Ab heute, dem 1. Oktober 2026, wird das Tanken in Deutschland rechnerisch günstiger: Die Bundesregierung senkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel bis zum Jahresende. Bundestag und Bundesrat haben die Regelung unmittelbar vor dem letzten Septemberwochenende beschlossen. Vorgesehen sind 14,04 Cent weniger Energiesteuer je Liter. Einschließlich Mehrwertsteuer ergibt sich daraus eine rechnerische Bruttoentlastung von 16,7 Cent.

Ganz so schnell, wie es auf dem Papier klingt, muss der Preis an der Zapfsäule allerdings nicht fallen. Technisch gilt die Senkung erst für Kraftstoffe, die aus Raffinerien oder Tanklagern ausgeliefert werden. Bereits versteuerte Bestände an Tankstellen dürfen zunächst noch zum alten Preis verkauft werden. Der Bund rechnet mit Steuermindereinnahmen von rund 2,485 Milliarden Euro. Bund und Länder tragen den Ausfall jeweils zur Hälfte.

Erste Tankstellen senken die Preise

Erste Bewegungen waren am Morgen bereits sichtbar. Super E10 kostete laut ADAC gegen 8 Uhr bundesweit durchschnittlich 2,062 Euro je Liter – 14,5 Cent weniger als im Vergleichszeitraum. Diesel lag bei 2,209 Euro und damit 15,2 Cent niedriger. Tankerkönig meldete in der ersten Stunde nach Mitternacht einen Rückgang der Durchschnittspreise um etwa 10 bis 11 Cent.

Regional ging es unterschiedlich flott. In Rheinland-Pfalz kostete E10 rund 2,04 Euro, Diesel etwa 2,21 Euro; die Steuerentlastung wurde dort nahezu vollständig weitergegeben. In Baden-Württemberg sank der Preis stärker als im Bundesdurchschnitt, aber weniger als im benachbarten Rheinland-Pfalz. Aus München, Stuttgart und Leipzig wurden am Morgen bereits mehrere E10-Angebote unter 2 Euro gemeldet. In Köln gab es zu diesem Zeitpunkt noch keine vergleichbaren Preise.

Christian Küchen vom Verband Fuels und Energie erwartet, dass der Wettbewerb unter rund 14.000 Tankstellen die vollständige Weitergabe ohne Aufschläge bringt. Auch Aral kündigte an, die Entlastung komplett weiterzugeben. Verpflichtet sind Tankstellenkonzerne dazu gesetzlich allerdings nicht. Das Bundeskartellamt beobachtet die Entwicklung deshalb über die Markttransparenzstelle und prüft Hinweise auf Preisabsprachen.

Beim ersten Tankrabatt im Frühjahr wurden nach Angaben des Kartellamts etwa 80 Prozent der Vergünstigung an die Verbraucher weitergereicht. Die Behörde führt außerdem Verfahren gegen zwölf Raffinerieunternehmen, um Informationen zu Einkaufspreisen, Margen und Produktionskosten zu erhalten. Zwei Unternehmen mussten entsprechende Auskünfte bereits nach Gerichtsentscheidungen erteilen.

Rabatt kommt an – aber nicht vollständig

Wie genau ein Tankrabatt wirkt, zeigte der Blick auf Mai und Juni: Nach Angaben des Bundeskartellamts kamen rund 80 Prozent der Entlastung bei den Autofahrern an. Bei Diesel wurden 82,6 Prozent weitergegeben, bei E5-Benzin 77,8 Prozent. Der staatliche Rabatt lag bei knapp 17 Cent je Liter; übrig blieben eine Differenz von 2,9 Cent bei Diesel und 3,7 Cent bei Benzin. Kartellamtschef Andreas Mundt sagte, die Steuerentlastung sei überwiegend, aber eben nicht vollständig bei den Verbrauchern angekommen.

Um den 1. Juli stiegen die Preise an den Zapfsäulen um 17 bis 19 Cent und lagen damit im erwartbaren Bereich. Der damalige Tankrabatt kostete den Bund rund 1,6 Milliarden Euro. Ökonomen kritisierten, dass die Maßnahme einkommensschwache Menschen nicht gezielt unterstützte. Tomaso Duso von der Monopolkommission bemängelt nun erneut, dass hohe Summen ohne besondere Unterstützung für diese Haushalte eingesetzt werden. DIW-Präsident Marcel Fratzscher hielt eine Energiepreispauschale für wirksamer, die Bundesregierung lehnte sie ab. Manuel Frondel vom RWI bezeichnete den Tankrabatt dagegen als pragmatische und faire Lösung.

