Wer heute, am 4. Oktober 2026, in Bayern tankt, schaut besser zweimal auf die Anzeige. In Passau kostet Super E10 etwa 2,23 Euro, Diesel bis zu 2,45 Euro je Liter. Nur rund zehn Minuten hinter der Grenze, in Schärding, stehen dagegen 1,72 Euro für Super E10 und 2,14 Euro für Diesel auf dem Display. Das sind 51 Cent beim Benzin und 31 Cent beim Diesel – pro Liter, wohlgemerkt.

Der Unterschied wirkt an der Zapfsäule sofort. Ein Tankvorgang mit 60 Litern Super E10 spart in Schärding ungefähr 30 Euro. Für die Hin- und Rückfahrt von Passau sind es etwa 20 Kilometer, die geschätzten Fahrtkosten liegen bei rund 9 Euro. Bleiben ungefähr 21 Euro. Da kann sich der kurze Abstecher schon lohnen, auch wenn man dafür ein paar Minuten im Auto verbringt und an der Grenze der Geruch von Kraftstoff in der Luft hängt.

Vor zwölf Uhr oder über die Grenze?

Der deutsche Dieselpreis lag im März 2026 im Durchschnitt bei 2,164 Euro je Liter – laut ADAC ein Rekord. Am Karfreitag kletterte der Tagesdurchschnitt auf 2,391 Euro. Es war das dritte Allzeithoch in Folge. Seit dem 1. April 2026 dürfen deutsche Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen, um 12 Uhr. Preissenkungen sind jederzeit möglich.

Am ersten Samstag nach Einführung stiegen die Preise um 12 Uhr im Durchschnitt um 8 Cent bei Benzin und um 9,4 Cent bei Diesel. Der ADAC hält die Regelung deshalb für nicht wirksam und teilweise sogar kontraproduktiv. Als häufig günstigster Zeitpunkt gilt derzeit die Zeit kurz vor zwölf. Eine ADAC-Auswertung für Mai 2026 ermittelte durchschnittliche Tagesunterschiede von 14,6 Cent je Liter Super E10 und 18,4 Cent je Liter Diesel. Preis-Apps machen Unterschiede von 10 Cent oder mehr in der Nähe sichtbar.

Auch Österreich arbeitet mit festen Zeitfenstern: Preise dürfen montags, mittwochs und freitags um 12 Uhr steigen, an den übrigen Tagen nur sinken. Am Wochenende sind die Preise dadurch meist am niedrigsten. Für deutsche Autofahrer heißt das: möglichst vor 12 Uhr tanken – in Deutschland und Österreich. Die Fahrt nach Österreich lohnt sich ab etwa 60 Kilometern vor allem dann, wenn Tirol ohnehin auf dem Plan steht oder ein großer Tank gefüllt werden soll. Nach Tschechien kann sich der Weg auch bei mehr als 60 Kilometern Entfernung rechnen.

Die österreichischen Dieselpreise sind seit Anfang März laut ÖAMTC um rund 70 Cent gestiegen. Wegen der niedrigeren Kraftstoffsteuern liegen sie aber weiterhin unter dem deutschen Niveau. Das erklärt einen Teil der auffälligen Grenzunterschiede, nicht aber jede einzelne Preisanzeige: Rohölpreis, Dollarkurs, Raffineriemargen, regionale Konkurrenz und die Auslastung einer Tankstelle spielen ebenfalls hinein.

Rechnen statt nur auf die Zahl schauen

Im Bayerischen Wald führt ein weiterer Vergleich nach Domažlice. Dort kostet Super umgerechnet etwa 1,58 bis 1,67 Euro je Liter, während in Roding rund 2,24 Euro verlangt werden. Der Unterschied beträgt bis zu 66 Cent. Selbst bei einem Umweg von 30 Kilometern bleibt laut Artikel ein deutlicher finanzieller Vorteil.

Beim Bezahlen in Tschechien sollte die Karte eingesetzt und in Kronen abgerechnet werden. Wer bar in Euro bezahlt, kann durch ungünstige Wechselkurse 3 bis 5 Cent je Liter verlieren. Eine tschechische Verbrauchsteuersenkung gilt ab 8. April; danach könnten die Preise weiter sinken.

Weniger spektakulär fällt die Rechnung zwischen Tegernsee und Achenkirch aus. In Tegernsee kostet Super etwa 2,19 Euro, in Maurach am Achensee rund 1,749 Euro je Liter. Bei 60 Litern bringt der Preisunterschied von rund 44 Cent ungefähr 26 Euro. Die Hin- und Rückfahrt umfasst rund 60 Kilometer, die geschätzten Fahrtkosten liegen bei etwa 27 Euro. Ohne Zeitaufwand ist das also ungefähr ausgeglichen. Wer ohnehin nach Tirol fährt oder einen großen Tank zu füllen hat, kann trotzdem zugreifen.

