Trump und Putin haben ein Dieselabkommen vereinbart, Deutschland bleibt trotzdem auf Abstand. Die beiden Präsidenten kündigten umfangreiche russische Diesellieferungen an die USA und den Weltmarkt an. Für deutsche Autofahrerinnen und Autofahrer bedeutet das zunächst: kein russischer Diesel an hiesigen Tankstellen, keine Lockerung der deutschen Linie.

Die Bundesregierung erklärte, Deutschland werde weiterhin kein russisches Öl oder Benzin beziehen. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums importiert Deutschland seit 2023 kein russisches Öl und keine russischen Ölprodukte mehr. Die Versorgungssicherheit sei gewährleistet. Auch die EU hält an ihren Sanktionen fest.

Viele Tonnen, aber kein schneller Preisrutsch

Donald Trump kündigte zunächst mehr als 300.000 Tonnen Diesel für die USA und den Weltmarkt an. Im November sollen weitere 500.000 Tonnen freigegeben werden, anschließend eine Million Tonnen. Insgesamt stellte Trump innerhalb kurzer Zeit bis zu drei Millionen Tonnen in Aussicht – abhängig vom Zustand der russischen Dieselraffinerien. Genaue Zeiträume für die späteren Lieferungen nannte er nicht.

Wladimir Putin bestätigte die Bereitschaft Russlands, Erdöl und Erdölprodukte auf den US-amerikanischen und internationalen Märkten anzubieten. Nach russischer Darstellung soll das der Weltwirtschaft zugutekommen. Das US-Finanzministerium erteilte wegen der bestehenden Sanktionen eine bis zum 7. April 2027 gültige Ausnahmegenehmigung für Verkauf, Lieferung, Entladung und Import russischen Diesels.

Für den angespannten Markt ist die erste Tranche allerdings kein großer Tankwagen, der plötzlich vor jeder Zapfsäule vorfährt. Die 300.000 Tonnen entsprechen etwa 2,25 Millionen Barrel Diesel. Der tägliche US-Verbrauch von Diesel und anderen Destillat-Kraftstoffen liegt bei rund 3,77 Millionen Barrel beziehungsweise etwa 500.000 Tonnen. Rechnerisch reicht die angekündigte Menge damit für ungefähr 14 Stunden. Die USA exportieren täglich rund 1,5 Millionen Barrel Diesel.

Experten bezweifeln deshalb, dass die Lieferungen die Preise dauerhaft drücken können. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie sowie die Ökonomin Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft erwarten keine deutlichen Auswirkungen auf den Weltmarkt oder die deutschen Verbraucherpreise. Für einen nachhaltigen Preisrückgang müssten die Mengen tatsächlich verfügbar sein und über längere Zeit auf den Markt gelangen. Die angekündigten Lieferungen könnten den globalen Dieselmarkt kurzfristig nur begrenzt verändern.

Nach Bekanntwerden der Einigung fielen die US-Diesel-Futures um knapp beziehungsweise mehr als fünf Prozent auf 1,23 Dollar pro Liter. Seit Beginn des von den USA und Israel begonnenen Krieges gegen Iran am 28. Februar sind die Dieselpreise jedoch um 70 Prozent gestiegen. Die Konflikte im Iran und in der Ukraine haben weltweit zu Engpässen geführt. Hohe Kraftstoffpreise, Angriffe auf Raffinerien und Risiken für internationale Transportwege verknappen das Angebot.

Politischer Sprengstoff für den Westen

Trump steht vor den US-Zwischenwahlen wegen der gestiegenen Kraftstoffpreise unter Druck. Niedrigere Dieselpreise sollen Landwirten, Viehzüchtern und Lastwagenfahrern helfen. Das Abkommen steht zugleich im Gegensatz zu seiner Politik des Vormonats: Trump hatte ein Gesetz mit weitreichenden Befugnissen für neue Sanktionen gegen Russland unterzeichnet. Damit sollten unter anderem russische Öl- und Gasexporte eingeschränkt werden, die den Krieg gegen die Ukraine finanzieren.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kritisierte die Vereinbarung scharf. Zusätzliche Einnahmen aus Diesellieferungen könnten Russland Mittel zur Finanzierung des Krieges verschaffen, sagte sie mit Blick auf die russischen Angriffe auf die Ukraine und zunehmende hybride Aktivitäten gegen Europa. Kritik kam auch von den Grünen und US-Demokraten. Sie warfen Trump eine Kehrtwende bei den Russland-Sanktionen vor.

Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Deal als „nicht fair und nicht ehrlich“. Die Erlaubnis für russische Ölprodukte sei eine Investition in den Krieg; Russland werde die zusätzlichen Einnahmen für weiteren „Terror“ nutzen. Besonders störte den ukrainischen Präsidenten, dass die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner zeitgleich in Miami mit ukrainischen Unterhändlern über ein mögliches Kriegsende verhandelten, ohne das Dieselabkommen anzusprechen.

Die Ukraine bot erneut an, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, wenn Russland im Gegenzug Angriffe auf ukrainische Energieanlagen beendet. Eine Lockerung der Russland-Sanktionen lehnte Selenskyj ab. Sie sei ein Zeichen von Schwäche und werde dazu führen, dass Russland die USA weniger ernst nehme. Eine ARD-Korrespondentin bezeichnete das Abkommen angesichts der russischen Angriffe und der Vorbereitungen auf den kommenden Kriegswinter als fatales Signal für die Ukraine. Kiew kann allerdings nur begrenzt reagieren, weil die USA weiterhin der wichtigste Unterstützer der Ukraine im Krieg gegen Russland sind.

Für Europa liegt der entscheidende Unterschied auf der Hand: Die EU hält am Importverbot fest, während die USA eine befristete Ausnahme für russischen Diesel ermöglichen. Einen unmittelbaren Zugang russischer Ware zum deutschen Tankstellenmarkt gibt es dadurch nicht. Dafür wächst der Streit über den Umgang mit Russland – und die westliche Geschlossenheit bekommt einen weiteren Riss.

Deutschlands Raffinerien federn viel ab, aber nicht alles

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie erwartet daher keine größeren Auswirkungen auf die Preise an deutschen Tankstellen. Entscheidend bleiben die weltweite Angebotslage, Transportkosten und geopolitische Risiken. Die tatsächliche russische Lieferfähigkeit hängt von der Auslastung der Raffinerien und von eigenen russischen Exportbeschränkungen ab. Offen ist, wann die Lieferungen beginnen, welche Mengen tatsächlich exportiert werden und ob sie über kurzfristige Markteffekte hinaus auf die Dieselpreise wirken.

Deutschland verfügt über eigene Raffinerien und war im ersten Halbjahr 2026 trotz Importen Nettoexporteur von Diesel. Die Raffinerien erzeugten netto 16,15 Millionen Tonnen. Den Inlandsablieferungen von 15,18 Millionen Tonnen standen Importe von 4,46 Millionen und Exporte von 5,18 Millionen Tonnen gegenüber. Das ist ein ordentliches Polster – aber kein Schutzschild gegen Weltmarktpreise oder regionale Engpässe.

Für die PCK-Raffinerie in Schwedt spielen Lieferwege über Rostock und Danzig eine wichtige Rolle. Überhaupt braucht die Versorgung kontinuierliche Rohöllieferungen, ausreichende Raffineriekapazitäten und funktionierende Transportwege. Selbst bei einem bundesweiten Produktionsüberschuss können einzelne Regionen leerer ausgehen. Der deutsche Dieselpreis bleibt vom europäischen und internationalen Markt abhängig.

Die USA und Russland zählen zu den wichtigsten Diesel- und Gasölexporteuren der Welt. Nach UN-Daten für 2023 exportierten die USA rund 55,2 Millionen Tonnen Diesel und Gasöl, Russland 39,8 Millionen Tonnen. Es folgten Saudi-Arabien mit 28,5 Millionen und Indien mit 28,2 Millionen Tonnen. Die Statistik umfasst auch leichtes Heizöl sowie Bruttoexporte einschließlich Wiederausfuhren. Historische Exportmengen sind also keine frei herumliegenden Reserven.

