Steigende Treibstoffpreise, neue Rückvergütungen und Streit um die richtige Klimastrategie: Für land- und forstwirtschaftliche Betriebe hat sich die Lage rund um den Agrardiesel 2026 spürbar verändert. In der Schweiz kletterte der Dieselpreis zwischen dem 28. Februar und dem 9. März um 8,6 Prozent auf durchschnittlich 1,90 Franken je Liter. Der Iran-Krieg ließ die Preise innerhalb weniger Tage steigen.

Auch in den EU-Staaten wird kräftig nachjustiert. Spanien will seine Krisenbeihilfe für Agrardiesel bis Jahresende verlängern, Polen plant eine deutlich höhere Rückerstattung, Frankreich hält seine Unterstützung für zu niedrig. Deutschland zahlt derzeit keine spezielle Krisenbeihilfe, führt aber seit Anfang 2026 wieder die Agrardieselrückvergütung ein. Für Betriebe ist das keine Nebensache: Diesel läuft im Traktor, im Mähdrescher und oft auch in der Hoftankstelle einfach mit.

Was Spanien, Polen und Frankreich vorhaben

Spaniens Landwirtschaftsminister Luis Planas sagte bei einem Treffen mit Bauernverbänden zu, die seit März gewährte Krisenbeihilfe für Agrardiesel bis zum Jahresende verlängern zu wollen. Offiziell beschlossen ist das noch nicht. Ursprünglich sollte die Unterstützung Ende September auslaufen.

Derzeit beträgt die spanische Krisenbeihilfe 20 Cent beziehungsweise 19 Rappen je Liter. Ob diese Höhe bleibt, ließ Planas offen. Nach dem geltenden EU-Beihilferahmen dürfen höchstens 70 Prozent der krisenbedingten Mehrkosten ausgeglichen werden. Zusätzlich erhalten spanische Landwirte die reguläre Steuerrückerstattung von 6,37 Cent oder 6,03 Rappen je Liter. Die Krisenbeihilfe lief bisher parallel zu einem allgemeinen Tankrabatt für die Bevölkerung, der nach aktuellem Stand Ende September endet.

Polen geht einen anderen Weg und will die Rückerstattung deutlich anheben. Ein entsprechender Gesetzentwurf befindet sich im Regierungsverfahren. Vorgesehen sind umgerechnet 43 Rappen oder 0,46 Euro je Liter. Seit Anfang 2026 werden 32 Rappen beziehungsweise 0,34 Euro erstattet, 2025 waren es 31 Rappen oder 0,33 Euro.

In Frankreich gibt es mindestens bis Ende Oktober eine Kraftstoffbeihilfe von 15 Cent je Liter. Der Bauernverband FNSEA findet das angesichts der Preisentwicklung zu wenig. Bei Agrardieselpreisen von etwa 1,12 Franken oder 1,20 Euro je Liter sei der Zuschuss noch akzeptabel gewesen. Inzwischen liege der Preis über rund 1,40 Franken oder 1,50 Euro. Die FNSEA fordert deshalb eine Verdopplung.

Der Verband Coordination Rurale verlangt zusätzlich eine staatliche Preisobergrenze von 93 Rappen oder 1 Euro je Liter. Finanziert werden soll das nach seiner Vorstellung durch Einsparungen, etwa über die Auflösung der Agentur für ökologischen Landbau, der Agence Bio, oder der Biodiversitätsbehörde OFB.

Deutschland setzt wieder auf Rückvergütung

In Deutschland erhalten land- und forstwirtschaftliche Betriebe ab dem 1. Januar 2026 wieder 21,48 Cent je Liter Agrardiesel, das sind 19,90 Rappen. Dadurch sollen die Betriebe jährlich um rund 430 Millionen Euro entlastet werden. Der ursprünglich geplante schrittweise Abbau der Vergünstigung bis 2026 entfällt.

Die Neuregelung geht auf die Neufassung von § 57 des Energiesteuergesetzes zurück. Das Bundeslandwirtschaftsministerium bestätigte sie am 10. September 2025; der Zoll veröffentlichte die konkreten Voraussetzungen für HVO. Die Vergünstigung gilt seit 2026 nicht nur für fossilen Diesel, sondern auch für Pflanzenölkraftstoff, Biodiesel und hydriertes Pflanzenöl, kurz HVO, sofern diese als Gasöl oder gleichgestelltes Energieerzeugnis eingestuft sind.

Bis Ende 2021 waren Biokraftstoffe in der Landwirtschaft bereits mit etwa 45 Cent je Liter entlastet worden. Diese Regelung war nach dem Auslaufen der EU-Genehmigung weggefallen. Nun kommt Bewegung in den Tank – und zwar nicht nur auf dem Papier.

Eine zusätzliche spezielle Krisenbeihilfe zahlt Deutschland derzeit nicht. Landwirtschaftliche Betriebe sollen jedoch vom angekündigten allgemeinen Tankrabatt profitieren. Geplant ist ab Anfang Oktober eine befristete Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe um etwa 14 Cent oder 13,26 Rappen je Liter.

