BKI veröffentlicht 63 Praxisprojekte für Passiv- und Effizienzhäuser
Heute, am 30.09.2026, veröffentlicht das Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern (BKI) den Sonderband S9 „Passiv- und Effizienzhäuser“. Für alle, die bei energieeffizientem Bauen nicht nur über Dämmstärken und Heizsysteme reden, sondern belastbare Zahlen auf dem Tisch brauchen, kommt der Band ziemlich gelegen. Dokumentiert sind 63 realisierte Neu- und Altbauprojekte – als Planungs- und Vergleichsgrundlage für Passivhäuser und Effizienzhäuser.
Die ausgewählten Objekte reichen von Büro- und Verwaltungsgebäuden über Schulen und Kindergärten bis zu Wohnbauten sowie Gewerbe- und Kulturgebäuden. Fotos, Zeichnungen und Baubeschreibungen machen die Projekte anschaulich; Kostenkennwerte, energetische Kennwerte und Schichtaufbauten der Außenbauteile liefern die Zahlen dahinter. Das ist nicht bloß Papier für den Schreibtisch, sondern Material, mit dem sich unterschiedliche konstruktive Lösungen nebeneinanderlegen lassen.
Was im Sonderband steckt
Die Baukosten wurden nach der aktuellen DIN 276 bis zur dritten Ebene und zusätzlich nach Leistungsbereichen ausgewertet. Damit soll der Band die Kostenplanung und Plausibilisierung von Passiv- und Effizienzhäusern unterstützen. Die 63 abgerechneten Neu- und Altbauobjekte dienen als Grundlage für Kostenermittlungen bei der Planung energetisch optimierter Gebäude und sind insbesondere für die energetische Beratung vorgesehen.
Praktisch wird es bei den Regionalfaktoren: Die Kostenkennwerte lassen sich mit den aktuellen BKI-Baukosten-Regionalfaktoren 2026 an das jeweilige Baupreisniveau anpassen. Berücksichtigt werden sämtliche Stadt- und Landkreise in Deutschland – außerdem die Inseln der Nord- und Ostsee. BKI versteht seine Objektdaten ausdrücklich als Grundlage für Baukosten-Sicherheit; bundesweite Durchschnittswerte sollen so näher an die örtliche Realität rücken. Gerade bei Baupreisen kann das den Unterschied ausmachen. Ein Projekt auf dem Papier ist eben noch keine Baustelle vor Ort.
Ergänzt wird der Band durch den Fachbeitrag „Energieeffizientes Bauen: Standards, Konzepte und nachhaltige Lösungen für Gebäude“ von Hans-Stefan Müller. Auf der BKI-Produktseite finden sich außerdem ein Inhaltsverzeichnis, Musterseiten, neue Objekte und eine Leseprobe. Als gesetzlicher Kontext wird unter anderem das GModG genannt.
Vom GEG-Mindeststandard bis zum Plusenergiehaus
Wie weit der energetische Anspruch reichen kann, zeigt ein am 19. April 2026 aktualisierter Überblick zu Energiestandards beim Neubau in Deutschland. Verglichen werden der GEG-2024-Mindeststandard, das KfW-Effizienzhaus 55, das KfW-Effizienzhaus 40, das KfW-Effizienzhaus 40 Plus, das Passivhaus und das Plusenergiehaus.
Der GEG-2024-Mindeststandard entspricht laut diesem Artikel ungefähr dem Effizienzhaus-55-Niveau. Ein KfW-Effizienzhaus 55 benötigt 55 Prozent des Primärenergiebedarfs eines Referenzgebäudes, ein Effizienzhaus 40 kommt auf 40 Prozent. Das EH 40 wird dort als aktueller Standard für die Neubauförderung bezeichnet. Beim Effizienzhaus 40 Plus kommt zur Effizienz eigene Stromerzeugung hinzu, etwa durch Photovoltaik und einen Speicher.
Ein Passivhaus darf höchstens 15 kWh Heizwärmebedarf pro Quadratmeter und Jahr aufweisen. Das Plusenergiehaus geht noch einen Schritt weiter: Es erzeugt mehr Energie, als es verbraucht. Klingt im ersten Moment fast nach einem Gebäude mit eingebautem Dauerlächeln, in der Praxis hängen solche Ziele aber an Planung, Ausführung, Technik und Nutzung.
Mehrkosten, Förderung und lange Atem
Höhere Energiestandards verursachen höhere Baukosten, können langfristig aber Energiekosten senken. Für den Schritt vom EH 55 zum EH 40 werden etwa 8 bis 15 Prozent Mehrkosten und eine Amortisation nach ungefähr 12 bis 18 Jahren genannt. Ein KfW-40-Haus kostet demnach etwa 8 bis 15 Prozent mehr als ein Bau nach GEG-Mindeststandard. Bei Baukosten von 300.000 Euro entspräche das zusätzlichen 24.000 bis 45.000 Euro.
Vom EH 40 zum EH 40 Plus kommen für Photovoltaik und Speicher geschätzt weitere 5 bis 8 Prozent hinzu – dafür entsteht zusätzliche Stromerzeugung. Der Sprung vom EH 40 zum Passivhaus wird mit etwa 15 bis 25 Prozent Mehrkosten angesetzt, die Amortisationsdauer als sehr lang. Für ein Passivhaus werden ungefähr 20 bis 30 Jahre finanzielle Amortisation geschätzt. Als weitere Gründe nennt der Ratgeber höheren Wohnkomfort, bessere Luftqualität und Wertstabilität. Ob sich das im eigenen Fall ausgeht, hängt freilich von vielen Faktoren ab.
Teilweise können Förderungen und niedrigere Energiekosten die Mehrkosten abfedern. Für Neubauten ab Effizienzhaus-55-Niveau wird der zinsgünstige KfW-Kredit 297/298 genannt: bis zu 100.000 Euro je Wohneinheit, mit QNG-Siegel bis zu 150.000 Euro je Wohneinheit. Einen Tilgungszuschuss gibt es dabei nicht. Förderbedingungen und Zinssätze können sich ändern; für verbindliche Angaben verweist der Artikel auf KfW, BAFA und Hausbanken.
Ein Band, mehrere Ausgabeformen
Der vollständige Titel lautet „BKI Objektdaten Sonderband S9: Passiv- und Effizienzhäuser“. Herausgeber beziehungsweise Anbieter ist das BKI, der Verlag ist der Fraunhofer IRB Verlag. Der Band umfasst 834 Seiten und trägt die ISBN 978-3-912423-15-0. Erhältlich ist er beim BKI als Buch, eBook, Kombination aus Buch und eBook oder als Download.
Die Preise beginnen je nach Produktvariante ab 99 Euro beziehungsweise ab 92 Euro. Angegeben werden Preise inklusive oder zuzüglich 7 Prozent Mehrwertsteuer, abhängig von Darstellung und Variante. Wer sich weiter umsehen möchte, findet beim BKI außerdem Sonderbände zu Schulen, seriellem und modularem Bauen, Holzbau, kosteneffizientem Wohnungsbau, sozialem Wohnungsbau und barrierefreiem Bauen.
Quelle: Baulinks
Weitere Informationen: BKI
Einordnung: Baukostenplan