Zusätzliche Lieferungen könnten unter anderem aus Indien oder Südkorea kommen. Ob dort wirklich Überschüsse verfügbar sind, hängt von Lieferverpflichtungen, Kraftstoffqualitäten, Preisen und Transportzeiten ab. Auch Saudi-Arabien kann mögliche Ausfälle nicht einfach kompensieren: Eine Kpler-Analyse vom 17. September meldete den Ausfall von etwa 200.000 Barrel Diesel pro Tag aus dem YASREF-Komplex in Yanbu. Beschädigte Pumpstationen beeinträchtigten zusätzlich die Rohölversorgung über die Ost-West-Pipeline.

Der gemeldete Wiederanlauf der Pipeline bedeutet noch keine vollständige Normalisierung der Dieselproduktion. Angriffe auf Schiffe mit saudischer Ladung im Roten Meer sowie Beeinträchtigungen in der Straße von Hormus erschweren die Exporte. Tanker könnten von Yanbu aus über den Suezkanal nach Europa fahren, ohne Bab el-Mandab oder die Straße von Hormus zu passieren. Dafür müssten aber ausreichend Rohöl, funktionierende Raffinerien und intakte Verladeanlagen vorhanden sein – drei ziemlich große Wenns.

Exportverbote und der Blick auf den Winter

Russland beschränkt seit dem 8. Juli 2026 die Dieselausfuhren seiner Produzenten. Als Gründe gelten Versorgungsprobleme nach ukrainischen Angriffen auf Raffinerien und die Stabilisierung des russischen Binnenmarkts. Die zuletzt bestätigte Beschränkung gilt bis zum 31. Oktober 2026; über eine Verlängerung wurde berichtet. Ausnahmen bestehen unter anderem für zwischenstaatliche Liefervereinbarungen.

In den USA gibt es vor den Kongresswahlen ebenfalls politischen Druck, den Dieselpreis zu senken. Medien berichteten über Vorbereitungen für ein 90-tägiges Exportverbot, die Regierung bestritt jedoch einen bereits beschlossenen pauschalen Lieferstopp. Ein solcher Schritt könnte die Preise in den USA kurzfristig senken. Der Branchenverband API warnt allerdings vor vollen Lagern, fehlenden Absatzmöglichkeiten und einer möglichen Drosselung der Raffinerieproduktion. Dann würde neben Diesel auch weniger Benzin und Flugtreibstoff hergestellt.

Ein US-Exportverbot würde Europa eine zusätzliche Bezugsquelle nehmen. Nationale Exportverbote beseitigen die globale Dieselknappheit nicht, sondern schränken den verfügbaren Handel für Importländer weiter ein. Ein gleichzeitiger 90-tägiger US-Exportstopp und eine Verlängerung der russischen Beschränkungen bis zum Jahresende würden die Versorgung im Winter besonders belasten.

Bei sinkenden Temperaturen steigt die Nachfrage nach leichtem Heizöl, das wie Diesel zu den Mitteldestillaten gehört. Raffinerien können ihre Produktion innerhalb technischer Grenzen anpassen, aber nicht beliebig erhöhen. Werden Heizöltanks stärker befüllt, kann das die Dieselverfügbarkeit an Tankstellen verringern. Längere Schiffsreisen um das Kap der Guten Hoffnung binden Tankerkapazitäten, verzögern Lieferungen und erhöhen den Treibstoffverbrauch.

Deutschland verfügt über strategische Reserven. Der Erdölbevorratungsverband hält nach der gesetzlichen Bevorratungspflicht Rohöl und Mineralölprodukte im Umfang von mindestens 90 Tagen der maßgeblichen Nettoimporte. Das garantiert keine Dieselversorgung für exakt 90 Tage, weil die Reserve mehrere Produkte umfasst und Rohöl zunächst verarbeitet werden muss.

Wie lange Deutschland eine angespannte Lage überstehen könnte, hängt von Raffinerieauslastung, Rohölzufuhr, Lagerbeständen, Ersatzlieferungen und der Nachfrage ab. Bei funktionierenden deutschen Raffinerien wären zunächst vor allem höhere Beschaffungskosten und steigende Dieselpreise zu erwarten. Treffen Lieferausfälle zusätzlich auf Kälte, niedrige Lagerbestände oder Anlagenstörungen, steigt das Risiko regionaler Dieselengpässe. Je länger Exportbeschränkungen und Produktionsausfälle andauern, desto teurer und anfälliger wird die Dieselversorgung in Deutschland.