Die Bauwirtschaft bekommt den Preisdruck erneut zu spüren: Im September 2026 stieg die Inflation in Deutschland auf 3,3 Prozent. Damit lag sie erstmals seit Dezember 2023 wieder über der Marke von drei Prozent. Gegenüber August erhöhte sich die Inflationsrate um 0,4 Prozentpunkte, innerhalb eines Monats kletterten die Verbraucherpreise um 0,6 Prozent.

Für Bauherren, Handwerksbetriebe und Immobilienunternehmen ist vor allem die Energieentwicklung heikel. Kraftstoffe und Haushaltsenergie waren im September 2026 um 14,9 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Zeitweise überschritt der Brent-Ölpreis die Marke von 100 US-Dollar je Barrel; auch E10 und Diesel erreichten in Deutschland Höchststände. Auf Baustellen schlagen solche Sprünge schnell durch – beim Transport, bei Baumaschinen und bei jeder Fahrt zum Großhandel.

Energie treibt die Preise nach oben

Als Ursachen für die höheren Ölpreise gelten der Iran-Krieg sowie das Vorrücken der Huthi-Miliz im Jemen an der Meerenge Bab al-Mandab. Das Münchner Ifo-Institut erwartet deshalb eine steigende Inflation in Deutschland. Länger anhaltend hohe Energiepreise können mit Verzögerung auch Lebensmittel, Dienstleistungen und Waren verteuern, weil Unternehmen ihre gestiegenen Kosten weitergeben, erklärt Ifo-Forscherin Tiphaine Wibault.

Noch ist ein deutlicher Übergriff der Energiepreisinflation auf andere Lebensbereiche allerdings nicht festzustellen. Lebensmittel verteuerten sich im Jahresvergleich nur um 0,4 Prozent. Dienstleistungen, darunter Pauschalreisen und Restaurantbesuche, kosteten dagegen 2,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Im August hatte die allgemeine Inflationsrate bei 2,9 Prozent gelegen. Damals lag sie gegenüber dem Vorjahresmonat nach 2,8 Prozent im Juli und 2,3 Prozent im Juni. Haupttreiber war bereits die teurere Energie infolge des erneut aufgeflammten Nahostkriegs. Im Euroraum stiegen die Verbraucherpreise im August vorläufig um 3,3 Prozent, nach 2,9 Prozent im Juli. Energie verteuerte sich dort um 14,3 Prozent.

Transport, Rhein und Baustellenkosten

Auch abseits der Zapfsäule drohen weitere Preistreiber. Höhere Transport- und Kühlkosten, Ernteausfälle durch Hitze und Trockenheit sowie erschwerte Lieferungen durch Niedrigwasser im Rhein können Waren verteuern. Das belastete im August unter anderem Verbraucher in Nordrhein-Westfalen. Für die Bauwirtschaft bedeutet Niedrigwasser mitunter: längere Wege, verspätete Lieferungen und mehr Aufwand, bis Material dort ankommt, wo es gebraucht wird.

Die Importpreise stiegen im August um gut 8 Prozent – so stark wie seit Ende 2022 nicht mehr. Gleichzeitig sind die Rohölpreise sowie die Marktpreise für Erdgas und Strom seit Anfang August wieder deutlich gestiegen. Das Ifo-Institut rechnet damit, dass Unternehmen die höheren Energiekosten zunehmend an Verbraucher weitergeben. Für den Winter werden höhere Strom- und Gaspreise erwartet.

Ein kleiner Dämpfer kommt ab Oktober bis zum Jahresende: Erneut gilt ein Tankrabatt, die Steuern auf Kraftstoff sinken um rund 17 Cent je Liter. Das dürfte die Inflation bis Jahresende etwas bremsen, der Effekt wird allerdings nur auf etwa 0,2 Prozentpunkte geschätzt. Auch im vierten Quartal dürfte die Inflationsrate deshalb etwas über drei Prozent liegen.

Ausblick auf 2027 und die Zinsen

Führende Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten, dass die Inflation von 2,8 Prozent im Jahr 2026 auf 3,2 Prozent im Jahr 2027 steigt. Das Ifo-Institut rechnet für 2027 mit durchschnittlich 3,0 Prozent höheren Lebenshaltungskosten nach erwarteten 2,8 Prozent im Jahr 2026. In Deutschland könnten die Preiserhöhungen kurzfristig zwar etwas nachlassen: Das Ifo-Barometer für die Preiserwartungen sank im August auf 21,2 Punkte, nach 21,6 Punkten im Juli. Die jüngsten Energiebewegungen machen diese Verschnaufpause aber wackelig.

Auch im Euroraum dürfte die Inflation längere Zeit über dem Ziel der Europäischen Zentralbank von 2,0 Prozent bleiben. Mehrere Signale deuten deshalb darauf hin, dass die EZB wegen des anhaltenden Preisdrucks eine Zinserhöhung erwägen könnte. Der österreichische Notenbankchef Martin Kocher hält eine weitere Zinserhöhung für notwendig, falls sich die gestiegenen Inflationsrisiken in der nächsten EZB-Prognose bestätigen.

EZB-Ratsmitglied Olli Rehn warnte vor einem langwierigen Nahostkonflikt, der die Inflation im Euroraum hochhalten könnte. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, erwartet eine Anhebung der EZB-Leitzinsen um 25 Basispunkte. Eine Inflationsrate von über drei Prozent könne die EZB zum Handeln veranlassen. Höhere Energiepreise könnten nach seiner Einschätzung weitere Güter verteuern und sogar eine Lohn-Preis-Spirale auslösen.

Der nächste EZB-Zinsentscheid ist für den 10. September bei einer auswärtigen Sitzung in Berlin angesetzt. An den Finanzmärkten wird eine Erhöhung des maßgeblichen Einlagesatzes um 0,25 Prozentpunkte auf 2,50 Prozent erwartet. Die EZB hatte zuletzt eine Zinspause eingelegt, nachdem sie im Juni erstmals seit drei Jahren die Zinsen angehoben hatte.

Ökonomen rechnen damit, dass die Europäische Zentralbank den Einlagenzins 2026 noch ein drittes Mal auf 2,75 Prozent anhebt. Höhere Zinsen verteuern Kredite und können dadurch Nachfrage und Inflation bremsen. Für Haushalte und Unternehmen werden Investitionen dann allerdings schwieriger – gerade beim Hausbau, bei Sanierungen und bei Maschinen, die ohnehin schon mit höheren Energie- und Materialkosten kalkuliert werden müssen.