausfuhr könnten fünf Jahre vergehen.
Trump sprach von einer Zusammenarbeit im Wert von 50 Milliarden US-Dollar. In den Investitionsangaben stehen für das Alaska-LNG-Projekt hingegen 54 Milliarden US-Dollar. Eine gemeinsame Erklärung machte die Kooperation lediglich von „wirtschaftlicher Angemessenheit“ abhängig und nannte keine konkreten Mittelzuweisungen. Genau dort wird es knifflig.
Das Projekt steht wegen der hohen Anfangsinvestitionen seit Langem vor wirtschaftlichen Fragen. Alex Munton von der Rapidan Energy Group hält es allein kommerziell nicht für tragfähig; staatliche Finanzierung sei nötig. Südkoreas Industrieminister Kim Jung-kwan bezeichnete das Vorhaben im vergangenen Jahr als „hochriskant“ und erklärte, eine Beteiligung sei nur bei ausreichendem Cashflow möglich.
Auch die Investitionsstruktur ist noch nicht fertig verhandelt. Beide Seiten stimmen Berichten zufolge ab, wie eine Dachgesellschaft, eine sogenannte Umbrella SPV, organisiert wird und wie die Gewinne verteilt werden. Das südkoreanische Handelsministerium erklärte, man wolle am Alaska-LNG-Projekt arbeiten, sofern es wirtschaftlich vertretbar sei und alle nationalen Rechtsvorschriften erfüllt würden. Präsident Lee Jae Myung stellte ebenfalls klar, dass eine Beteiligung von finanzieller Tragfähigkeit und Rechtskonformität abhängt.
Mehrere große Energiekonzerne, darunter ExxonMobil, hatten eine Beteiligung erwogen, sich aber wegen hoher Kosten und Betriebsrisiken zurückgezogen. Bislang beteiligte sich nur die südkoreanische Posco Group als asiatisches Unternehmen mit Eigenkapital. Alaskas Senator Dan Sullivan, der das Projekt unterstützt, nahm an der Ankündigung teil. Er tritt gegen die ehemalige demokratische Abgeordnete Mary Peltola an. US-Handelsminister Howard Lutnick sagte, auch Südostasien werde von dem Vorhaben profitieren.
Texas soll schnell sichtbare Ergebnisse liefern
Als möglicher erster Schritt gilt ein Kraftwerk in Texas. Südkorea soll den Bau eines gasbefeuerten Kraftwerks mit sechs Gigawatt Leistung unterstützen. In früheren Angaben wurde das Projekt mit 22,3 Milliarden US-Dollar beziffert, in der aktuellen Ankündigung mit 22 Milliarden US-Dollar.
Das Kraftwerk soll in Encinal entstehen und eine Leistung von 6.472 Megawatt haben. Nahegelegene Rechenzentren sollen mit Strom versorgt werden. Entwickelt wird das Vorhaben von Related Companies und dem US-Energieversorger NextEra Energy. Die erste Ausbaustufe soll 2029 den kommerziellen Betrieb aufnehmen, die vollständige Anlage soll schrittweise bis 2032 fertiggestellt werden.
Für Südkorea könnte das Texas-Projekt deshalb interessanter sein als Alaska. Jennifer Lee von The Asia Group erwartet, dass erste Zahlungen eher an das stärker geprüfte Vorhaben in Texas gebunden werden. Vorgesehen ist außerdem, die Beteiligung südkoreanischer Unternehmen bei Ausrüstungslieferungen, Engineering und Bau sowie beim langfristigen Betrieb und der Wartung auszuweiten. Die USA wollen südkoreanischen Unternehmen auch bei ähnlichen Projekten Lieferchancen, etwa für Turbinen, einräumen.
Am 23. September war das texanische Gaskraftwerk bereits als mögliches erstes konkretes US-Investitionsprojekt genannt worden. Damals stand noch die Summe von 22,3 Milliarden US-Dollar im Raum. Das passt zum politischen Wunsch nach einem sichtbaren Baufortschritt – nur ist auch hier die Finanzierung noch nicht endgültig festgezurrt.
