Amazon verabschiedet sich nach rund 15 Jahren von den Fire-Tablets. An ihre Stelle tritt eine neue Marke: Alexa. Am 8. Oktober 2026 hat das Unternehmen die Modelle Alexa Tablet 8, Alexa Tablet 11 und Alexa Tablet 12 Pro vorgestellt. Vorbestellungen sind seit diesem Tag möglich.

Der Wechsel fällt technisch deutlich aus. Die neuen Geräte laufen mit regulärem Android 16 und greifen ab Werk auf den Google Play Store zu. YouTube, Netflix und Gmail lassen sich damit direkt installieren. Frühere Fire-Tablets nutzten Amazons angepasstes Fire OS und den eigenen Appstore, dessen Angebot eingeschränkter war. Ein Update auf Android 17 ist für Anfang 2027 angekündigt.

Drei Modelle, drei Größen

Das Alexa Tablet 8 startet bei 229,99 US-Dollar beziehungsweise 229,99 Euro. Es besitzt ein 8,7-Zoll-Display, 4 Gigabyte Arbeitsspeicher, 64 Gigabyte Speicher und einen Achtkernprozessor. Mit 329 Gramm Gewicht und 7,95 Millimetern Dicke ist es für Lesen, Surfen und Videos unterwegs gedacht; die Größe erlaubt auch eine einhändige Nutzung. Die Videowiedergabe soll bis zu 14 Stunden dauern. Angeboten wird es in Graphit, Rosa und Blaugrün.

Das Alexa Tablet 11 kostet ab 329,99 US-Dollar beziehungsweise 329,99 Euro. Sein 11-Zoll-Bildschirm im Format 16:10 erreicht bis zu 90 Bilder pro Sekunde und bietet 2,5K-Auflösung. Dazu kommen ein Achtkernprozessor, 8 Gigabyte RAM, 64 Gigabyte Speicher und bis zu 15 Stunden Videowiedergabe. Das Format ist vor allem auf Filme und Serien zugeschnitten. Als Farben nennt Amazon Graphit, Amethyst und Matchagrün.

Oben rangiert das Alexa Tablet 12 Pro. Amazon nennt ein 12-Zoll-Display, technische Angaben führen es mit 12,5 Zoll, 2800 × 1840 Pixeln, 280 ppi und 500 Nits Helligkeit. Das Seitenverhältnis beträgt 3:2, die Bildwiederholrate bis zu 120 Hertz. Das Gerät ist 6,5 Millimeter dünn und wiegt je nach Angabe 550 beziehungsweise 555 Gramm. Im Aluminiumgehäuse stecken ein achtkerniger MediaTek Dimensity 8400 aus dem 4-Nanometer-Verfahren, vier Dolby-Atmos-Lautsprecher, standardmäßig 8 Gigabyte RAM und 128 Gigabyte Speicher. Wahlweise sind bis zu 16 Gigabyte RAM und 256 Gigabyte Speicher erhältlich.

Der Preis für die glänzende Variante beginnt bei 499,99 US-Dollar beziehungsweise 499,99 Euro. Eine Version mit gemeinsam mit Corning entwickeltem Nanomatte-Display kostet ab 549,99 US-Dollar beziehungsweise 559,99 Euro. In das Glas ist eine feine Struktur geätzt. Sie soll Spiegelungen verringern und das Lesen angenehmer machen, ohne Details und Farben so stark zu verlieren wie herkömmliche matte Bildschirme. Bis zu 16 Stunden Videowiedergabe sind möglich, im Kindle-Lesemodus laut Amazon bis zu 20 Stunden.

Mehr Platz für Dokumente, Webseiten und parallele Fenster klingt im Alltag praktisch. 16:9-Filme füllen den 3:2-Bildschirm allerdings nicht vollständig aus. Amazon sieht das 12 Pro außerdem für anspruchsvolle Spiele vor. Das Gerät soll also zugleich Lesebrett, Schreibfläche und Unterhaltungsmaschine sein.

Stift, Tastatur und der lange Leseabend

Für das 12 Pro gibt es einen Eingabestift für 84,99 Euro. Er erkennt 4.096 Druckstufen und den Neigungswinkel, haftet magnetisch am Tablet und lädt dort kabellos. Auf dem Nanomatte-Display soll sich das Schreiben papierähnlicher anfühlen. Eine magnetisch andockbare Tastatur kostet 139,99 Euro; Bluetooth ist dafür nicht erforderlich. Vorgesehen sind getrennte Profile für Arbeit und private Nutzung. Stift und Tastatur funktionieren ausschließlich mit dem 12 Pro.

Beim Öffnen eines Buchs in der Kindle-App startet ein Lesemodus. Benachrichtigungen werden stummgeschaltet, der Blauanteil des Lichts sinkt. Zur Auswahl stehen eine farbige Darstellung, weichere papierähnliche Farbtöne und Graustufen. Kindle-Bücher und Audible-Hörbücher erscheinen gemeinsam in einer Ansicht. Auf dem 12 Pro lassen sich mit dem Stift Textstellen markieren und Notizen schreiben, die mit anderen Kindle-Geräten und -Apps synchronisiert werden sollen.

