Wer sein Deutschlandticket gerade noch mit 63 Euro im Kopf hat, muss umdenken: Ab dem 1. Januar 2027 soll das Abo monatlich 66,80 Euro kosten. Das sind 3,80 Euro mehr, rund sechs Prozent. Im Vergleich zum Start nach der 9-Euro-Ticket-Phase ist der Sprung noch deutlicher: Aus 49 Euro wurden 66,80 Euro – ein Plus von rund 36 Prozent.

Für manche bleibt das Ticket trotzdem ein guter Griff. Andere werden künftig genauer rechnen müssen. Entscheidend sind das eigene Fahrverhalten, die Entfernung zur Arbeit und die Frage, ob es vor Ort ein günstigeres Angebot gibt. Heute, am 2.10.2026, ist der neue Preis noch Zukunftsmusik, aber die Richtung steht fest.

So kommt der neue Preis zustande

Grundlage ist erstmals ein automatisches Berechnungsverfahren, das die Verkehrsminister der Länder im März 2026 beschlossen haben. Der Preis setzt sich aus einem Kosten- und einem Wertfaktor zusammen. Beim Kostenfaktor zählen unter anderem Personal-, Fahrzeug-, Diesel-, Strom- und allgemeine Preise hinein. Der Wertfaktor betrachtet das Verhältnis zwischen staatlichen Ausgleichszahlungen und den Einnahmen aus verkauften Deutschlandtickets.

Für 2027 steigt der Kostenfaktor nach dieser Berechnung um 4,5 Prozent. Besonders stark schlugen die im Juli gestiegenen Dieselpreise zu. Eine frühere Berechnung der Deutschen Umwelthilfe lag deshalb etwa 40 Cent niedriger, weil sie die Juli-Energiepreise noch nicht einbezogen hatte. Verwendet wurden unter anderem Daten von Destatis, eine Evaluation des Deutschlandtickets sowie Angaben der Monitoring-Firma D-TIX. Der WDR ergänzte frühere Berechnungen der DUH und des „Tagesspiegel“ um Ende August verfügbare Daten zur Energie- und allgemeinen Preisentwicklung.

Mehr verkaufte Tickets können den Preis im Folgejahr tendenziell drücken. Gleichzeitig sind die Zuschüsse von Bund und Ländern gesetzlich auf rund drei Milliarden Euro netto jährlich gedeckelt. Sie steigen also nicht automatisch mit Inflation oder Kosten. Schritt für Schritt landet dadurch ein größerer Teil der Finanzierung bei den Ticketkundinnen und -kunden.

Die Gesellschaft D-Tix berücksichtigt bei der Preisberechnung unter anderem Kraftstoff-, Personal- und Betriebskosten. Für 2025 war der Preis politisch auf 58 Euro festgelegt worden, für 2026 auf 63 Euro. Im Bundestag wurde außerdem beschlossen, die Finanzierung bis Ende 2030 fortzuführen: Bund und Länder sollen ab 2026 jährlich jeweils 1,5 Milliarden Euro zuschießen. Der Bundesrat muss dem Gesetz noch abschließend zustimmen.

Wer jetzt besonders genau rechnen sollte

Bei zwei Bürotagen pro Woche kommen ungefähr 16 Fahrten im Monat zusammen. Kostet eine einzelne Fahrt vier Euro, sind das rund 64 Euro. Bei drei Euro pro Fahrt liegen die monatlichen Kosten bei etwa 48 Euro. Für Menschen im Homeoffice kann das Deutschlandticket damit teurer sein als die einzelne Nutzung.

Das gilt freilich nur, wenn nicht kurzfristig doch noch mehrere Fahrten dazukommen. Das Deutschlandticket ist eine Flatrate: Ein spontaner Ausflug, ein Termin in einer anderen Stadt oder zusätzliche Regionalzugfahrten verändern die Rechnung schnell. Regionale Monatskarten lohnen sich nur, wenn keine regelmäßigen überregionalen Fahrten nötig sind.

In München kostet die Monatskarte für Menschen ab 65 Jahren in der Zone M ab 2027 62,30 Euro. Das Münchner 365-Euro-Ticket für bestimmte Schülerinnen, Schüler und Auszubildende bleibt bei 365 Euro im Jahr, also bei rund 30,40 Euro monatlich. Das Münchner Sozialticket für die Zone M kostet 36,50 Euro im Monat.

