Die deutsche Wirtschaft wächst wieder – am Arbeitsmarkt ist davon am 28.09.2026 allerdings nur ein leises Signal angekommen. Das ifo-Beschäftigungsbarometer stieg im September von 94,8 auf 95,1 Punkte. Eine Stabilisierung, ja. Eine echte Erholung, nein. „Die Erholung am Arbeitsmarkt ist noch nicht sichtbar“, sagt ifo-Umfrageleiter Klaus Wohlrabe.

Das Barometer beruht auf den monatlichen Angaben Tausender Unternehmen aus Industrie, Dienstleistungen, Handel und Bauwirtschaft. Gefragt wird, wie sich die Personalpläne in den kommenden drei Monaten entwickeln sollen. Und da bleibt die Stimmung gemischt: Industrie und Handel planen weiterhin Stellenabbau, während andere Branchen vorsichtig nach vorne schauen.

Industrie hält sich bei Neueinstellungen zurück

Im Verarbeitenden Gewerbe hat sich die Beschäftigungserwartung zwar etwas verbessert. Die Mehrheit der Industrieunternehmen rechnet dennoch mit weniger Personal. Neue Mitarbeiter sind vor allem in der Nahrungsmittelindustrie sowie bei Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten und elektronischen beziehungsweise optischen Erzeugnissen vorgesehen.

Viele andere Industriebranchen bleiben zurückhaltend. Der Stellenabbau verlangsamt sich zwar, eine Trendwende hin zu deutlich mehr Neueinstellungen ist aber nicht erkennbar – trotz besserer Auftragserwartungen und teilweise freundlicherer Exportaussichten. Die Automobilindustrie steckt laut ifo weiterhin in einer schwierigen Lage. Auch mit den Auftragsbeständen sind viele Unternehmen unzufrieden.

Bei den Dienstleistern halten sich Einstellungs- und Abbaupläne weitgehend die Waage. Ingenieurbüros, Rechts- und Steuerberatungen sowie Wirtschaftsprüfer suchen zusätzliche Beschäftigte. Bei Zeitarbeitsfirmen hat sich die Stimmung zuletzt verbessert; auch Leiharbeitsfirmen rechnen wieder mit einer günstigeren Entwicklung.

Im Handel überwiegen dagegen weiterhin die Pläne zum Stellenabbau. Groß- und Einzelhändler bleiben bei Neueinstellungen zurückhaltend. Im Baugewerbe soll die Beschäftigtenzahl weitgehend konstant bleiben. Für die Bauindustrie heißt das: kein Einbruch bei den Personalzahlen, aber eben auch kein kräftiger Schub. Die Arbeitsmarktentwicklung läuft damit je nach Branche deutlich auseinander.

Exporte und Staat stützen die Konjunktur

Beim Bruttoinlandsprodukt sieht das Bild freundlicher aus. Deutschlands Wirtschaft ist drei Quartale in Folge gewachsen – preis-, saison- und kalenderbereinigt: Im 4. Quartal 2025 legte das BIP gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent zu, im 1. Quartal 2026 um 0,4 Prozent und im 2. Quartal 2026 um 0,3 Prozent.

Vor allem die Exporte entwickelten sich besser als erwartet. Im zweiten Quartal 2026 stiegen die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen gegenüber dem Vorquartal um 2 Prozent. Zusätzlich stützte staatliche Nachfrage die Konjunktur. Private Investitionen blieben teilweise schwach – auf manchen Baustellen und in manchen Betrieben dürfte sich das eher nach angezogener Handbremse als nach Aufbruch anfühlen.

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für 2026 deshalb von 0,6 auf 1,3 Prozent angehoben. Für 2027 erwarten sie nun ein Plus von 1,1 statt zuvor 0,9 Prozent. In ihrer Gemeinschaftsdiagnose für die Bundesregierung verweisen sie zugleich auf hohe Energiepreise, strukturelle Probleme und die schwache Entwicklung der Erwerbstätigkeit. Der Aufschwung steht weiterhin auf einer vergleichsweise schmalen Grundlage.

Geschäftsklima steigt, Beschäftigung folgt nur zögerlich

Auch der ifo-Geschäftsklimaindex hat im September zugelegt: von 88,8 auf 89,9 Punkte. Damit erreichte er den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Die Unternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Geschäftsaussichten besser als im Vormonat. Besonders in der Industrie hellten sich die Erwartungen auf.

Am Arbeitsmarkt kommt diese Verbesserung jedoch nur langsam an. Die Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten, dass die Erwerbstätigkeit im Jahresdurchschnitt 2026 deutlich sinkt. Für 2027 rechnen sie mit einem weiteren, leichten Rückgang. Erst 2028 soll die Zahl der Erwerbstätigen wieder steigen.

Auch bei der Arbeitslosenquote geht es voraussichtlich nur schrittweise bergauf – beziehungsweise bei den Arbeitslosenzahlen bergab: Für 2026 werden 6,4 Prozent erwartet, für 2027 6,2 Prozent und für 2028 5,8 Prozent. Während sich die Auftragsbücher in Teilen der Wirtschaft wieder füllen und die Exportmotoren etwas kräftiger laufen, bleiben die Personalabteilungen vielerorts vorsichtig. Der nächste Schritt lässt also noch auf sich warten.

Quelle: Merkur · Einordnung: ZEIT