Tankrabatt verpufft teilweise: Spritpreise steigen trotz Steuersenkung
An den Tankstellen ist die kurze Erleichterung schon wieder etwas kleiner geworden. Einen Tag nach der Senkung der Energiesteuer stiegen die Spritpreise leicht. Am Freitag um 8 Uhr kostete Super E10 im bundesweiten Durchschnitt laut ADAC 2,098 Euro je Liter – 3,6 Cent mehr als am Donnerstag. Diesel lag bei 2,248 Euro je Liter und damit 3,9 Cent über dem Vortagswert.
Verglichen mit dem Morgen des 30. September beträgt der Rückgang damit noch 10,9 Cent bei E10 und 11,3 Cent bei Diesel. Am ersten Tag des Tankrabatts war der Preis stärker gefallen: E10 verbilligte sich um 14,5 Cent, Diesel um 15,2 Cent. Im Tagesdurchschnitt des Donnerstags kosteten E10 2,114 Euro und Diesel 2,262 Euro je Liter. Beide Sorten waren damit rund 13 Cent günstiger als am Tag davor.
Der Rabatt ist noch nicht vollständig angekommen
Der ADAC geht davon aus, dass die Energiesteuersenkung in den aktuellen Preisen noch nicht vollständig berücksichtigt ist. Spielraum für niedrigere Preise bestehe weiterhin. Der Steuernachlass beträgt 16,7 Cent je Liter für Kraftstoffe, die seit dem 1. Oktober Tanklager und Raffinerien verlassen.
Am Ölmarkt gab es zuletzt keinen neuen deutlichen Preisanstieg. Ein Barrel Brent kostete am Freitagvormittag etwa 99,34 US-Dollar. Am Donnerstag war der Ölpreis zeitweise auf 96,55 US-Dollar gefallen und anschließend wieder über 100 US-Dollar gestiegen. Für Pendler, Handwerksbetriebe und Speditionen bleibt das Zapfsäulen-Rechnen trotzdem eine tägliche Geduldsprobe.
Die aktuellen Werte stehen vor dem Hintergrund einer politischen Einigung von Bund und Ländern. Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen sollen insgesamt um rund 2,5 Milliarden Euro entlastet werden. Der Bund senkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel vom 1. Oktober bis Ende 2026 um 14 Cent je Liter. Einschließlich der Umsatzsteuer ergibt sich eine Entlastung von insgesamt 17 Cent beziehungsweise knapp 17 Cent je Liter. Von Anfang Mai bis Ende Juni hatte bereits ein Tankrabatt in vergleichbarer Höhe gegolten.
Die Länder sollen sich mit 1,25 Milliarden Euro über einen Umsatzsteuerfestbetrag beteiligen. Nach den Plänen aus Berlin wird der Tankrabatt damit aus Steuermitteln finanziert – also auch von Menschen, die kein Auto, Motorrad oder keinen Lastwagen fahren. Wie hoch die tatsächlichen Kosten ausfallen, hängt unter anderem von der getankten Menge und davon ab, ob die Umsetzung rechtzeitig gelingt. Der zweimonatige Tankrabatt im Frühsommer kostete den Bund etwa 1,6 Milliarden Euro; diesmal sollen die Bundesländer die Kosten zur Hälfte mittragen.
Preisdeckel soll spätestens 2027 kommen
Parallel ist ein Spritpreisdeckel vereinbart. Der genaue Starttermin steht noch nicht fest, spätestens am 1. Januar 2027 soll er eingeführt werden. Vorbilder gibt es in Luxemburg und Belgien. Der Staat soll vorübergehend Höchstpreise für Benzin und Diesel festlegen, solange die Krise anhält. Eine Behörde soll die maximal zulässigen Preise regelmäßig berechnen.
In die Berechnung sollen unter anderem Öl- beziehungsweise Brennstoffpreise, Transport-, Lagerungs- und Versicherungskosten, Vertriebskosten, Verluste sowie eine bestimmte Händlermarge einfließen. Der Deckel soll die Versorgungssicherheit gewährleisten und missbräuchliche Preisaufschläge verhindern. Nach der vorgesehenen Konstruktion dürfte er vor allem die Gewinnmargen der Mineralölkonzerne schmälern und die Allgemeinheit nicht zusätzlich belasten.
Die SPD fordert den Preisdeckel seit Längerem, während Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ihn abgelehnt hatte. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete die Entlastung angesichts angespannter Haushalte als erheblich. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) kündigte an, gegen hohe Aufschläge an Tankstellen vorzugehen und Krisengewinne der Mineralölkonzerne an die Bevölkerung zurückzugeben.
Die Einigung kam nach Verhandlungen von Merz mit Koordinatoren der SPD- und CDU-geführten Länder zustande. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sagte, die Preise sollten kurzfristig sinken und durch den Preisdeckel weiter entlastet werden. Zugleich sprach er sich für eine Übergewinnsteuer aus, mit der sich die Ölkonzerne an der Finanzierung beteiligen sollen. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) betonte, dass die Steuersenkung auch mittelständische Unternehmen entlaste.
