Trumps Diesel-Deal mit Putin bleibt an deutschen Tankstellen bislang folgenlos
US-Präsident Donald Trump hat eine Diesel-Vereinbarung mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin verkündet. Nach Angaben Trumps geht es um umfangreiche Lieferungen russischen Diesels an die USA und den Weltmarkt. Eine Expertin erwartet allerdings, dass das Abkommen die Dieselpreise auf dem Weltmarkt voraussichtlich nicht signifikant verändern wird. Sie vermutet zudem, dass Trump mit der Vereinbarung möglicherweise andere Ziele verfolgt.
Für den 10. Oktober 2026 klingt die Nachricht zunächst nach großen Mengen und großer Wirkung: Russland soll umgehend mehr als 300.000 Tonnen Diesel für die USA und den Weltmarkt bereitstellen. Im November sollen weitere 500.000 Tonnen folgen, anschließend nochmals eine Million Tonnen. Abhängig vom Zustand russischer Raffinerien könnten kurzfristig sogar weitere drei Millionen Tonnen geliefert werden.
Washington setzt Sanktionen vorübergehend aus
Trump bezeichnete die Vereinbarung als „große Sache“ und sprach von „riesigen Mengen Öl“, die in die USA kämen. Das US-Finanzministerium erteilte wegen der bestehenden Sanktionen eine befristete Genehmigung: Verkauf, Lieferung, Entladung und Import russischen Diesels sind bis zum 7. April 2027 erlaubt. Die USA wollen die Sanktionen gegen russischen Diesel damit vorübergehend aussetzen.
Der Kreml bestätigte den Deal. Russland sei bereit, Erdöl und Erdölprodukte auf den US-amerikanischen und internationalen Märkten anzubieten, hieß es aus Moskau. Nach russischer Darstellung soll dies der gesamten Weltwirtschaft zugutekommen. Gleichzeitig steht die angekündigte Dieselvereinbarung im Gegensatz zu einem Gesetz, das Trump erst im Vormonat unterzeichnet hatte und das neue Sanktionen gegen Russland erleichtert sowie russische Öl- und Gasexporte stärker begrenzen soll.
In den Vereinigten Staaten steht Trump vor den US-Zwischenwahlen im November wegen gestiegener Spritpreise unter innenpolitischem Druck. Republikaner machten zuletzt auch den Iran-Krieg für die hohen Preise verantwortlich. Trump hatte zuvor den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für eine weltweite Dieselknappheit verantwortlich gemacht und ihn aufgefordert, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. Diese Angriffe würden die Dieselversorgung Russlands beeinträchtigen und der ganzen Welt schaden, erklärte Trump. Als Ursachen der Dieselknappheit nannte er nicht den Nahen Osten, sondern die Entwicklungen in Russland und der Ukraine.
Kritik aus Kiew, Zurückhaltung aus Berlin
Selenskyj kritisierte die Vereinbarung scharf. Die Erlaubnis zum Verkauf russischer Erdölprodukte sei eine Investition in den Krieg. Der Krieg müsse beendet und nicht verlängert werden. Russland werde mit weiterem „Terror und Gemeinheiten“ reagieren.
Die Bundesregierung bekräftigte ihr Festhalten an den Russland-Sanktionen und kündigte gemeinsam mit europäischen Partnern weitere Sanktionen an. Regierungssprecher Stefan Kornelius erklärte, die Unterstützung der Ukraine bleibe ungebrochen; die US-Entscheidung zu russischen Diesellieferungen sei zur Kenntnis genommen worden. Eine direkte Kritik an US-Präsident Donald Trump vermied er. Berlin will die diplomatischen Bemühungen um eine Friedenslösung fortsetzen.
Das Bundeswirtschaftsministerium betonte, Deutschland stehe uneingeschränkt zu den EU-Sanktionspaketen. Russland liefert seit 2023 wegen EU-Sanktionen kein Öl und keine Ölprodukte mehr nach Deutschland. Deutschlands Ölversorgung sei diversifiziert, die Versorgungssicherheit gewährleistet und die Energieversorgung unabhängig von russischem Öl.
Grünen-Chefin Franziska Brantner forderte angesichts des Deals einen schnelleren Ausstieg Europas aus fossilen Energien. Sie kritisierte Trumps Vorgehen scharf und bezeichnete die Vereinbarung mit Putin als besonders skrupellos. Nach Brantners Darstellung müssten die Menschen in der Ukraine und Betroffene hoher Energiepreise die Folgen von Trumps Politik tragen. Für Deutschland und Europa seien europäische Souveränität und die Unabhängigkeit von fossilen Energien entscheidend.
Kaum Bewegung an deutschen Tankstellen
Für Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland zeichnet sich bislang kein Preissprung ab. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie erwartet keine größeren Auswirkungen des Abkommens auf die Preise an deutschen Tankstellen. Wegen der vereinbarten Mengen rechnet der Verband auch nicht mit signifikanten Auswirkungen auf den Weltmarkt oder die Preise.
Das EU-Importverbot für russischen Diesel gilt seit dem 5. Februar 2023 weiterhin. Russland kann also nicht einfach wieder regulär nach Deutschland liefern. Preisvergleichsportale zeigten bislang keine größeren Ausschläge bei Diesel oder Superbenzin. Das Spritpreisportal Tankerkönig registrierte bis Samstagmittag keine größeren Preisveränderungen. Die Preise lagen vor und nach dem üblichen Anstieg zur Mittagszeit ungefähr auf dem Niveau des jeweiligen Vortags.
Für die Baustellen und Betriebe im Land bleibt damit vorerst die gewohnte Unsicherheit: Der Deal ist politisch laut, an der Zapfsäule aber erstaunlich leise. Ob sich die angekündigten Liefermengen, der Zustand russischer Raffinerien und die weitere Sanktionspolitik später doch bemerkbar machen, hängt an mehreren Stellschrauben. Heute jedenfalls blieb der Dieselpreis in Deutschland weitgehend dort, wo er am Vortag schon war.
