Höhbauer-Insolvenz: Zukunft von 325 Arbeitsplätzen in Luhe-Wildenau offen
Bei der Höhbauer GmbH aus Luhe-Wildenau ist die Zukunft vorerst offen. Das bayerische Familienunternehmen hat beim Amtsgericht Weiden in der Oberpfalz die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Rund 325 Beschäftigte sind betroffen; eine weitere Quelle nennt rund 330 Menschen. Löhne und Gehälter sind bis einschließlich November durch Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert.
Höhbauer produziert und vertreibt Fenster- und Türsysteme sowie Wintergärten. Der Geschäftsbetrieb läuft trotz des Insolvenzantrags uneingeschränkt weiter. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht den Nürnberger Rechtsanwalt Volker Böhm von Schultze & Braun. Seine Bestellung trat an einem Montag um 10 Uhr in Kraft. Ein reguläres Insolvenzverfahren über das Unternehmensvermögen ist damit noch nicht eröffnet; zunächst wird die wirtschaftliche Lage geprüft.
Prüfung läuft, Belegschaft informiert
Böhm informierte die Belegschaft noch am selben Tag gemeinsam mit der Geschäftsführung. Sein Team soll die wirtschaftliche Situation analysieren und mögliche Sanierungsoptionen prüfen. In den kommenden Wochen geht es damit um die Frage, welche Wege für eine Sanierung offenstehen und wie sich die Folgen für Kunden und Beschäftigte möglichst klein halten lassen.
Geschäftsführer Christoph Höhbauer bezeichnete die Meldung der Zahlungsunfähigkeit als schwere Entscheidung. Der vorläufige Insolvenzverwalter verwies auf die lange Unternehmensgeschichte, die qualifizierte Belegschaft und den guten Ruf am Markt. Das klingt nach Zuversicht, aber die Zahlen drücken: Die Nachfrage nach Neubau- und Sanierungsprojekten ist deutlich gesunken, während Energie-, Material- und Personalkosten gestiegen sind. Höhere Zinsen belasten zusätzlich.
Die Faktoren führten zu Umsatzrückgängen und schwächten die langfristige Finanzierungsbasis. Wegen der sinkenden Umsätze stellte die Geschäftsführung die langfristige Finanzierung infrage und beantragte Insolvenz. Im Lagebericht zum Geschäftsjahr 2023/24 hatte sie bereits vor einem deutlichen Ergebnisrückgang gewarnt; für das darauffolgende Geschäftsjahr wurde ein negatives Jahresergebnis prognostiziert.
75 Jahre vom Familienbetrieb zum Bauelemente-Hersteller
Die Geschichte begann 1950 mit einer von der Familie Höhbauer gegründeten Zimmerei. Über die Jahrzehnte entwickelte sich daraus ein Hersteller von Bauelementen. Im vergangenen Jahr feierte das Unternehmen sein 75-jähriges Bestehen. Heute gehören Fenster, Türsysteme und Wintergärten zum Geschäft. Für die Beschäftigten in Luhe-Wildenau geht es nun erst einmal darum, dass der Betrieb weiterläuft und das Insolvenzgeld bis einschließlich November die Einkommen absichert.
Auch bundesweit ist die Lage angespannt. In Deutschland registrierten die Amtsgerichte im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 12.812 beantragte Unternehmensinsolvenzen – 6,7 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025. Im Juni 2026 wurden 2.266 Fälle erfasst, 15,8 Prozent mehr als im Juni des Vorjahres. Eine höhere Zahl für ein erstes Halbjahr gab es zuletzt 2013 mit 13.253 Fällen. Zwischen Insolvenzantrag und statistischer Erfassung können allerdings in vielen Fällen annähernd drei Monate liegen.
Bauwirtschaft zwischen Auftragsmangel und hohen Kosten
Für Höhbauer kommt der Insolvenzantrag in eine schwierige Phase der deutschen Bauwirtschaft. Eingebrochener Wohnungsbau, hohe Zinsen, gestiegene Baukosten und fehlende Aufträge setzen viele Unternehmen unter Druck. 2025 wurden in Deutschland 24.064 Unternehmensinsolvenzen registriert, 10,3 Prozent mehr als 2024 und der höchste Stand seit 2014 mit damals 24.085 Fällen. Laut Creditreform meldeten sich im ersten Halbjahr 2026 12.900 Unternehmen insolvent, 7,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und der höchste Halbjahreswert seit 2013.
