Seit dem 1. Oktober gilt in Deutschland ein neuer Tankrabatt. Doch die Wirkung verpufft offenbar schneller als erhofft. In Forst und im polnischen Zasieki zeigt sich, dass der Preisvorteil beim Blick auf die Zapfsäulen längst nicht mehr so eindeutig ist.

An der Circle-K-Tankstelle in Zasieki nahe Forst sind die Tankplätze derzeit teilweise frei. Die üblichen Warteschlangen bleiben aus. Auch in Polen sind die Kraftstoffpreise im Vergleich zu vor wenigen Wochen weniger günstig geworden. Für Autofahrer aus Forst sinkt damit die Attraktivität, zum Tanken über die Grenze zu fahren.

Was vom Tankrabatt ankommt

Bundestag und Bundesrat beschlossen am 25. September 2026 einen Tankrabatt, der vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2026 gilt. Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel sinkt um 14,04 Cent je Liter. Einschließlich Umsatzsteuer entspricht das rechnerisch 16,71 Cent, also rund 17 Cent je Liter.

Im Bundestag fiel die namentliche Abstimmung mit 434 zu 128 Stimmen aus. Der Bundesrat stimmte am selben Tag ebenfalls zu. Die Steuersenkung verursacht voraussichtlich 2,5 Milliarden Euro Mindereinnahmen. Bund und Länder tragen die Kosten jeweils zur Hälfte; auf die Länder entfallen 1,25 Milliarden Euro.

Ob der Rabatt vollständig bei den Autofahrern landet, ist allerdings nicht garantiert. Die Anbieter legen die Preise an den Tankstellen selbst fest. Am 1. Oktober um 7:05 Uhr lagen die bundesweiten Durchschnittspreise gegenüber dem späten Abend des 30. September bei Super E10 um 14,7 Cent je Liter niedriger, bei Diesel um 14,6 Cent. Der rechnerische Rabatt betrug zu diesem Zeitpunkt 16,7 Cent je Liter.

Zum Vergleich: In einer normalen Nacht vom 29. auf den 30. September stiegen die Preise um 0,1 Cent bei E10 und um 1,5 Cent bei Diesel. Die morgendliche Auswertung umfasste nur Tankstellen, die seit Mitternacht einen neuen Preis gemeldet hatten. In 21 Großstädten waren das durchschnittlich 79 Prozent der Tankstellen.

Frühe Erfahrungen und viele Fragezeichen

Beim Tankrabatt im Mai 2026 lagen die Preise am ersten Abend bei E10 um 12,8 Cent je Liter niedriger, bei Diesel um 12,7 Cent. Der vollständige Vergleich des ersten Tages sollte am 2. Oktober veröffentlicht werden.

Ganz sauber war der Vergleich mit dem Vorabend damals nicht: In den vier Tagen vor dem Start im Mai waren die Preise bereits um 2,5 bis 3,2 Cent gestiegen. Dadurch wurde die Weitergabe beim Vergleich mit dem Vorabend leicht überzeichnet. Bis zum 14. Tag sank der Dieselpreis im Mai um insgesamt 21,5 Cent. Neben dem Rabatt wirkten dabei auch Marktfaktoren wie der Ölpreis. Deshalb wurde nur für den ersten Tag ein konkreter Weitergabeanteil ausgewiesen.

Nach Angaben des Handelsblatts kam der Rabatt bei Superbenzin nahezu vollständig an, bei Diesel waren es etwa 12 von 16,7 Cent. Das ifo-Institut bezifferte die Weitergabe auf 82 bis 94 Prozent; für 2022 wurden 85 bis 100 Prozent genannt.

Die rechnerische Obergrenze ist schnell ausgerechnet: Bei einer Tankfüllung von 30 Litern beträgt die maximale Ersparnis 5,01 Euro, bei 50 Litern 8,36 Euro und bei 60 Litern 10,03 Euro. Wer monatlich 60 Liter tankt, könnte rund 10 Euro im Monat beziehungsweise rund 30 Euro während der dreimonatigen Laufzeit sparen. Bei höherem Verbrauch, etwa von Pendlern, fällt die Ersparnis entsprechend größer aus.

Der Zeitpunkt spielt eine Rolle. Laut ADAC verteuern sich die Preise ab 12 Uhr im Durchschnitt um 14,6 Cent bei E10 und um 18,4 Cent bei Diesel. Preisvergleiche bleiben deshalb sinnvoll; ebenso vorausschauendes Fahren. Ein Umweg oder eine zusätzliche Fahrt nur zum Tanken lohnt sich laut Artikel meist nicht, weil Unterschiede zwischen Tankstellen und Tageszeiten größer sein können. Kurz vor 12 Uhr zu tanken, Preise zu vergleichen – das klingt banal, kann aber ein paar Euro retten.

Kritik am Modell und der Blick auf 2027

Der ifo-Präsident Clemens Fuest bezeichnete den Tankrabatt als Fehler. Ralf Dewenter von der Helmut-Schmidt-Universität hält die Entlastung für zu gering und zu kurzfristig. Die FDP lehnt den Tankrabatt ab und fordert umfassendere Steuersenkungen. Der Deutsche Bauernbund bewertete die 17 Cent als positiv, aber nicht ausreichend.

Fachleute warnten außerdem beim geplanten Spritpreisdeckel vor möglichen Versorgungsproblemen. Würde ein Höchstpreis unter dem Marktpreis liegen, könnten Verkauf und Import unrentabel werden. Dann wäre der günstige Preis zwar auf dem Papier da, an der Zapfsäule aber womöglich der Sprit knapp.

Für Anfang 2027 kündigte die Bundesregierung weitere Entlastungen für Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen sowie für energieintensive Unternehmen an. Läuft der Rabatt am 31. Dezember aus, steigt die Energiesteuer ab 1. Januar 2027 wieder um 14,04 Cent je Liter. Einschließlich Umsatzsteuer wären das rund 16,7 Cent. Bei einer 50-Liter-Tankfüllung entspräche dies etwa 8,36 Euro Mehrkosten.

Parallel will die Bundesregierung mit der Mineralölwirtschaft über einen zeitlich begrenzten, krisenbedingten Spritpreisdeckel verhandeln, der spätestens am 1. Januar 2027 gelten soll. Als Vorbilder werden Luxemburg und Belgien genannt. Wie der Deckel konkret berechnet werden soll, steht noch nicht fest.

Bis dahin kann der Rabatt bei jeder Betankung vom 1. Oktober bis 31. Dezember genutzt werden. In Forst dürfte der Blick dabei weiter nach Zasieki gehen – nur eben nicht mehr automatisch mit dem alten Gefühl, jenseits der Grenze sei es klar billiger. An der Circle-K-Tankstelle bleiben die Schlangen jedenfalls vorerst aus.