Für Bauunternehmen, Speditionen, Handwerksbetriebe und Landwirte wird der Tankstopp zum teuren Pflichttermin. In der Woche ab 21. September kostete Diesel in der EU durchschnittlich 2,138 Euro je Liter, Benzin 1,959 Euro. Eine 50-Liter-Dieselfüllung schlug damit mit rund 107 Euro zu Buche – etwa 22 Euro mehr als im Hochsommer. Heute, am 2. Oktober 2026, beginnt in Deutschland zwar eine Entlastung bei der Energiesteuer. Ob sie an der Zapfsäule sofort vollständig ankommt, ist allerdings offen.

Seit Ende Juni verteuerte sich Diesel um 27 Prozent, Benzin um 14 Prozent. Der Dieselpreis übertraf damit den bisherigen Rekord von 1,999 Euro je Liter aus dem Jahr 2022 und lag in 24 von 27 EU-Ländern über dem Benzinpreis. Deutschland meldete 2,457 Euro je Liter, 39 Prozent mehr als im Juni. In Frankreich waren es 2,383 Euro, in Italien 2,281 Euro, in Österreich 2,238 Euro und in den Niederlanden sogar 2,579 Euro. Spanien lag bei 1,918 Euro, Polen bei 2,039 Euro – dort stieg der Preis seit Juni um 45 Prozent.

Trump erhöht den Druck auf Europas Reserven

Die Lage könnte sich weiter zuspitzen. US-Präsident Donald Trump droht der Europäischen Union mit einem Stopp der Diesel-Exporte nach Europa. Die US-Regierung verlangt von EU-Staaten die Freigabe großer Mengen aus nationalen Notfallreserven. Dahinter steht Trumps Ziel, die Kraftstoffpreise in den USA vor den Zwischenwahlen am 3. November zu drücken. Seine Zustimmungswerte leiden unter den hohen Preissteigerungen.

Washington wirft Europa vor, eine im Frühjahr vereinbarte Freigabe von Öl- und Kraftstoffreserven nicht vollständig umgesetzt zu haben. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur hat rund ein Drittel der im März beschlossenen 400 Millionen Barrel den Markt noch nicht erreicht. Deutschland verkaufte bislang nur etwa ein Viertel der zugesagten Menge. Für den Rest habe laut Bundeswirtschaftsministerium die Nachfrage gefehlt.

Nun soll Trump die Freigabe von 120 Millionen Barrel Diesel innerhalb von sechs Monaten verlangen. Das wären mehr als 16 Millionen Tonnen und ungefähr 40 Prozent der gesamten europäischen Reserve. Eine solche Entscheidung allein aufgrund eines Schreibens des US-Präsidenten gilt als unwahrscheinlich. Notfallreserven sind für tatsächliche Versorgungsengpässe gedacht, nicht für eine dauerhafte Preissenkung.

Die EU-Kommission steht nach eigenen Angaben in engem Austausch mit der US-Regierung. Sie warnt indirekt vor den Folgen eines Exportstopps: Weltweit könnte Kraftstoff noch knapper und teurer werden, auch in den Vereinigten Staaten. Zwingen kann die Kommission die Mitgliedstaaten zur Freigabe von Diesel aber nicht. Normalerweise schlägt die IEA Mengen vor, danach beraten die europäischen Regierungen. Die Kommission koordiniert den Austausch über ihre Erdöl-Koordinierungsgruppe.

Das deutsche Wirtschaftsministerium verweist darauf, dass Deutschland Anfang März an einer historischen, von der IEA koordinierten Freigabe strategischer Ölreserven beteiligt war. Neue Anforderungen der IEA gebe es derzeit nicht. Künftige Schritte müssten auf einer gemeinsamen Lagebewertung und internationalen Verfahren beruhen; angestrebt seien koordinierte Lösungen zur Stabilisierung des Marktes.

Rohöl ist wieder da, Diesel fehlt trotzdem

Der Iran-Krieg macht die Sache unerquicklich: Zwar gelangt wieder Rohöl aus den Golfstaaten auf den Markt, raffinierte Produkte wie Diesel oder Kerosin kommen aber kaum nach. Russland stellte seine Dieselexporte ein, nachdem Raffinerien durch ukrainische Drohnenangriffe beschädigt worden waren. China verhängte teilweise einen Diesel-Exportstopp, wie Bloomberg berichtete.

Der Dieselpreis hat sich deshalb deutlich vom Rohölpreis entkoppelt. Raffinerien verdienen an der großen Differenz, während Logistikunternehmen, Landwirte und Verbraucher zahlen. Die Diesel-Raffineriemarge lag im August erstmals über 100 US-Dollar je Barrel; üblich sind etwa 20 bis 40 Dollar. Rund 19 Prozent des Zapfsäulenpreises entfielen auf diese Marge, bei Benzin waren es 8 Prozent. Manche Raffinerien stellten zudem von Kerosin auf Diesel um.

