Milchpreis steigt auf 42,6 Cent – doch Trockenheit und Futterknappheit bremsen die Erzeuger aus
Am Milchmarkt ziehen die Preise an, aber der große Befreiungsschlag ist das noch nicht. Der ife-Rohstoffwert überschritt im September die Marke von 40 Cent je Kilogramm und stieg auf 42,6 Cent/kg. Gegenüber August bedeutet das ein Plus von 3,9 Cent/kg. Der Milchpreis liegt damit weiterhin auf niedrigem Niveau, knapp über dem Stand von 2021.
Die AMI schätzt den Erzeugerpreis für konventionelle Milch im August auf 40,1 Cent/kg. Im Juli waren es 39,4 Cent/kg, der Anstieg betrug somit 0,7 Cent/kg. Zwei Drittel der Molkereien erhöhten laut AMI ihre Auszahlungspreise, nur wenige senkten sie. Bei Biomilch ging es nach ersten AMI-Berechnungen im August um 0,1 Cent auf 64 Cent/kg nach oben. Für den Herbst erwartet die AMI weitere Preissteigerungen bei Biomilch.
Mehr Milch, knappere Ware bei Pulver
Mitte September nahm die von deutschen Molkereien erfasste Milchmenge binnen einer Woche um 0,2 Prozent zu. Gegenüber der 38. Kalenderwoche des Vorjahres lag sie etwa 1,3 Prozent höher. Von Jahresbeginn bis Mitte September wurden sogar 5 Prozent mehr Milch angeliefert als im Vorjahreszeitraum.
Das Bild ist allerdings nicht überall gleich. Hitzewellen und Trockenheit sorgen in einigen Regionen Deutschlands für erhebliche Schwankungen bei der Milchanlieferung. Im Süden weisen manche Flächen keinen Aufwuchs mehr auf, die Fütterung muss angepasst werden. Anderswo entwickeln sich Grünland und Silomais mindestens durchschnittlich. Die jüngsten ergiebigen Niederschläge dürften vor allem an belasteten Standorten in den kommenden Wochen für Entlastung sorgen.
Die wöchentliche Milchanlieferung liegt insgesamt mehr als 3 Prozent über dem Vorjahresniveau, zugleich aber deutlich unter den Werten der Vorwochen. Das verändert bereits die Produktionsausrichtung der Molkereien. Bei den Inhaltsstoffen liegen Fett und Eiweiß erstmals gleichzeitig leicht unter der Vorjahreslinie.
Magermilchpulver wird weiterhin stark nachgefragt, während das Angebot begrenzt ist. Kurzfristige Bedarfe lassen sich teilweise nur schwer decken; zusätzlich kommen weitere Anfragen für das vierte Quartal herein. Langfristige Abschlüsse nehmen wieder zu. Für Magermilchpulver in Lebensmittelqualität zeigen die Preise vor allem bei späteren Lieferterminen nach oben. Die Kälbermilchindustrie fragt zudem wieder mehr Magermilchpulver in Futtermittelqualität nach, das zu festen Preisen gehandelt wird.
In der 39. Kalenderwoche lagen die Spotmilchpreise laut DCA in Süddeutschland bei 46,00 €/100 kg und in Norddeutschland bei 45,50 €/100 kg.
Butter bleibt gefragt
Bei geformter Markenbutter im 250-Gramm-Päckchen meldete die Butter- und Käsebörse Kempten einen Aufschlag von 5 Cent gegenüber der Vorwoche. Die aktuelle Preisspanne liegt bei 4,35 bis 5,00 €/kg. Die Nachfrage bleibt gut. Lose Markenbutter kostet unverändert 4,15 bis 4,25 €/kg, dort zeigt sich der Markt eher abwartend.
Auch bei mehreren anderen Produkten laufen die Absatzmengen stark, darunter Quark, Weidemilch und Käse. Die Verbraucherpreise verliefen im Juli insgesamt seitwärts. Das niedrigere Preisniveau schlägt sich in den Umsätzen gegenüber dem Vorjahr nieder, unterstützt zugleich aber die Nachfrage im Inland und im Exportgeschäft. Auf den internationalen Märkten steigen die Preise insbesondere für Magermilchpulver und Proteinprodukte.
Seitwärts bewegen sich die Milchpreise auch zwischen den Bundesländern; ihre Unterschiede haben sich verringert. Für Erzeuger bleibt die Lage trotzdem angespannt. Ein Blick auf die Weiden genügt mancherorts: trockener Boden, wenig Futter, mehr Aufwand.
Biomilch wächst in der EU
Im ersten Halbjahr 2026 wurden in der EU 2,7 Millionen Tonnen Biomilch erzeugt. Das entsprach 3,5 Prozent der gesamten EU-Milchmenge; gegenüber dem Vorjahr stieg die Biomilchmenge um 2,7 Prozent. Rund die Hälfte der EU-Biomilch stammt aus Frankreich und Deutschland. Österreich belegte den dritten Platz, gefolgt von Dänemark.
Bei der Veränderung der Biomilcherzeugung im ersten Halbjahr lag Deutschland mit plus 8 Prozent vor Frankreich mit plus 2 Prozent. Österreich kam auf plus 6 Prozent, die Niederlande auf plus 14 Prozent.
Für die Einordnung solcher Zahlen stellt die Europäische Marktbeobachtungsstelle für den Milchsektor zeitnahe Marktdaten und kurzfristige Analysen bereit. Das soll die Transparenz im Milchsektor erhöhen. Abrufbar sind Statistiken, Preise und Gewinnspannen, Daten zu Erzeugung und internen Maßnahmen sowie Handelsinformationen. Dazu kommt ein Dashboard zu Milch und Milchprodukten.
EU-Daten bis zum alten Quotenjahr
Das Dashboard „Milch und Milchprodukte“ liegt vom 1. Oktober 2026 auf Deutsch und Englisch als PDF vor. Historische EU-Preise und EU-Handelsdaten sind im Datenportal für Agrarlebensmittel verfügbar. Historische Preise in der EU wurden am 30. September 2026 auf Deutsch und Englisch als XLSX-Datei veröffentlicht.
Weitere Unterlagen reichen deutlich zurück: Historische EU-Erzeugungsdaten gibt es vom 19. Oktober 2023 auf Englisch als PDF. Die EU-Milchquoten einschließlich des letzten Quotenjahres 2014/15 sind in einem englischen PDF vom 20. September 2019 dokumentiert. Historische EU-Handelsdaten liegen vom 25. September 2025 als englisches PDF vor, historische Bestände von Butter und Magermilchpulver vom 10. November 2021. Interventionsberichte für den Zeitraum 2016 bis 2020 wurden am 9. Februar 2021 als englische PDFs veröffentlicht.
Hinzu kommen die Tagesordnungen und Berichte der Sitzungen des Wirtschaftsausschusses. Zur aktuellen Lage auf dem Milchmarkt stehen ein Factsheet vom 30. September 2026 sowie eine Präsentation vom 25. September 2026 bereit, jeweils auf Deutsch und Englisch als PDF.
Verlinkt sind außerdem der kurzfristige Ausblick, der mittelfristige Ausblick, die EU-Politik für Milch und Milchprodukte, FADN-RICA, TARIC, Eurostat, UN Comtrade und die FAO-Statistiken. Selbst ein Dokument zu COVID-19-Notfallmaßnahmen für die private Lagerhaltung vom 6. Mai 2020 ist noch verfügbar. Wer sich durch diese Ablage klickt, braucht ehrlich gesagt etwas Sitzfleisch – und vermutlich einen Kaffee.