Christian Laberer vom ADAC rechnet mit weiteren schrittweisen Preisrückgängen, warnt aber vor möglichen Mitnahmeeffekten der Mineralölkonzerne. Ifo-Erhebungen zum ersten Rabatt im Mai hatten gezeigt, dass die Preise in den ersten drei Tagen nur verzögert sanken. Für ein durchschnittliches Auto mit 900 Kilometern monatlicher Fahrleistung könnten sich über drei Monate etwa 32 bis 36 Euro Ersparnis ergeben. Berufspendler in Baden-Württemberg könnten laut Berechnungen rund 30 Euro pro Person sparen.

Mittags günstiger, später wieder teurer

Zusätzlich gilt für Tankstellen eine 12-Uhr-Regel: Preise dürfen seitdem nur einmal täglich – zur Mittagszeit – erhöht werden. Senkungen bleiben jederzeit möglich. Das soll für mehr Preistransparenz sorgen. Laut Andreas Mundt änderten sich die Preise danach deutlich seltener: Heute sind es im Durchschnitt knapp acht Preisänderungen pro Tag, zuvor wurden in manchen Fällen bis zu 50 registriert.

Kurz vor 12 Uhr ist das Tanken laut Kartellamt am günstigsten. In den Stunden danach sollte man möglichst nicht tanken. Ab 18 Uhr ist die mittägliche Preiserhöhung bereits um fast 80 Prozent zurückgegangen. Im zweiten Quartal 2026 erfolgten nur in gut zwei Prozent der Fälle Preiserhöhungen außerhalb der Mittagszeit. Für Verstöße gegen die Regel sind die Bundesländer zuständig.

Die Atempause an der Zapfsäule kann trotzdem kurz sein. Das Wiederaufflammen des Irankriegs ließ die Spritpreise in Deutschland zuletzt wieder steigen. An einem Donnerstag lagen Benzin und Diesel laut ADAC erneut über zwei Euro: E10 kostete durchschnittlich 2,06 Euro pro Liter, Diesel 2,012 Euro. Gegenüber dem Mittwoch waren die Preise deutlich gestiegen. Zuletzt hatten beide Kraftstoffsorten am 6. Mai gleichzeitig die Zwei-Euro-Marke überschritten – E10 mit 2,002 Euro, Diesel mit 2,056 Euro. Damals galt noch der Tankrabatt, der den Preis um knapp 17 Cent je Liter drückte.

Preisdeckel soll 2027 folgen

Die weitere Entwicklung bleibt unsicher. Eine Rolle spielen die Knappheit bei Benzin und Diesel infolge globaler Konflikte im Nahen Osten sowie zwischen Russland und der Ukraine, fehlende Raffineriekapazitäten auf dem Weltmarkt und logistische Probleme, etwa Niedrigwasser am Rhein. Eine abschließende Bewertung der Steuersenkung wird für Anfang 2027 erwartet.

Bund und Länder hatten sich wegen der hohen Spritpreise nicht nur auf den Rabatt, sondern auch auf einen Spritpreisdeckel verständigt. Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen sollen insgesamt um rund 2,5 Milliarden Euro entlastet werden. Der Bund will die Energiesteuer auf Benzin und Diesel ab 1. Oktober bis Ende 2026 um 14 Cent je Liter senken; einschließlich Umsatzsteuer entspricht das rund 17 Cent. Ein Tankrabatt in ähnlicher Höhe galt bereits von Anfang Mai bis Ende Juni. Die Länder sollen sich mit 1,25 Milliarden Euro über einen Umsatzsteuerfestbetrag beteiligen.

Der Spritpreisdeckel soll spätestens am 1. Januar 2027 eingeführt werden, der genaue Starttermin ist noch offen. Als Vorbilder gelten Luxemburg und Belgien. Der Höchstpreis soll sich unter anderem an Ölpreisen, Transport- und Vertriebskosten sowie einer Händlermarge orientieren. Geplant ist, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und missbräuchliche Preisaufschläge zu verhindern.

Die SPD fordert den Deckel seit längerem, während Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ihn abgelehnt hatte. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte die Entlastung trotz angespannter Haushalte erheblich und verwies auf Menschen, die täglich auf das Auto angewiesen sind. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) erklärte, die „Abzocke an den Zapfsäulen“ solle beendet und Krisengewinne der Mineralölkonzerne an die Bevölkerung zurückgegeben werden.

Die Einigung kam nach Verhandlungen von Kanzler Merz mit Koordinatoren der SPD- und CDU-geführten Länder zustande. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) kündigte neben der kurzfristigen Preissenkung einen Preisdeckel und eine mögliche Übergewinnsteuer für Ölkonzerne an. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) betonte, dass die Energiesteuersenkung auch mittelständische Unternehmen entlasten solle.

Für besonders betroffene Bürger und Unternehmen sollen weitere zielgerichtete Maßnahmen geprüft werden. Außerdem sollen die Voraussetzungen für einen einkommensbezogenen Direktauszahlungsmechanismus geschaffen werden. Die Bundesregierung unterstützt EU-Gespräche über Maßnahmen gegen die Mineralölwirtschaft nach dem Vorbild des EU-Energiekrisenbeitrags von 2022.</