Wind, Sonne und Speicher: Wie Deutschlands Energiewende die Baustelle verändert
Wer heute auf einer Baustelle über Energie spricht, meint längst mehr als Steckdosen, Heizungen und die nächste Stromrechnung. Im Energiekrisenjahr 2022 kostete Strom zeitweise mehr als 70 Cent pro Kilowattstunde. Für Neukunden sind die Preise inzwischen deutlich gesunken. Auch Gas wird wieder günstiger: Nachdem Russland im Sommer 2022 die Lieferungen über Nord Stream nach Deutschland eingestellt hatte, waren die Preise stark gestiegen. Nun nähern sie sich wieder dem Niveau vor der Gaskrise, die im Herbst 2021 mit zunehmenden Spannungen zwischen Russland und der Ukraine begonnen hatte.
Beim Tanken bleibt der Blick auf die Anzeigetafel trotzdem nervös. Superbenzin und Diesel folgen einem saisonalen Muster und sind während der Haupturlaubszeit im Sommer meist besonders teuer. Dazu kommen die weltweiten Rohölpreise, die von geopolitischen Ereignissen und der Wirtschaftslage in wichtigen Absatzmärkten wie den USA und China beeinflusst werden. Ein Baustellenfahrzeug merkt davon nichts – der Bauherr schon.
Wind im Norden, Sonne im Süden
Die Energiewende ist ein zentrales Klimaschutzprojekt. Bis 2030 sollen 80 Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Dafür gelten Ausbauziele von 145 Gigawatt Windkraft bis 2030 und 230 Gigawatt bis 2045. Bei der Solarenergie sind 215 Gigawatt bis 2030 und 400 Gigawatt bis 2045 vorgesehen.
Die in diesem Jahr in Deutschland ans Netz gegangenen Windräder stehen größtenteils weiterhin in Norddeutschland, wo schon heute die meisten Anlagen installiert sind. Niedersachsen verfügt insgesamt über die größte Windkraftleistung, Schleswig-Holstein führt bei der Leistung pro Quadratkilometer. Fast 40 Prozent der deutschen Windkraftleistung stehen in den norddeutschen Bundesländern, obwohl diese weniger als 20 Prozent der Landesfläche ausmachen. Nordfriesland ist der Landkreis mit der höchsten Windkraftleistung; die Stadt Emden kommt wegen ihrer kleinen Fläche auf fast das Zehnfache der Windkraftleistung pro Quadratkilometer im Vergleich zum deutschen Durchschnitt.
Das hat Gründe: Im Norden weht mehr Wind, außerdem sind die politischen und räumlichen Rahmenbedingungen günstiger. In Bayern gelten besonders große Abstände zu Siedlungen, wodurch weniger geeignete Flächen verfügbar sind. Mecklenburg-Vorpommern liegt bei der Windkraft insgesamt und pro Fläche im Mittelfeld. Dort wurden zuletzt nur wenige Windräder errichtet, zugleich ist die Zahl der Genehmigungen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
Vor dem Bau eines Windrads müssen örtliche Behörden eine Genehmigung erteilen. Die Genehmigungen zeigen daher, wo künftig weitere Anlagen entstehen könnten. Die jährlichen Ausbauziele wurden in der Vergangenheit zwar nicht erreicht, doch 2025 wurde mehr Windkraftleistung genehmigt als je zuvor. Damit könnten die Ziele für 2030 noch erreichbar sein. Auch die Zahl neuer Windräder steigt, liegt aber unter dem Höchststand von 2017, als ein anderes Fördermodell galt.
Bei der Solarenergie ist die Landkarte gedreht: Die südlichen Bundesländer führen. Dort gibt es vergleichsweise viel Sonneneinstrahlung und eine größere finanzielle Investitionskraft. Bayern und Baden-Württemberg verfügen über die größte Solarleistung, Niedersachsen liegt auf Platz vier. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein folgen bei der Solarleistung auf den Plätzen zehn und elf. Solarenergie ist insgesamt gleichmäßiger verteilt als Windkraft: Alle deutschen Landkreise verfügen über größere Solaranlagen, während es bei der Windkraft zahlreiche Landkreise mit wenigen oder keinen Anlagen gibt.
2024 schlossen Deutschlands Elektriker mehr Solaranlagen an als je zuvor. 2025 wurden mehr als 17.600 Megawatt neue Photovoltaikleistung installiert, leicht weniger als 2024 mit 18.300 Megawatt. Die installierte PV-Leistung verdoppelte sich innerhalb von fünf Jahren und lag Ende 2025 bei knapp über 120.000 Megawatt.
Wenn das Wetter den Strompreis mitbestimmt
An wind- und sonnenreichen Tagen können erneuerbare Energien den Großteil des Strombedarfs decken. Herrscht Flaute und hängen graue Wolken über dem Land, springen fossile Kraftwerke ein, insbesondere Gas- und Kohlekraftwerke. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung ist in den vergangenen Jahren gestiegen, Kohlekraft hat an Bedeutung verloren. Die letzten deutschen Kernkraftwerke wurden im April 2023 abgeschaltet. In vielen Monaten stammt inzwischen mehr als die Hälfte des erzeugten Stroms aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse.