Die Koalitionsfraktionen brachten die Steuererleichterung per Änderungsantrag in das Versicherungs-Sanierungs-, Abwicklungs- und Aufsichtsänderungsgesetz, kurz VSAAG, ein. Der Bundestag sollte das Gesetz am Freitag, 25. September, in zweiter und dritter Lesung beraten. Am selben Tag war das VSAAG auch im Bundesrat traktandiert.

Die politische Vorgeschichte war laut: Anfang Januar 2024 führten landwirtschaftliche Sternfahrten und ähnliche Protestaktionen zu erheblichen Verkehrseinschränkungen und großer Medienaufmerksamkeit. Auslöser war der zunächst geplante, später abgemilderte Abbau der Agrardieselvergünstigung. Die bisherige Rückvergütung lag bei 21,48 Cent je Liter Diesel. Vorgesehen war zunächst eine Kürzung um 40 Prozent, im Folgejahr um 70 Prozent und im dritten Jahr um 100 Prozent.

Das Gesamtvolumen der Subvention bezifferte der 29. Subventionsbericht der Bundesregierung auf 440 Millionen Euro. Bei rund 260.000 landwirtschaftlichen Betrieben hätte das zunächst durchschnittlich etwa 680 Euro Mehrbelastung pro Betrieb und Jahr bedeutet, im Zieljahr etwa 1.700 Euro. Bezogen auf die durchschnittliche landwirtschaftliche Fläche wären es zuerst rund 10,60 Euro je Hektar und später 26,50 Euro gewesen.

26,50 Euro je Hektar entsprachen bei den damaligen Weizenpreisen ungefähr 120 Kilogramm Weizen oder 1,6 Prozent des durchschnittlichen Weizenertrags. Gemessen an der wirtschaftlichen Bedeutung galt der Umfang des Subventionsabbaus als begrenzt, gerade angesichts der guten Einkommenssituation vieler Betriebe in den beiden vorhergehenden Jahren.

HVO kommt auf den Hof

HVO ist ein paraffinischer Dieselkraftstoff nach der Norm EN 15940. Moderne Motoren können ihn ohne technische Umbauten verwenden, sofern eine Herstellerfreigabe vorliegt. Er kann als reiner Kraftstoff, HVO100, oder als Beimischung in beliebigem Verhältnis eingesetzt werden.

Hergestellt wird HVO aus Rest- und Abfallstoffen wie Altspeiseöl und tierischen Fetten. Palmöl spielt wegen seiner EU-Einstufung als Rohstoff mit hohem ILUC-Risiko auf dem deutschen Markt praktisch keine Rolle mehr. Etwas weniger Energie pro Liter als fossiler Diesel enthält HVO trotzdem; der Verbrauch kann deshalb leicht steigen. Die Motorleistung blieb bisherigen Praxiserfahrungen zufolge gleich, Herstellerangaben zufolge sinken Partikel- und Stickoxidemissionen messbar.

Bei CLAAS verlassen Traktoren und Erntemaschinen der Abgasstufe Stage V seit Oktober 2023 ab Werk mit HVO-Freigabe beziehungsweise HVO im Tank das Werk. MAN hat seine Off-Road-Motoren für die aktuellen Emissionsnormen ebenfalls für HVO freigegeben. Eine im April 2026 veröffentlichte TFZ-Marktübersicht basiert auf Angaben von 120 Herstellern und erfasst Freigaben für HVO, Biodiesel-Reinkraftstoff B100, Biodiesel-Mischungen und Rapsölkraftstoff.

Bei einem wissenschaftlich begleiteten Versuch der Bayerischen Staatsgüter liefen Traktoren mehrere Monate mit HVO. Laut TFZ traten dabei keine technischen Störungen auf. Nach Angaben von eFuelsNow boten inzwischen mehr als 2.000 Straßentankstellen in Deutschland HVO-Produkte an; mehrere hundert führten reines HVO100. Das klingt nach viel, ist auf dem Land aber nicht automatisch gleichbedeutend mit einer Zapfsäule gleich hinter dem nächsten Kreisverkehr.

Bei älteren Maschinen ohne HVO-Freigabe sollte vor der Umstellung der Hersteller kontaktiert werden, insbesondere wegen Garantie- und Versicherungsfragen. Für HVO sind eine Herstellerfreigabe nach EN 15940 und bei älteren Maschinen eine vorherige Prüfung durch den Hersteller besonders wichtig.

Biodiesel bleibt der große Mengenbringer

Mengenmäßig bleibt Biodiesel der wichtigste Biokraftstoff in Deutschland. Er besteht aus Fettsäuremethylestern, kurz FAME, die durch Umesterung von Pflanzenölen oder Altspeisefetten entstehen. Rund die Hälfte der deutschen Biodieselproduktion stammt inzwischen aus gebrauchten Speiseölen.