Die Heizölpreise haben in der 39. Kalenderwoche 2026 kräftig gezuckt. In Deutschland und der Schweiz ging es unterm Strich nach unten, in Österreich dagegen kaum vom Fleck. Auslöser waren nicht nur Börsenkurse, sondern scharfe Reden, Vermittlungssignale und die angespannte Sicherheitslage im Nahen Osten.

Zu Wochenbeginn gaben die Weltmarktpreise zunächst nach. Dann ließen Raketenangriffe der pro-iranischen Huthi-Miliz aus dem Jemen auf Saudi-Arabien – darunter auf die Hafenstadt Yanbu am Roten Meer – die Preise an zwei Tagen hintereinander steigen. Frankreich kündigte daraufhin an, Soldaten und Abwehrsysteme zum Schutz des Hafens Yanbu zu entsenden.

Hoffnung auf Bewegung bei Hormus

Vor der UN-Generalversammlung in New York lieferten sich die USA und Iran einen politischen Schlagabtausch. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verteidigte dort die Angriffe auf iranische Atomanlagen; zahlreiche Delegierte verließen anschließend den Saal. Zum Wochenschluss kam dann ein Signal, das an den Märkten für etwas Luft sorgte: Iran übermittelte den USA über Katar einen Plan.

Demnach könnte die Straße von Hormus innerhalb von sieben Tagen wieder geöffnet werden. Außerdem könnten die Atomgespräche fortgesetzt werden – vorausgesetzt, Washington akzeptiert die Bedingungen Teherans. Irans Präsident Massud Peseschkian erklärte sich bereit, das hoch angereicherte Uran des Landes abzugeben. Chinas Staatschef Xi Jinping unterstützte eine Rückkehr zum Atomabkommen vom Juni.

Die Ölpreise sanken daraufhin. Euphorisch wurde aber niemand: Frühere Anläufe waren gescheitert, deshalb blieb die Marktreaktion vorsichtig. Händler warten nun auf konkrete Umsetzungsschritte statt auf weitere Ankündigungen. Verständlich, denn die Straße von Hormus ist für Handelsschiffe nicht mehr sicher passierbar. Normalerweise laufen dort etwa 20 Prozent des weltweiten Energiehandels.

Seit Ende Februar herrscht Krieg zwischen den USA und Iran. Gespräche über eine Waffenruhe stocken, während die Spritpreise steigen. Der Konflikt wirkt damit längst bis an die Zapfsäule – und natürlich in die Heizölkalkulation hinein.

Deutschland fällt, Österreich bleibt nahezu stabil

In Deutschland gab es zum Wochenstart einen deutlichen Preisrückgang. Zur Wochenmitte zogen die Heizölpreise parallel zum höheren Gasölpreis wieder an, am Freitag folgte erneut ein Rückgang. Der Wochenabschluss lag unter dem Niveau der Vorwoche.

Österreich blieb während der gesamten Woche erstaunlich ruhig: Die Heizölpreise veränderten sich nur geringfügig. In der Schweiz dagegen zeigte sich ein deutlich bewegteres Bild. Erst ging es zum Wochenstart kräftig nach unten, zur Wochenmitte folgte eine nahezu vollständige Erholung, ehe die Preise zum Wochenschluss wieder spürbar nachgaben.

Für private Haushalte ist das keine akademische Kurve. Wer den Tank füllen muss, schaut auf jeden Cent – und merkt derzeit, wie schnell sich Nachrichten aus New York, dem Jemen oder Teheran auf den eigenen Alltag legen können.

Saudi-Arabien sucht Umwege – und gerät unter Druck

Saudi-Arabien produziert rund zehn Millionen Barrel Öl pro Tag und ist damit nach den USA der zweitgrößte Ölproduzent. Weil die Vereinigten Staaten einen großen Teil ihrer Förderung selbst verbrauchen, gilt Saudi-Arabien als weltweit wichtigster Ölexporteur. Rund sieben Millionen Barrel verlassen das Land täglich.

Wegen des Kriegs nutzt Riad alternative Exportwege, vor allem die mehr als 1.200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline zum Roten Meer. Von dort kann das Öl durch die Meerenge Bab al-Mandab nach Asien oder durch den Suezkanal nach Europa transportiert werden. Die saudischen Exporte über den Pipeline-Endhafen am Roten Meer haben sich seit Kriegsbeginn laut Internationaler Energieagentur mehr als verdoppelt.

Doch auch dieser Ausweg wackelt. Die von Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen bedrohen Bab al-Mandab und kündigten an, saudische Handelsschiffe nicht passieren zu lassen. Die Meerenge ist an der engsten Stelle etwa 20 Kilometer breit – schmaler als die Straße von Hormus. Nach Einschätzung des Instituts für Kriegsstudien wäre es kaum möglich, dort bei einer Kontrolle durch die Huthi einen sicheren Schiffskorridor einzurichten. Für Iran wäre Bab al-Mandab damit ein weiteres Druckmittel.