Acht Reaktoren, große Summen und lange Fristen
Zusätzlich sind acht Kernkraftwerke in Ohio, Tennessee, South Carolina und Kentucky vorgesehen. Trump zufolge sollen sechs Reaktoren von Westinghouse und zwei von einem südkoreanischen Unternehmen gebaut werden.
Für die acht großen Atomreaktoren sind weitere 120 Milliarden US-Dollar eingeplant: 100 Milliarden US-Dollar für die Baukosten und 20 Milliarden US-Dollar als Rücklagen für unvorhergesehene Ausgaben. Das Atomabkommen wurde von den Regierungen beider Länder sowie Westinghouse Electric, Korea Electric Power und Korea Hydro & Nuclear Power unterzeichnet.
Südkoreanische Unternehmen sollen möglicherweise eine bedeutende Minderheitsbeteiligung an Westinghouse erwerben. Seoul fordert demnach eine Beteiligung oberhalb eines bestimmten Anteils sowie einen Sitz im Vorstand. Bei diesen Bedingungen liegen beide Seiten noch auseinander; die Details müssen in kommerziellen Verhandlungen geklärt werden.
Lee Jae Myung zufolge soll die Wirtschaftlichkeit jedes einzelnen Kraftwerks geprüft werden. Das ist kein kleiner Vorbehalt, denn der Bau von Kernkraftwerken bedeutet eine langfristige Verpflichtung und kann mit Kostenüberschreitungen einhergehen. Ein früheres Abkommen der Trump-Regierung mit Westinghouse über die Finanzierung von zehn Reaktoren durch Japan hat bislang nur geringe Fortschritte gemacht.
Seoul bremst bei Bericht und Absichtserklärung
Wann Südkorea die Finanzierung der Projekte genehmigt, ist offen. Das Ministerium für Handel, Industrie und Energie, kurz MOTIE, verschob seine geplante nichtöffentliche Berichterstattung vor mehreren Ausschüssen der Nationalversammlung. Es sollte um erste Projekte und konkrete Investitionspläne aus dem 350-Milliarden-Dollar-Paket gehen.
Als Grund nannte die Regierung laufende Verhandlungen mit den USA und zusätzlichen Zeitbedarf für die Abstimmung der Detailbedingungen. Ursprünglich sollte nach dem Bericht am 18. eine koreanisch-amerikanische Absichtserklärung, ein MOU, unterzeichnet und die Projekte bekannt gegeben werden. Durch die Verschiebung könnten sich sowohl die Unterzeichnung als auch die Projektbekanntgabe verzögern.
Für die einzelnen Projekte müssen noch Investitionssummen, Finanzierung, Gewinnverteilung und Risikoverteilung festgelegt werden. Danach müssen die Vorhaben in Südkorea von den zuständigen Ausschüssen geprüft und genehmigt werden; anschließend ist ein Bericht an die Nationalversammlung erforderlich. Die Ergebnisse der Detailverhandlungen wirken sich damit direkt auf die nationalen Genehmigungsverfahren und den Zeitplan aus.
Der südkoreanische Abgeordnete Song Jae-bong sagte, die USA hätten die Projekte als vollständig vereinbart dargestellt, obwohl noch keine endgültige Vereinbarung bestehe. Nach seinen Angaben stellten die USA wiederholt Forderungen, während Südkorea zunächst weitere Gespräche zugesagt habe. Ein südkoreanisches Botschaftsbüro in Washington äußerte sich zunächst nicht.
Bereits am 18. September 2026 war berichtet worden, dass Seoul und Washington die Umsetzung des 350-Milliarden-Dollar-Pakets vorantreiben. Am 22. September wurde die Aufteilung in 150 Milliarden Dollar für den Schiffbau und 200 Milliarden Dollar für strategische Investitionen präzisiert. Die damaligen Meldungen zeigen, wie schnell sich einzelne Zahlen und Zusagen in den laufenden Gesprächen verschieben können.
Offen bleiben die Genehmigungsgeschwindigkeit, der Zeitpunkt der ersten Auszahlung und die konkrete Umsetzung der einzelnen Projekte. Für Alaska wird Südkorea voraussichtlich zunächst eine umfassende
