Bauindustrie warnt: 2026 drohen weniger als 200.000 neue Wohnungen
Die deutsche Bauindustrie rechnet 2026 mit einem weiteren Rückgang beim Wohnungsbau. Gestiegene Baukosten, vor allem höhere Energiepreise, machen Neubauprojekte vielerorts unrentabel. In den Ballungsräumen fehlt aber weiterhin Wohnraum – eine ziemlich ungünstige Mischung.
Olaf Demuth, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, fordert deshalb eine Lösung der Finanzierungsprobleme. Staatliche Hilfen könnten zum „Finanzierungsturbo“ werden, sagt Demuth. Für 2026 erwartet er weniger als 200.000 fertiggestellte Wohnungen. 2025 waren es noch 206.000.
Mehr Kapital, weniger Risiko
Nach Demuths Einschätzung ließe sich die Krise innerhalb weniger Jahre abmildern, wenn die Politik entsprechende Entscheidungen trifft. Haushalte, Familien und Anleger sollten mit zinsgünstigen Darlehen und Bürgschaften leichter Zugang zu Kapital bekommen.
Der Hintergrund: Der Kapitalmarkt verlangt zunehmend mehr Sicherheiten. Wer nicht genügend Eigenkapital mitbringt, bekommt kaum noch günstige Zinsen. Demuth schlägt deshalb vor, den Wohnungsbau mit einem Volumen von 50 bis 60 Milliarden Euro durch günstige Kredite abzusichern.
Dieses Geld, so seine Darstellung, wären keine klassischen konsumtiven Ausgaben. Es handele sich um Darlehen, die zurückflössen, als Sicherheiten dienten und zusätzliche Investitionen auslösen könnten. Union und SPD handelten bislang trotzdem nicht entsprechend, kritisiert der Bauindustrie-Präsident.
Wohnungsnot könne politische Auswirkungen haben und Wahlen beeinflussen. Bei internationalen Themen wie Trump, Putin oder China habe die Bundesregierung nur begrenzte direkte Handlungsmöglichkeiten. Beim Wohnungsbau sei das anders. Frühere Förderprogramme hätten die Bauzahlen rasch erhöht, die Instrumente seien bekannt. Entscheidend sei nun der politische Wille.
Rückgang seit Jahren
Die Entwicklung kommt nicht aus heiterem Himmel. In Deutschland herrscht Wohnungsknappheit, besonders in Großstädten, und die Lage droht sich weiter zu verschärfen. Das Ziel der Ampel-Koalition von jährlich 400.000 neuen Wohnungen wurde verfehlt: 2024 wurden rund 216.000 Wohnungen fertiggestellt, knapp 14 Prozent weniger als 2023.
Als Gründe gelten gestiegene Baupreise, höhere Energiepreise, Inflation, Lieferengpässe und teureres Baumaterial. Die Baugenehmigungen für neue Wohngebäude sanken auf den niedrigsten Stand der vergangenen 30 Jahre. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist die Zahl der Genehmigungen in Deutschland deutlich zurückgegangen. Mehr als zwei Drittel davon beantragten private Haushalte.
2023 wurden insgesamt etwa 216.000 neue Wohnungen genehmigt. Diese Genehmigungen gelten als wichtiger Indikator für die Entwicklung des Wohnungsmangels. Bleiben sie aus, fehlen später Aufträge – und irgendwann Wohnungen. Besonders stark ging die Zahl der Einfamilienhäuser zurück: 2024 wurden nur noch knapp halb so viele gebaut wie 2022.
Wichtige Sparte, schwierige Zahlen
Gemessen am Umsatz bleibt der Wohnungsbau eine wichtige Sparte des deutschen Bauhauptgewerbes. Zuletzt entfiel knapp ein Drittel des Gesamtumsatzes auf diesen Bereich. 2024 sank der Umsatz im Wohnungsbau auf rund 51 Milliarden Euro. Bis 2022 war er kontinuierlich gestiegen, seitdem geht er jährlich zurück. Auch die Auftragseingänge brachen in den vergangenen zwei Jahren stark ein.
Als Hauptgrund für den Nachfrageeinbruch gelten die hohen Neubaupreise für Wohngebäude. Sie lagen zuletzt knapp 3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Den stärksten Anstieg gab es 2022 mit bis zu 16 Prozent. Die Investitionen in den Wohnungsbau stiegen dennoch weiter und beliefen sich 2024 auf rund 281 Milliarden Euro. Damit entfielen mehr als 60 Prozent der Bauinvestitionen auf den Wohnungsbau – eine große Zahl, die den Mangel an fertigen Wohnungen allerdings nicht wegzaubert.
Die neue Bundesregierung plant, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und den Bau von Miet- und Sozialwohnungen voranzutreiben. Verkürzte Genehmigungsverfahren durch den sogenannten „Bau-Turbo“ sollen den Wohnungsbau erleichtern und der Wohnungsknappheit entgegenwirken.
Eine ergänzend herangezogene PDF-Datei zur Studie zum Wohnungsbau 2026 enthält nach den vorliegenden Angaben lediglich PDF-Strukturdaten sowie binär codierte Bild- und Kompressionsdaten. Ein lesbarer Nachrichtenartikel oder überprüfbarer Text ist darin nicht enthalten.
Demuth setzt zusätzlich auf die wirtschaftliche Wirkung eines anziehenden Baugeschehens: Ein stark laufender Baumotor könne 9 bis 12 Prozent zur gesamten Wirtschaftsleistung beitragen. Veröffentlicht wurde der herangezogene Statista-Text am 17. Dezember 2025 von René Muschter.