Im Baugewerbe entfielen 2025 auf 10.000 Unternehmen 104 Insolvenzen. Der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt lag bei 69, im Verkehr und in der Lagerei bei 133, im Gastgewerbe bei 108. Von Januar bis Mai 2026 wurden im Baugewerbe 44,0 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen gezählt, gegenüber 29,8 in der Gesamtwirtschaft, 57,2 bei Verkehr und Lagerei sowie 49,2 im Gastgewerbe.
Schon 2024 war das Baugewerbe mit 95,3 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen die am zweitstärksten betroffene Branche; der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt lag bei 63,5. Im Bauhauptgewerbe meldeten 2023 insgesamt 1.409 Unternehmen Insolvenz an, knapp 300 mehr als 2022. Im ersten Halbjahr 2024 stiegen die Bauinsolvenzen laut Creditreform um 27,5 Prozent. Für 2024 erwartete die Bauindustrie rund 1.600 Insolvenzen – um die Jahrtausendwende waren es etwa 5.000 pro Jahr.
Der IWH-Insolvenztrend verzeichnete im Frühjahr 2025 im Baugewerbe die höchsten Werte seit Beginn der monatlichen Erhebung 2020. 2025 gab es rund 17.600 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften, den höchsten Stand seit 2005 und etwa fünf Prozent mehr als während der Finanzkrise 2009. Im Juli 2026 zählte der IWH-Insolvenztrend 1.689 Fälle bei Personen- und Kapitalgesellschaften, sieben Prozent mehr als im Juli 2025.
Eine eigene Datenbankauswertung zu eröffneten Bauinsolvenzen bei Kapitalgesellschaften, ohne Einzelunternehmer, zeigt den Anstieg über mehrere Jahre: 2020 waren es 268 Fälle, 2021 358, 2022 409, 2023 581, 2024 716 und 2025 schließlich 894. Damit stieg die Zahl sechs Jahre in Folge. Bis Anfang September 2026 wurden bereits 700 eröffnete Bauinsolvenzen erfasst – mehr als im Vergleichszeitraum 2025. In den vergangenen zwölf Monaten waren es 1.010 Fälle, seit 2020 summierte sich die Zahl auf 3.926. Diese Werte sind keine amtliche Statistik, sondern eine laufende Auswertung eröffneter Firmeninsolvenzen aus dem Justizportal.
Wohnungsbau verliert Tempo
Wie stark der Markt schwächelt, zeigen die Fertigstellungen. 2025 wurden rund 206.600 Wohnungen fertiggestellt, 18,0 Prozent weniger als 2024 und 45.400 Wohnungen weniger. Das war der niedrigste Wert seit 2012. Bereits 2024 war die Zahl um 14,4 Prozent auf rund 251.900 Wohnungen gefallen; von 2021 bis 2023 waren es noch etwa 294.000 Wohnungen jährlich.
Auch bei den Genehmigungen ging es zunächst bergab: 2024 wurden 215.900 Wohnungen genehmigt, 16,8 Prozent weniger als 2023, also 43.700 Genehmigungen weniger. Das war der niedrigste Wert seit 2010. Im ersten Halbjahr 2026 wurden dann 126.300 Wohnungen genehmigt – 15,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und der stärkste Anstieg seit 2016. Auf die Bauaufträge dürften sich diese Genehmigungen allerdings erst mit zeitlicher Verzögerung auswirken.
Der Umsatz im Wohnungsbau sank 2025 real um rund 1,5 Prozent; das reale Bauvolumen ging damit das fünfte Jahr in Folge zurück. 24 Prozent der Bauunternehmen bezeichneten ihr Auftragsvolumen als nicht ausreichend, im Hochbau lag der Anteil bei 34 Prozent. Im Wohnungsbau berichteten zeitweise elf Prozent der Unternehmen von stornierten Projekten. Die Stornoquote stieg 2025 von acht auf elf Prozent, fast jeder zweite Betrieb meldete zeitweise Auftragsmangel.
Im Juli 2026 lag die Stornoquote im Wohnungsbau bei 11,4 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der Betriebe mit Auftragsmangel von 42,2 auf 43,7 Prozent, während der Geschäftsklimaindex auf minus 31,0 Punkte fiel. In Baden-Württemberg war das Baugewerbe 2025 mit 459 Insolvenzanträgen die Branche mit den meisten Anträgen, 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf den Handel entfielen 384 Anträge.
Beschäftigung, Umsatz und Baupreise
2024 arbeiteten 916.300 Menschen im Bauhauptgewerbe, nach 928.000 im Jahr 2023. Es war der erste Beschäftigungsrückgang seit 2009. Die Bauindustrie erwartete den Abbau von etwa 10.000 Arbeitsplätzen; für 2025 wurde ein weiterer Rück
