Die Wiener Salztorbrücke über den Donaukanal ist am Ende ihrer Lebensdauer angelangt. Deshalb wird sie ab dem 10. November 2026 vorsorglich für Pkw und Lkw gesperrt. Für Fußgänger, Radfahrer und den Citybus bleibt die Querung zunächst offen.

Seit 1961 verbindet die 91 Meter lange Brücke den 1. und 2. Wiener Bezirk. Damals eröffnet, hat sie nun beinahe 70 Jahre auf dem Buckel – eine Nutzungsdauer, die laut Experten bei Spannbetonbrücken aus den frühen 1960er-Jahren durchaus üblich ist. Ab 2028 soll die bestehende Konstruktion abgerissen werden, der Neubau ist für 2029 vorgesehen.

Vorsicht statt plötzlicher Sperre

Die Salztorbrücke ist eine besondere Spannbetonkonstruktion und in dieser Form die einzige ihrer Art in Wien. Die zuständige MA 29 prüft das Bauwerk regelmäßig und überwacht es laufend mit Riss-, Neigungs- und Schallemissionsmessungen. Nach dem Einsturz der ähnlich konstruierten Carolabrücke in Dresden im Jahr 2024 wurden die Untersuchungen an der Wiener Brücke verstärkt.

Anfang 2026 setzte die Stadt eine Expertenkommission unter Leitung des TU-Wien-Brückenexperten Patrick Huber ein. Zusätzlich wurde ein Belastungstest durchgeführt, dessen Messwerte mit einem Berechnungsmodell abgeglichen wurden. Auf Grundlage dieser Untersuchungen empfiehlt die Kommission einen Neubau.

Unter reduzierter Verkehrslast und mit fortlaufendem Monitoring soll die Brücke zunächst weiter sicher genutzt werden können. Der Citybus 2A darf deshalb weiterhin fahren. Zu den Hauptverkehrszeiten kommt er alle 10 bis 14 Minuten; sein geringes Gewicht gilt aus statischer Sicht derzeit als unproblematisch. Sollte es allerdings kritische Veränderungen geben – etwa Spannstahldrahtbrüche oder Biegerisse –, müsste die Brücke sofort gesperrt werden.

12.000 Fahrzeuge müssen ausweichen

Rund 12.000 Fahrzeuge, 3.000 Radfahrer und 6.100 Fußgänger nutzen die Salztorbrücke täglich. Für den motorisierten Verkehr geht es künftig in Richtung 1. Bezirk über die Roßauer Brücke, in Richtung 2. Bezirk über Marienbrücke und Augartenbrücke. Die umliegenden Brücken und Straßen sollen diese zusätzliche Belastung vorübergehend aufnehmen – für Wien kein kleines Ausweichmanöver.

Die Marienbrücke wurde im Sommer bereits durch die Ausbesserung des Fahrbahnbelags auf ihre künftige Funktion als Umleitungsstrecke vorbereitet. Nach dem Neubau der Salztorbrücke soll auch sie umfassend instandgesetzt werden. Über den Donaukanal führen insgesamt 24 Straßenbrücken, sechs Eisenbahnbrücken und sieben Stege.

Planung, Abriss und neue Querung

Nach der Sperre beginnen die Planungen für den Neubau. Danach folgen Ausschreibung und Wettbewerb sowie die Umlegung von Versorgungsleitungen. Der Abbruch ist ab Anfang 2028 vorgesehen, die Neuerrichtung soll Anfang 2029 starten.

Während des Rückbaus bleiben wichtige Leitungen für Fernwärme, Strom und weitere Infrastrukturverbindungen über den Donaukanal in Betrieb. Das ist der Teil, den man von der Straße aus kaum sieht, der bei einem Brückenbau aber ordentlich Arbeit macht.

Der Neubau soll mehr Platz und bessere Verbindungen für Radfahrer schaffen. Fußgänger sollen komfortabler und sicherer queren können. Die Nutzung durch Busse bleibt vorgesehen; nach Abschluss der Bauarbeiten soll die Brücke wieder für den Individualverkehr geöffnet werden.

Im städtischen Brückeninstandsetzungsprogramm wurden bereits die Aspernbrücke im Mai 2024 und die Augartenbrücke im Juli 2025 umfassend erneuert. Nun rückt die Salztorbrücke in den Mittelpunkt – mit gesperrten Fahrspuren, weiter laufendem Busverkehr und vielen kleinen Leitungen, die währenddessen nicht einfach Pause machen können.