Teure Überraschungen warten besonders auf der Autobahn. Tankstellen dort waren laut ADAC-Erhebung 2026 durchschnittlich rund 33 Cent je Liter teurer; in Einzelfällen lag der Aufschlag fast 50 Cent. Ein kurzer Blick auf die nächste Ausfahrt kann da mehr bringen als langes Grübeln über die Tankanzeige.

Was im Literpreis steckt

Ein Liter Kraftstoff besteht nicht nur aus Rohöl. Hinzu kommen Grundprodukte, Raffination, Transport, Lagerung sowie die Margen von Großhandel, Mineralölunternehmen und Tankstellen. Bei einem Zapfsäulenpreis von etwa 2,24 Euro entfallen laut Modellrechnung rund 1,07 bis 1,09 Euro auf den Produktpreis vor den separat ausgewiesenen staatlich geprägten Posten.

Rund die Hälfte des Endpreises wird von vier solchen Bestandteilen geprägt: Die reguläre Energiesteuer beträgt 65,45 Cent je Liter Benzin und 47,04 Cent je Liter Diesel. Diesel wird damit regulär mit 18,41 Cent je Liter weniger Energiesteuer belastet als Benzin. Dieses Dieselprivileg wird teilweise durch eine höhere Kfz-Steuer für Diesel-Pkw ausgeglichen. Gleichzeitig verursacht ein Liter Diesel nach gesetzlichen Standardwerten etwa 2,68 Kilogramm CO₂, Benzin etwa 2,39 Kilogramm. Deshalb fallen die CO₂-Kosten je Liter Diesel höher aus und der Preisvorteil an der Zapfsäule schrumpft.

Die CO₂-Bepreisung liegt 2026 je nach Zertifikatspreis bei etwa 13,2 bis 15,6 Cent je Liter Benzin und 14,7 bis 17,4 Cent je Liter Diesel – jeweils vor Mehrwertsteuer. Der Preiskorridor reicht von 55 bis 65 Euro je Tonne CO₂, die erste Auktion 2026 lag bei 65 Euro je Zertifikat. Dazu kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer auf die steuerpflichtige Nettosumme, also auch auf Energiesteuer, CO₂-Kosten und den EBV-Beitrag. Die EBV-Umlage beträgt rund 0,3 Cent je Liter und finanziert die strategische 90-Tage-Ölreserve Deutschlands.

Die regulären Energiesteuersätze sind grundsätzlich seit 2003 unverändert. Vorübergehende Absenkungen gab es 2022 sowie vom 1. Mai bis 30. Juni 2026; seit dem 1. Juli 2026 gelten wieder die regulären Sätze. Die Energiesteuer brachte dem Bund 2025 Einnahmen von 37,6 Milliarden Euro.

Steuern auf Steuern – das klingt sperrig, ist an der Zapfsäule aber spürbar. Eine Erhöhung eines Nettopostens um 10 Cent verteuert den Endpreis einschließlich Mehrwertsteuer um 11,9 Cent. Auch steigende Rohstoff- oder Raffineriekosten erhöhen deshalb den absoluten Mehrwertsteuerbetrag. Bei einem Literpreis von 2,24 Euro entfallen 2026 abhängig vom CO₂-Preis etwa 1,15 bis 1,17 Euro auf Energiesteuer, CO₂-Kosten, Mehrwertsteuer und EBV-Beitrag.

Milliarden im Tank

2025 wurden in Deutschland 23,66 Milliarden Liter Benzin und 37,89 Milliarden Liter Diesel verkauft, zusammen 61,55 Milliarden Liter. Die Energiesteuer brachte daraus 15,49 Milliarden Euro beim Benzin und 17,82 Milliarden Euro beim Diesel, insgesamt 33,31 Milliarden Euro. Hinzu kommen modellierte, nicht vorsteuerabziehbare Umsatzsteuern von rund 9,96 Milliarden Euro sowie eine modellierte CO₂-Bepreisung im Straßenverkehr von rund 7,8 Milliarden Euro.

Für diese CO₂-Rechnung werden 55 Euro je Tonne zugrunde gelegt. Die Verkehrsemissionen lagen bei 146,3 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten, mehr als 98 Prozent davon stammen aus dem Straßenverkehr. Eine zusätzliche „Spritsteuer“ oder „Ökosteuer“ wird nicht addiert, weil diese Bestandteile bereits in der Energiesteuer enthalten sind. Zusammen ergeben sich rund 51,1 Milliarden Euro an Steuern beziehungsweise CO₂-Erlösen.

Vollständige Jahreszahlen für 2026 liegen noch nicht vor. Im ersten Halbjahr sank der Benzinabsatz gegenüber 2025 um 0,6 Prozent, der Dieselabsatz um knapp 6 Prozent. Hochgerechnet wären das rund 23,52 Milliarden Liter Benzin, 35,69 Milliarden Liter Diesel und insgesamt etwa 59,21 Milliarden Liter – rund 2,34 Milliarden Liter oder 3,