Die Ost-West-Pipeline wurde durch Angriffe beschädigt und ist derzeit außer Betrieb. Die Behörden bezeichneten die Stilllegung als Vorsichtsmaßnahme. Über die Leitung könnten täglich bis zu sieben Millionen Barrel Öl zum Roten Meer gepumpt werden. CNN und das Wall Street Journal berichteten unter Berufung auf Satellitenbilder, möglicherweise seien Pumpstationen getroffen worden und dort Brände ausgebrochen. Wie groß die Schäden sind und wann repariert werden kann, ist unklar.

Saudi-Arabien machte mehrere im Irak gestartete Drohnen für die Angriffe verantwortlich. Das saudische Außenministerium kündigte zunächst keine Vergeltungsmaßnahmen an, um der irakischen Regierung Zeit für notwendige Schritte zu geben. Bagdad verurteilte den Angriff und leitete Ermittlungen zur Urheberschaft ein.

Was an Tankstellen und Märkten ankommt

Der ARD-Korrespondent Ramin Sina schätzt, dass Saudi-Arabien wegen mehrerer Angriffe zunehmend unter Druck steht. Analyst Hamad Hussain von Capital Economics hält bei einem weiteren Vormarsch der Huthi und größeren Schäden an Pipelines einen Ölpreis von bis zu 120 US-Dollar je Barrel für möglich. Bei längerer Konfliktdauer schließen andere Analysten noch höhere Preise nicht aus.

Noch liegt der Ölpreis unter dem Jahreshoch von rund 126 Dollar Ende April. Brent-Öl kostete zuletzt zeitweise fast 110 Dollar je Barrel mit Lieferung im November. Im Februar, vor dem Iran-Krieg, waren es etwa 70 Dollar. Damals wurden rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssiggasexporte über die Straße von Hormus transportiert.

Sicherheitsexperte Moritz Brake erwartet Folgen für Deutschland, besonders an den Tankstellen. Wenn weniger Öl exportiert werden kann, steigen Öl- und damit Benzinpreise. Super E10 hatte zuletzt bereits einen Rekordpreis von 2,22 Euro je Liter erreicht, danach kletterten die Preise weiter. Auch Diesel wurde teurer. Reporter meldeten am Samstag aus dem Erzgebirge Dieselpreise zwischen 2,55 und 2,58 Euro je Liter.

Die Linkspartei-Chefin Ines Schwerdtner forderte staatliche Maßnahmen gegen weitere Preissteigerungen. Gleichzeitig kritisierte sie die internationale Diplomatie und die Gewinne der Ölkonzerne. Ein Ärger, der an vielen Tankstellen ziemlich unmittelbar klingt – spätestens beim Blick auf die Anzeige.

US-Präsident Donald Trump vermutet Iran hinter dem Drohnenangriff auf die saudische Pipeline. Nach Trumps Angaben hat die US-Regierung mit den Huthi gesprochen; diese wollten nicht gegen die USA kämpfen und ließen die meisten Schiffe passieren. Trump erklärte außerdem, mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman gesprochen zu haben.

US-Medien berichteten, bin Salman habe wegen des Vormarschs der Huthi um militärische Unterstützung gebeten. Die USA hätten diese Bitte abgelehnt. Washington will Saudi-Arabien weiterhin mit nachrichtendienstlichen Informationen unterstützen, ein direktes militärisches Eingreifen ist derzeit nicht vorgesehen.

Regionale Preise statt einer einzigen Weltkurve

Am Montag ist im Oman ein Krisentreffen der Golfstaaten mit Iran geplant. Im Mittelpunkt soll die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus stehen. Nach Angaben des iranischen Präsidenten Massud Peseschkian wollen Oman und Iran ein Abkommen über neue Schiffsrouten unterzeichnen und der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation vorlegen.

Peseschkian erklärte, Iran befinde sich nicht im Krieg mit Saudi-Arabien; die Huthi hätten eigene Probleme. Die Jemen-Expertin Nadwa Dausari sieht dagegen den Versuch Irans, die Huthi ähnlich wie die Hisbollah im Libanon als Verhandlungsmasse einzusetzen. Zugleich gelten die Huthi als unabhängiger von Iran und verfolgen vor allem das Ziel, ihre Macht im Jemen zu sichern und auszubauen.

In der Ölwirtschaft gibt es laut einer weiteren Einordnung inzwischen keinen einheitlichen Weltmarktpreis mehr. Stattdessen haben sich regionale Preise gebildet, die zunehmend auseinandergehen. Der Grund liegt in der Verschärfung der Konflikte im Nahen Osten. Vor dem Irankrieg lieferte die Golfregion fast 40 Prozent des weltweit auf dem Seeweg gehandelten Rohöls.

Seit etwa einer Woche gibt es aus der Golfregion keinen ungehinderten Seeweg mehr heraus. Die Straße von Hormus war bereits