Steigende Strom- und Gaspreise: Was jetzt auf Haushalte zukommt
Für Haushalte und Betriebe in Deutschland bleibt Energie ein wunder Punkt. Verivox erwartet wegen des anhaltenden Iran-Kriegs, hoher Beschaffungskosten und der geopolitischen Unsicherheit weiter steigende Strom- und Gaspreise. Gerade beim Blick auf die nächste Rechnung dürfte da manchem der Kaffee im Hals stecken bleiben.
Der Strompreis für Neukunden liegt bundesweit inzwischen bei knapp 31 Cent je Kilowattstunde. Das sind rund 20 Prozent mehr als Anfang März. Wer noch in einer Preisbindung steckt, spürt den Anstieg womöglich nicht sofort. Nach deren Ende oder bei einer Tarifanpassung können aber auch Bestandskunden in den kommenden Wochen und Monaten höhere Preise erhalten.
Teurer Strom trifft auf hohe Gaspreise
Ein wichtiger Treiber sind die Gaspreise. Im europäischen Großhandel setzt häufig das teuerste noch benötigte Kraftwerk den Strompreis – und dabei handelt es sich oft um ein Gaskraftwerk. Steigt Gas, zieht damit schnell auch Strom an.
Für eine vierköpfige Familie in der Strom-Grundversorgung bedeutet das laut Verivox derzeit durchschnittlich 1.594 Euro pro Jahr. Ein Anbieterwechsel könnte rund 360 Euro jährlich sparen. Ein Tarif mit Preisgarantie schützt kurzfristig vor weiteren Erhöhungen, hängt allerdings häufig an bestimmten Vertragslaufzeiten. Der Wechselzeitpunkt ist also kein Nebendetail.
Beim Gas rechnet Verivox spätestens zum Jahreswechsel mit weiteren Preissteigerungen. Wegen der hohen Einkaufspreise seien Erhöhungen von bis zu 20 Prozent möglich. Bislang haben bundesweit allerdings nur wenige Versorger entsprechende Gaspreiserhöhungen angekündigt.
Speicher deutlich leerer als im Vorjahr
Ende September waren die deutschen Gasspeicher zu knapp 58 Prozent gefüllt. Im Vorjahr hatte der Füllstand bei rund 77 Prozent gelegen. Eine neue Gasmangellage erwartet Verivox dennoch nicht: Deutschland werde voraussichtlich nicht frieren, das Gas könne aber teurer werden. Und wenn der Winter lang und kalt ausfällt, wird die Wetterlage für die Versorgungssituation zum entscheidenden Unsicherheitsfaktor.
Die Bundesregierung hat das staatliche Unternehmen Sefe angewiesen, bis zum 15. Dezember acht Terawattstunden Gas zu beschaffen und einzuspeichern. Andere Berichte bestätigen sowohl den niedrigen Speicherstand als auch diesen Auftrag, richten den Blick aber stärker auf staatliche Vorsorge, die Kosten der Unternehmen und mögliche Folgen für Warenpreise und Inflation.
Für eine Familie im Einfamilienhaus könnte die jährliche Gasrechnung laut Verivox auf durchschnittlich etwa 2.400 Euro steigen. Das wären rund 400 Euro mehr als vor Beginn des Iran-Kriegs. Je nach Tarif kann die Mehrbelastung noch höher ausfallen. Besonders heikel wird es, wenn eine Preisgarantie ausläuft und höhere Großhandelspreise zeitversetzt im Haushalt ankommen.
Was Haushalte jetzt im Blick behalten sollten
Wie stark die eigene Rechnung tatsächlich steigt, hängt vor allem vom Verbrauch, der Tariflaufzeit und dem Wechselzeitpunkt ab. Offen bleibt, wie schnell sich die Großhandelspreise in Tarifanpassungen für Bestandskunden niederschlagen. Ein voller Speicher allein sagt schließlich noch nicht, wann ein Versorger seine Beschaffungskosten weitergibt.
Der BDEW beschreibt die Lage im September 2026 ähnlich nüchtern: Die Folgen des Konflikts im Nahen und Mittleren Osten beeinflussen Gas- und Strompreise weiterhin. Gegenüber März 2026 haben sich die Großhandelspreise zwar entspannt, sie bleiben aber volatil. In Deutschland besteht derzeit keine physische Gasmangellage, die Gasversorgung ist gesichert. Außerdem sind die Gasimporte breiter diversifiziert als während der Energiekrise 2022.
Wichtig ist dabei ein kleiner, oft übersehener Unterschied: Veränderungen an den Großhandelsmärkten wirken nicht unmittelbar auf bestehende Haushaltsverträge. Energieversorger planen und sichern ihre Beschaffung in der Regel langfristig ab. Deshalb können Nachbarn trotz ähnlicher Wohnungen ganz unterschiedliche Rechnungen bekommen.
Orientierung bietet der BDEW-Quick-Check. Er zeigt die Entwicklung der Gaspreise im Großhandel, die Preise neu abgeschlossener beziehungsweise neu abschließbarer Gastarife für Haushalte sowie die Entwicklung neu abschließbarer Stromtarife. Zusätzlich vergleicht er die aktuelle Gas-Großhandelspreisentwicklung mit der Energiekrise von 2021 bis 2022.
Die Publikation „Quick-Check Gas- und Strompreise“ bündelt die Entwicklungen der Großhandels- und Haushaltskundenpreise und wird bis auf Weiteres jeden Dienstag aktualisiert. Die vollständige Publikation steht im Download-Bereich des BDEW zur Verfügung. Wer tiefer einsteigen möchte, findet dort außerdem weitere Analysen zu Preisbestandteilen und langfristigen Entwicklungen – nicht gerade leichte Bettlektüre, aber für die nächste Vertragsentscheidung durchaus nützlich.
