Baupreise, 3. Oktober 2026 – Die deutsche Wirtschaft könnte in diesem Jahr um rund 1 Prozent wachsen. Das deutete Bundesbank-Präsident Joachim Nagel am 2. Oktober 2026 an. Für ein Land, das drei Jahre kaum vom Fleck kam, wäre das immerhin ein kleiner Schritt nach vorn.

Die Aussicht liegt etwa doppelt so hoch wie jüngste Prognosen. Noch im Juni hatte die Deutsche Bundesbank ein Jahreswachstum von 0,5 Prozent erwartet; andere große Prognostiker rechneten meist mit deutlich weniger als 1 Prozent. Nagel sprach von einer konjunkturell anziehenden Wirtschaft, bremste aber zugleich die Euphorie: Das Potenzialwachstum bleibe schwach.

Staat investiert, Ausland bestellt

Als wichtige Antriebskräfte nannte Nagel die starke Exportnachfrage und staatliche Investitionen. Dahinter steht auch ein schuldenfinanziertes Ausgabenpaket der Bundesregierung mit Schwerpunkten bei Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz. Gerade für die Bauwirtschaft ist das ein Punkt, bei dem man genauer hinschaut: Öffentliche Mittel können Projekte anschieben, verändern aber nicht über Nacht jede Kostenrechnung.

Hinzu kam eine unerwartet robuste Auslandsnachfrage. Deutschland, Europas drittgrößte Volkswirtschaft, hat davon profitiert, obwohl die vergangenen drei Jahre von nahezu stagnierendem Wachstum geprägt waren. Selbst der Iran-Krieg, der als zusätzliche Belastung für die Industrie erwartet wurde – vor allem wegen höherer Energiekosten –, konnte das Bild bislang nicht kippen. Die deutsche Produktion erwies sich als überraschend widerstandsfähig.

Dass Deutschland stärker als erwartet abschneiden könnte, hat Folgen über die Landesgrenzen hinaus. Prognostiker haben deshalb auch ihre Erwartungen für die Eurozone angehoben. Für den Euroraum wird in diesem Jahr nun ein Wachstum von mindestens rund 1 Prozent erwartet. Damit könnte die Entwicklung auf Höhe des geschätzten Potenzialwachstums liegen oder darüber.

Mehr Schwung, mehr Inflationsdruck

Der Haken sitzt bei den Preisen. Ein kräftigeres Wachstum kann den Inflationsdruck erhöhen. Die Inflationsrate liegt inzwischen nahezu doppelt so hoch wie das Ziel der Europäischen Zentralbank von 2 Prozent und könnte weiter steigen. Das wiederum könnte die EZB zu weiteren Zinserhöhungen veranlassen – eine Nachricht, die bei Bauherren, Projektentwicklern und Finanzierern vermutlich eher für Stirnrunzeln als für gute Laune sorgt.

Die Einschätzung der künftigen Wirtschaftsentwicklung ist für die Geldpolitik deshalb keine Nebensache. Sie dient als Grundlage für deren Ausrichtung und hilft außerdem dabei, wirtschaftspolitische Entscheidungen zu bewerten. Die Deutsche Bundesbank erstellt regelmäßig Prognosen zu wichtigen Kennziffern in Deutschland.

  • Verbraucherpreise und andere Preisindizes
  • Bruttoinlandsprodukt und seine Komponenten
  • Beschäftigung und Arbeitslosigkeit
  • Entwicklung der öffentlichen Finanzen

Die Ergebnisse fließen in die Vorbereitung geldpolitischer Entscheidungen ein. Gemeinsam mit den Prognosen anderer nationaler Notenbanken bilden sie außerdem einen Bestandteil der Projektionen von Experten des Eurosystems für den Euroraum. Der EZB-Rat berücksichtigt diese Projektionen bei der Bewertung der wirtschaftlichen Entwicklung und der Risiken für die Preisstabilität.

Veröffentlicht werden die Prognosen der Bundesbank jeweils im Juni und Dezember. Nagels Hinweis vom 2. Oktober 2026 liegt damit zwischen den regulären Terminen – und sorgt gerade deshalb für Aufmerksamkeit. Ob aus dem zusätzlichen Schwung ein dauerhafter Aufwind wird, hängt nun an Exporten, öffentlichen Investitionen, Energiepreisen und der Frage, wie hartnäckig die Inflation bleibt.

Die angegebene Seite des EZB-Wirtschaftsberichts ist in der vorliegenden Fassung unleserlich beziehungsweise offenbar beschädigt codiert. Eine sachliche Einordnung daraus ist daher nicht möglich.