Auch die vergünstigten Varianten des Deutschlandtickets werden teurer. Das Jobticket kostet ohne Arbeitgeberzuschuss ab Januar 63,46 Euro statt bisher 59,85 Euro. Zahlt der Arbeitgeber den gesetzlich vorgesehenen Mindestzuschuss von 25 Prozent, müssen Beschäftigte höchstens etwa 47,60 Euro aufbringen. Genau solche Zuschüsse können den tatsächlichen Preis deutlich drücken und regionale Alternativen weniger attraktiv machen.

Das Ticket ist allerdings personenbezogen und nicht übertragbar. Eine weitere Person kann man damit nicht einfach mitnehmen. Andere regionale Angebote enthalten solche Zusatzleistungen möglicherweise – ein Detail, das beim schnellen Preisvergleich gerne unter den Tisch fällt.

Für Pendler bleibt die Rechnung oft klarer

Wer regelmäßig zur Arbeit fährt, kommt mit Einzelfahrscheinen rasch über die neue Monatsrate. Bei 20 Arbeitstagen und drei Euro pro Fahrt entstehen etwa 120 Euro im Monat, bei vier Euro sogar rund 160 Euro. Reguläre Monatskarten liegen teils ebenfalls deutlich höher: In München kostet die Monatskarte für die Zone M ab 2027 74,80 Euro. In Berlin werden im Tarifbereich AB derzeit 113 Euro fällig, im Abo 81,30 Euro.

Besonders attraktiv wird das Deutschlandticket, wenn Regionalzüge dazukommen. Es gilt bundesweit für beliebig viele Busse und Bahnen des Nah- und Regionalverkehrs und funktioniert auch über Verkehrsverbundgrenzen hinweg. Für regelmäßige Pendler und Menschen, die häufig überregional unterwegs sind, bleibt es deshalb meist günstiger.

Das Deutschland-Semesterticket steigt um 2,28 Euro auf künftig 40,08 Euro monatlich. Eine Studentin, die im WDR-Bericht zu Wort kommt, zahlt es über den Semesterbeitrag und hält den Preis grundsätzlich noch für vertretbar. Eine andere Nutzerin findet die Erhöhung nicht gut, würde einen Preis bis 70 Euro aber noch akzeptieren. Eine weitere befürchtet, dass höhere Preise Menschen wieder vom Zug auf die Straße bringen.

Rund 14 Millionen Menschen nutzen das Deutschlandticket derzeit. Für regionale Verkehrsverbünde bleibt es dennoch ein Verlustgeschäft, weil viele frühere Pendler-Abos teurer waren. Die Einnahmeausfälle sollen durch die Zuschüsse von Bund und Ländern weitgehend ausgeglichen werden; auch beim höheren Preis sprechen die Verkehrsunternehmen von milliardenschweren Ausfällen.

Politischer Streit um die nächste Stufe

Die Deutsche Umwelthilfe fordert ein bundesweit gültiges 29-Euro-Deutschlandticket für mindestens zwölf Monate. DUH und Fahrgastverband Pro Bahn NRW kritisierten die erneute Erhöhung und verwiesen auf politische Entscheidungen sowie fehlende Planungssicherheit. Auch die Allianz Pro Schiene rechnet damit, dass die Preiserhöhung viele Menschen enttäuschen und vermutlich kaum zu mehr Abonnements führen wird.

Die Verbraucherzentralen nannten die Entscheidung ein gebrochenes Versprechen und eine Enttäuschung für die Nutzer. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist vorgesehen, das Ticket über 2025 hinaus fortzuführen und den Nutzeranteil an der Finanzierung ab 2029 schrittweise und sozialverträglich zu erhöhen. Eine Preiserhöhung bereits ab 2026 wurde dort nicht ausdrücklich genannt.

Der Bundestag hat die weitere Finanzierung bis Ende 2030 beschlossen; dem Gesetzentwurf stimmten die Fraktionen der Regierungskoalition aus Union und SPD zu. Bisher war die Finanzierung nur bis Ende 2025 geregelt, zunächst sollte lediglich das Jahr 2026 neu festgelegt werden. Ab 2027 soll der Preis an einen Inflationsfaktor gekoppelt werden. Maßgeblich sollen dabei unter anderem Lohn- und Energiekosten sowie die Preise für die Nutzung des Schienennetzes sein.

Der Weg von 49 Euro im Jahr 2023 über 58 Euro und 63 Euro bis zu den geplanten 66,80 Euro ist damit nicht bloß eine Reihe einzelner Preisschilder. Im Geldbeutel fühlt sich jede Stufe ziemlich konkret an – besonders dann, wenn am Monatsende ohnehin jeder Euro verplant ist.