Gezielte Hilfen und alte Streitfragen
Für besonders betroffene Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen sollen zusätzliche Maßnahmen geprüft werden. Die Voraussetzungen für einen einkommensabhängigen Direktzahlungsmechanismus sollen geschaffen werden. Anfang 2027 sollen weitere gezielte Entlastungen für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen sowie für Unternehmen geprüft werden.
Die Bundesregierung begrüßt außerdem Gespräche auf EU-Ebene über Maßnahmen gegen die Mineralölwirtschaft nach dem Vorbild des EU-Energiekrisenbeitrags von 2022. Dabei geht es ebenfalls um eine mögliche Übergewinnsteuer, für die sich Klingbeil auf europäischer Ebene einsetzt.
Ob der Tankrabatt vollständig bei den Verbrauchern ankommt, lässt sich erst nachträglich feststellen. Analysen des Bundeskartellamts und der Monopolkommission zum Tankrabatt im Mai und Juni 2026 zeigten, dass Mineralölkonzerne die Steuersenkung möglicherweise nicht vollständig weitergaben. Das Münchner Ifo-Institut kam zu dem Ergebnis, dass die Entlastung bei Super E5 und Super E10 nahezu vollständig an den Tankstellen ankam. Beim Diesel wurden durchschnittlich nur 12 Cent je Liter weitergegeben, obwohl die Steuer um 16,7 Cent gesenkt worden war. Nach dem Ende des Rabatts Ende Juni stiegen die Preise wieder.
Vom Rabatt profitieren alle, die tanken. Wer mehr tankt – etwa wegen eines hohen Verbrauchs oder langer Fahrstrecken –, erhält aber auch eine größere absolute Entlastung. Das gilt ebenso für Speditionen. Einen Anreiz zum Spritsparen setzen Tankrabatt und Preisdeckel nicht.
Ökonomen kritisieren den Tankrabatt deshalb als teuer und nicht zielgenau. Veronika Grimm bezeichnete die Subventionierung von Verbrennerfahrten zulasten der jungen Generation als „zynisch“ und plädierte für strukturelle Reformen. Monika Schnitzer lehnte Steuervergünstigungen nach dem Gießkannenprinzip ab und sprach sich für gezielte Direktzahlungen aus. Die Grünen nannten die Pläne zum Tankrabatt „Wahnsinn“ und warnten vor zusätzlichen Profiten der Ölkonzerne. FDP-Chef Wolfgang Kubicki bezeichnete den Preisdeckel als „planwirtschaftliches Instrument“.
Warum der Sprit so teuer bleibt
Die Kraftstoffpreise in Deutschland erreichen wegen der Krise im Nahen Osten wiederholt Rekordwerte. Am Donnerstag kostete Diesel laut ADAC bundesweit durchschnittlich 2,471 Euro pro Liter – knapp zwei Cent mehr als am Vortag. Super E10 wurde nach mehreren Rekorden leicht günstiger und lag bei 2,308 Euro pro Liter.
Als Gründe gelten der Iran-Krieg sowie der Angriff Israels und der USA auf Iran. Dadurch ist die Straße von Hormus, eine zentrale Öl-Transportstrecke, faktisch blockiert. Hinzu kommen knappere Raffineriekapazitäten, weshalb Diesel stärker als Benzin auf Krisen reagiert, der Euro-Dollar-Wechselkurs und die Kontrolle der Huthi-Miliz über die Meerenge Bab al-Mandab nach einer Offensive im Jemen. Damit ist ein weiterer wichtiger Seehandelsweg beeinträchtigt.
Wie stark ein Preisdeckel die Beträge an der Zapfsäule tatsächlich senkt, hängt von der noch nicht festgelegten Berechnungsmethode ab. Für seine Umsetzung besteht weniger Zeitdruck als beim Tankrabatt: Die Bundesregierung will zunächst regelmäßige Gespräche mit der Mineralölwirtschaft führen und anschließend die Methode zur Festlegung der Höchstpreise bestimmen.
Der Tankrabatt zum 1. Oktober erforderte dagegen ein Gesetzgebungsverfahren im Eiltempo. Das Bundesfinanzministerium soll den Koalitionsfraktionen eine Formulierungshilfe übermitteln. Die Fraktionen könnten den Gesetzentwurf direkt im Bundestag einbringen; der Bundestag könnte am Mittwoch in erster Lesung beraten und den Entwurf nach Ausschussberatungen am Freitag beschließen. Anschließend könnte der Bundesrat das Gesetz direkt verabschieden. An den Zapfsäulen bleibt bis dahin vor allem eines: genau hinschauen – und manchmal lieber noch ein paar Kilometer vergleichen.