Das Tablet 8 und das Tablet 11 bringen ebenfalls den Google Play Store, den Lesemodus und Alexa+ mit. Einen Stift oder eine Tastatur unterstützen beide nicht, eine matte Bildschirmvariante gibt es ebenfalls nicht. Zusätzlich verkauft Amazon beide Geräte als Amazon Kids Tablet. Zum Paket gehören eine kindgerechte Schutzhülle mit Ständer und ein Jahr Amazon Kids+. Die Kids-Version des Tablet 8 kostet ab 229,99 Euro, jene des Tablet 11 ab 329,99 Euro. Bildschirmzeit und Inhalte können Eltern direkt am Tablet oder über eine Smartphone-App verwalten.

Alexa+ schaut auf Wunsch mit

Der KI-Assistent Alexa+ steckt in allen drei Geräten. Er lässt sich per Zuruf oder über eine Schaltfläche aufrufen, ohne dass die geöffnete App verlassen werden muss. Fragen beantwortet er, vernetzte Haushaltsgeräte steuert er ebenfalls. Eine neue Funktion kann auf Wunsch den aktuellen Bildschirminhalt analysieren: Aus dem Spielplan eines Sportvereins könnte Alexa etwa Termine in den Kalender übertragen und auf Überschneidungen hinweisen.

Ganz automatisch passiert das nicht. Die Bildschirmanalyse ist standardmäßig deaktiviert und muss ausdrücklich eingeschaltet werden; ein Hinweis zeigt an, wenn Alexa den Bildschirm untersucht. In Deutschland ist Alexa+ auf Deutsch verfügbar. Für Prime-Mitglieder ist der Dienst ohne Aufpreis enthalten, ohne Prime kostet er 22,99 Euro im Monat. Amazon macht allerdings keine Angaben dazu, welche Tablet-Funktionen ohne Prime- oder Alexa+-Abo verfügbar bleiben.

Teurer als Fire – und mit offenem Ausgang

Die neuen Geräte liegen deutlich über den bisherigen Fire-Preisen. Ein Fire HD 8 kostete 129 US-Dollar, ein Fire HD 10 155 US-Dollar. Das 12 Pro kommt mit bis zu 550 US-Dollar sogar auf mehr als das Dreifache des Fire HD 10. Amazon hatte bereits im August die Preise für Echo, Kindle, Fire TV und weitere Geräte wegen gestiegener Speicherpreise erhöht.

Die Auslieferung beginnt in den USA, Kanada und Mexiko ab 14. Oktober 2026. Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien sind ab 19. Oktober an der Reihe; die Kids-Varianten starten in Japan ebenfalls am 14. Oktober. Für Deutschland waren am 10. Oktober 2026 zunächst noch nicht alle Preise bekannt gegeben, der Artikel nennt für die neue Serie jedoch einen Einstieg bei 229,99 Euro.

Bestehende Fire-Tablets sollen weiter unterstützt werden, neue Fire-Modelle sind nicht geplant. Die Produktion der Fire-Reihe wird beendet, die letzten Geräte sollen noch ein bis zwei Monate ausgeliefert werden. Bereits verkaufte Fire-Geräte bleiben funktionsfähig und erhalten laut den vorliegenden Angaben noch vier Jahre nach ihrer letzten Auslieferung Sicherheitsupdates. Wie es langfristig mit Fire OS und dem Amazon Appstore weitergeht, ist offen.

Gerätechef Panos Panay bestätigte den schrittweisen Ausstieg aus der Fire-Marke. Die bisherigen Geräte hätten Wünsche nach Google-Diensten und leistungsfähigerer Hardware nicht ausreichend erfüllt. Mit den Alexa-Tablets zielt Amazon auf Nutzer von Kindle, Audible und Prime Video, die zusätzlich Play-Store-Apps verwenden möchten. Das 12 Pro mit Nanomatte-Display richtet sich an Vielleser sowie an Menschen, die bei hellem Licht schreiben und handschriftliche Notizen machen wollen. Tablet 8 und Tablet 11 konzentrieren sich stärker auf Unterhaltung und Lesen. Wer Amazons Dienste kaum verwendet, dürfte von den integrierten Sonderfunktionen weniger haben – und für Alexa+ ohne Prime fallen monatlich 22,99 Euro an.

Der Schritt kommt in einem schwierigen Markt. Amazons weltweiter Tablet-Anteil sank laut IDC im zweiten Quartal 2026 von 8 auf 1,9 Prozent. Apple lag im selben Zeitraum bei 34 Prozent, Samsung bei 17,5 Prozent. Weltweit ging der Tablet-Absatz im Jahresvergleich um 12 Prozent auf 33,6 Millionen Geräte zurück, in den USA sogar um 32 Prozent. Laut CTOL lieferte Amazon im zweiten Quartal 2026 rund 640.000 Tablets aus – etwa 79 Prozent weniger als im Vorjahresquartal mit rund 3,1 Millionen und weniger als die rund 1,0 Million Geräte im zweiten Quartal 2024.

Amazon positioniert die neue Reihe als höherwertige Konkurrenz zum iPad und kündigte für den Herbst weitere Hardwarevorstellungen an, schloss einen eigenen Laptop aber aus. Bestellungen für die Alexa-Tablets sind seit dem 8. Oktober 2026 möglich; in den Versandkartons, die ab 14. oder 19. Oktober unterwegs sind, steckt damit nicht mehr Fire, sondern Alexa.