Die Konflikte rund um die Straße von Hormus verschärfen den Druck. Durch diese Route läuft normalerweise etwa ein Fünftel des weltweiten Seeöltransports. Kämpfe zwischen den USA und Iran ließen Brent zeitweise von rund 72 auf über 126 Dollar je Barrel steigen. Ein Drohnenangriff auf Saudi-Arabiens Ost-West-Pipeline am 13. September unterbrach einen wichtigen Ausweichweg. Saudi Aramco kündigte europäischen Raffinerien für Oktober Ausfälle bei vereinbarten Rohöllieferungen an.

Am 22. September sorgte eine kurze Entspannung für einen Rückgang auf etwa 98 Dollar. Nach Huthi-Angriffen auf Ziele in Saudi-Arabien stieg der Preis wieder über 105 Dollar und lag am 29. September bei etwa 107 Dollar. Saudi-Arabien stellte die Pipeline-Flüsse nach Reparaturen Berichten zufolge auf rund 3,5 Millionen Barrel täglich wieder her. Sicher ist die Route trotzdem nicht; die Pipeline bleibt ein Angriffsziel.

In den ersten acht Monaten trafen ukrainische Drohnen laut IEA im Schnitt etwa alle drei Tage eine russische Raffinerie, allein im August wurden 21 Angriffe registriert. Die russische Raffinerieverarbeitung fiel auf den niedrigsten Stand seit mehr als 20 Jahren. Drei der sechs größten Dieselraffinerien sind ausgefallen oder arbeiten mit reduzierter Leistung. Russlands Dieselproduktion sank um etwa 25 bis 33 Prozent. Moskau verhängte am 8. Juli einen Diesel-Exportstopp und verlängerte ihn bis 31. Oktober; Benzinexporte bleiben bis Ende Januar verboten.

Vor den Angriffen lieferte Russland ungefähr ein Zehntel des weltweiten Diesels. Durch die Ausfälle in Russland und im Nahen Osten fehlen Schätzungen zufolge jeweils ungefähr 2 Millionen Barrel Ölprodukte pro Tag. Die zusätzlichen Fördermengen der OPEC+ konnten das nicht ausgleichen. Auch die Freigabe von rund 400 Millionen Barrel aus strategischen Ölreserven dämpfte die Folgen nur teilweise.

Europa hat Diesel – aber nicht zum Schnäppchenpreis

Die EU importiert rund 20 Prozent ihres Dieselbedarfs vom Weltmarkt, etwa die Hälfte davon aus den USA. Grundsätzlich könnten europäische Länder diese Lieferungen durch Importe aus anderen Staaten oder eine höhere eigene Raffinerieproduktion ersetzen. Weltweit ist Diesel knapp, für Europa werden derzeit aber keine Versorgungsengpässe erwartet. Die EU-Kommission spricht von einer schweren Preiskrise, sieht die Versorgungssicherheit jedoch nicht gefährdet.

In den Tanks der 27 EU-Staaten lagen im Juni rund 40,9 Millionen Tonnen Diesel für den Straßenverkehr, nach 40,6 Millionen Tonnen im Vorjahresmonat. Deutschland ist bei Diesel und Benzin sogar Nettoexporteur. Im ersten Halbjahr importierte die Bundesrepublik laut Destatis 858.000 Tonnen Diesel, rund 24 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Lieferungen stammten überwiegend aus Belgien und den Niederlanden, wo Tanker aus anderen Weltregionen anlegen.

Gleichzeitig exportierte Deutschland 2,06 Millionen Tonnen Diesel – knapp 19 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Ausfuhren gingen hauptsächlich in europäische Nachbarländer. Deutschlands Raffinerien verfügen über Europas größte Kapazitäten und steigerten ihre Produktion im ersten Halbjahr deutlich: 15,8 Millionen Tonnen Diesel für Straßen- und Schienenfahrzeuge, gut 9 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025. Der Wert dieser Menge betrug 6,4 Milliarden Euro, 42 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Am Rhein kommt der Treibstoff trotzdem nur mühsam voran. Bei Kaub fiel der Pegel am 25. September auf 2 Zentimeter und am 26. September auf minus 3 Zentimeter – der erste negative Wert seit rund 170 Jahren. Am 28. September waren es 14 Zentimeter, im Vorjahr am selben Tag 152 Zentimeter. Schiffe können Diesel und Heizöl nur mit stark reduzierter Ladung transportieren. Ein Niedrigwasserzuschlag für Container erreichte 1.350 Euro, die Tankerfracht von Rotterdam nach Karlsruhe stieg auf 60 bis 70 Euro je Tonne.

2026 gab es bereits 74 Tage unter der Niedrigwassermarke von 78 Zentimetern; 2022 waren es insgesamt 41 Tage. Der Eurokurs von etwa 1,14 US-Dollar verteuert zusätzlich das in Dollar abgerechnete Öl. Nach einer Faustregel der Europäischen Zentralbank erhöht ein dauerhafter Ölpreisanstieg um 10 Dollar die Inflation im