2025 erzeugten erneuerbare Energien 290,2 Milliarden Kilowattstunden Strom – rund 2 Milliarden Kilowattstunden beziehungsweise 1 Prozent mehr als 2024. Viele Sonnenstunden und der starke Ausbau neuer Anlagen halfen, während windarme und trockene Bedingungen die Beiträge von Wind- und Wasserkraft drückten. Windkraft lieferte 133,9 Milliarden Kilowattstunden, nach 139,8 Milliarden im Jahr 2024. Trotzdem erzeugten Windenergieanlagen mehr Strom als alle Braun- und Steinkohlekraftwerke zusammen. Die installierte Windleistung an Land und auf See wuchs 2025 um 5.100 Megawatt, nach 3.300 Megawatt im Jahr 2024. Gleichzeitig nahm die Zahl genehmigter, aber noch nicht gebauter Windenergieanlagen weiter zu.
Photovoltaikanlagen erzeugten 2025 91,6 Milliarden Kilowattstunden Strom, nach 75,9 Milliarden im Jahr 2024 – ein Plus von mehr als 21 Prozent. Biomasse und biogener Abfall steuerten rund 47,8 Milliarden Kilowattstunden bei, etwa 4 Prozent weniger als im Vorjahr. Davon entfielen 27,8 Milliarden auf Biogas, 10,1 Milliarden auf feste Biomasse und 5,4 Milliarden auf biogenen Abfall. Die Stromproduktion aus Biomasse blieb damit seit etwa zehn Jahren weitgehend konstant. Die installierte Biomasseleistung stieg 2025 um rund 1 Prozent auf etwa 9.700 Megawatt; zuletzt diente der Zubau vor allem einer flexibleren, bedarfsgerechten Erzeugung.
Wasserkraft kam 2025 auf 16,9 Milliarden Kilowattstunden, rund 25 Prozent weniger als 2024 mit 22,5 Milliarden. Ursache war vor allem die trockene Witterung. Ende 2025 lag die installierte Wasserkraftleistung bei etwa 5.500 Megawatt. Geothermie erzeugte rund 0,2 Milliarden Kilowattstunden und trug etwa 0,1 Prozent zur erneuerbaren Strommenge bei.
Je größer der Anteil wetterabhängiger Quellen, desto stärker schwanken Stromerzeugung und Börsenpreise. Große Batterieparks sollen hier als Puffer dienen: Sie laden sich bei hoher erneuerbarer Erzeugung und niedrigen Preisen auf und geben Strom bei hoher Nachfrage und hohen Preisen wieder ab. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme schätzt den Speicherbedarf für 2030 auf 104 Gigawattstunden. Ende 2025 waren Speicher mit etwa 25 Gigawattstunden Kapazität vorhanden; Ende 2020 waren es erst 2,3 Gigawattstunden. Die Kapazität ist also kräftig gewachsen, weitere große Speicher befinden sich im Bau.
Die Daten stammen aus dem Marktstammdatenregister und wurden nach Methoden der RWTH Aachen korrigiert. Das Register enthält die von Betreibern gemeldete Leistung aller Kraftwerke und Speicher, kann aber Ungenauigkeiten enthalten. Für langfristige Bewertungen werden deshalb die Berichte der Bundesnetzagentur herangezogen. Nicht ganz so eingängig wie ein blinkender Strompreis – aber wichtig.
Wärme, Häuser und der lange Atem des Bestands
Der Gebäudesektor verändert sich nur langsam. Bestehende Häuser lassen sich nicht kurzfristig ersetzen, und selbst eine Sanierung braucht Zeit, Geld und oft Nerven. Wärmepumpen sind im Neubau stark vertreten, machen insgesamt aber nur einen einstelligen Prozentanteil aller Häuser in Deutschland aus. Über die vergangenen Jahrzehnte hat sich der Energiemix insgesamt nur begrenzt verändert. Erneuerbare Energien spielen bei der Stromerzeugung heute eine wichtige Rolle; Strom macht jedoch weiterhin nur einen kleinen Teil des gesamten Energieverbrauchs aus.
2025 stieg der Verbrauch erneuerbarer Wärme wegen der kalten Witterung von 197,3 auf 209,8 Milliarden Kilowattstunden, also um knapp 3 Prozent. Der Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch für Wärme und Kälte erhöhte sich von 18,2 auf 19,0 Prozent. Feste Biomasse, vor allem Holz, blieb die wichtigste erneuerbare Wärmequelle. Ihr Anteil sank dennoch von 86 Prozent im Jahr 2000 auf 65 Prozent im Jahr 2025.
Feste Biomasse lieferte 136,2 Milliarden Kilowattstunden Wärme, gasförmige Biomasse 22,3 Milliarden, bi
