Der 4,53-Euro-Warenkorb aus Waiblingen zeigt Europas Preisgefälle bis in die Schweiz
Was kostet ein kleiner Einkauf in Europa? In Kalenderwoche 39 wurde dafür in fünf Ländern jeweils das an diesem Tag günstigste verfügbare Produkt gekauft. Im Korb lagen Vollmilchschokolade, Äpfel, H-Vollmilch, Spaghetti und gekochter Schinken. Verglichen wurden sowohl die Gesamtsumme als auch die Preise je Kilogramm beziehungsweise Liter.
Ausgangspunkt war der Rewe in Waiblingen. Dort kosteten die fünf Produkte zusammen 4,53 Euro. Seit 2020 ist der beispielhafte Einkauf in einem deutschen Supermarkt allerdings spürbar teurer geworden: von 3,85 Euro auf 4,70 Euro im Jahr 2025. Die Einzelpreise in Waiblingen: Vollmilchschokolade 7,90 Euro je Kilogramm, Äpfel 2,99 Euro je Kilogramm, H-Vollmilch 0,95 Euro je Liter, Spaghetti 1,38 Euro je Kilogramm und gekochter Schinken 7,45 Euro je Kilogramm. Deutschland hatte damit im Vergleich den günstigsten Einkauf.
Österreich knapp darüber, Spanien deutlich teurer
In Wien landete derselbe Warenkorb bei Interspar bei 4,84 Euro. Äpfel und Milch waren geringfügig günstiger als in Deutschland, die übrigen Produkte teurer. Die Vollmilchschokolade kostete 8,90 Euro je Kilogramm, Äpfel 2,37 Euro, H-Vollmilch 0,94 Euro je Liter, Spaghetti 2,26 Euro und gekochter Schinken 11,12 Euro je Kilogramm.
Auf Mallorca wurde bei Eroski eingekauft. 6,27 Euro standen am Ende auf dem Bon. Äpfel waren mit 2,00 Euro je Kilogramm deutlich günstiger als in Waiblingen, auch die Milch kostete weniger: 0,82 Euro je Liter. Dafür schlugen Schokolade mit 12,50 Euro, Spaghetti mit 2,80 Euro und gekochter Schinken mit 8,03 Euro je Kilogramm zu Buche. Bei den Spaghetti war Spanien unter den verglichenen Ländern am teuersten.
Italien und Schweiz: Der Bon wird lang
In Ligurien führte der Weg in einen kleinen Carrefour Market, weil vor Ort kein größerer Markt erreichbar war. Die fünf Produkte kosteten dort 13,41 Euro. Äpfel waren mit 2,76 Euro je Kilogramm günstiger als in Deutschland, alle anderen Waren teurer: Vollmilchschokolade 30,50 Euro, H-Vollmilch 1,85 Euro je Liter, Spaghetti 1,98 Euro und gekochter Schinken 53,90 Euro je Kilogramm.
Ein größerer Supermarkt in Mailand hätte niedrigere Preise geboten; trotzdem kosteten die fünf Produkte dort noch etwa 10 Euro. Das erklärt einen Teil des italienischen Abstands, macht den Schinkenpreis aber nicht gerade leichter verdaulich.
Noch teurer war der Einkauf im Volg im Bergell, Kanton Graubünden: 13,95 Franken beziehungsweise 14,74 Euro. Der kleine Supermarkt liegt in einer ländlichen Region. Nur die Spaghetti lagen mit 1,55 Franken beziehungsweise 1,64 Euro je Kilogramm ähnlich wie in Deutschland. Vollmilchschokolade war in der Schweiz am teuersten: 39,50 Franken beziehungsweise 41,73 Euro je Kilogramm. Äpfel kosteten 3,20 Franken beziehungsweise 3,38 Euro, H-Vollmilch 1,75 Franken beziehungsweise 1,85 Euro je Liter und gekochter Schinken 41,00 Franken beziehungsweise 43,31 Euro je Kilogramm.
Preisniveau: Die Schweiz bleibt weit oben
Der einzelne Einkaufszettel passt zu einem größeren Bild, ist aber kein vollständiger Länder-Ranking. Für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke lag das Preisniveau 2025 in Europa zwischen einem Indexwert von 155,9 für die Schweiz und 79,8 für Rumänien. Der EU-Durchschnitt entspricht 100, der Durchschnitt der Eurozone lag bei 102,1. Der Index misst das Preisniveau eines vergleichbaren Warenkorbs, nicht die Inflationsrate. Werte über 100 bedeuten höhere Lebensmittelpreise als im EU-Durchschnitt.
Ganz oben standen die Schweiz mit 155,9, Island mit 155,8, Norwegen mit 133,1, Luxemburg mit 122,4 und Dänemark mit 120,5. Die Schweiz lag damit gegenüber 2024 um 3,8 Punkte und gegenüber 2020 um 9,6 Punkte niedriger. Island stieg gegenüber 2024 um 7,8 und gegenüber 2020 um 9,3 Punkte. Norwegen legte gegenüber 2024 um 1,5 Punkte zu, lag gegenüber 2020 aber 13,6 Punkte niedriger.
Weitere Werte: Irland 115,5, Malta 112,9, Schweden 109,9, Estland 109,8, Österreich 109,5, Finnland und Lettland jeweils 107,5, Frankreich 106,8, Kroatien 105,5, Griechenland 105,3, Belgien 104,5, Litauen 103,0, Deutschland 102,4, Portugal 102,0, Italien 101,1, Slowenien 101,0, Zypern 100,1, die Niederlande 99,4, Spanien 95,3, Ungarn 95,2, Bulgarien 92,6, Tschechien 89,8, Polen 89,5, die Slowakei 83,2 und Rumänien 79,8.
Über fünf Jahre veränderten sich die Werte teils kräftig. Die Slowakei verlor 19,9 Punkte, Polen gewann 15,0 Punkte, Norwegen verlor 13,6 Punkte, die Schweiz 9,6 Punkte. Island legte um 9,3 Punkte zu, Tschechien sank um 7,7 Punkte, Zypern um 7,5 Punkte. Rumänien stieg um 7,1 Punkte.
Was die Zahlen nicht zeigen
Lebensmittel und alkoholfreie Getränke machen im Euroraum weniger als ein Fünftel des Warenkorbs aus. Ihre Preise schwanken stärker als viele andere Bestandteile. In den Analysen werden Lebensmittel und alkoholfreie Getränke gemeinsam mit Alkohol und Tabak betrachtet. Die Daten stammen von Eurostat, Datensatz prc_ppp_ind_1; Datenstand ist 2025, veröffentlicht wurden sie am 9. Juli 2026.
Eurostat weist für den gesamten Haushaltskonsum 2025 EU-weit eine Spanne von 140 bis 63 Prozent des EU-Durchschnitts aus. Dänemark lag bei 140 Prozent, Irland bei 136 und Luxemburg bei 132. Am unteren Ende standen Bulgarien mit 63 Prozent, Rumänien mit 65 und Polen mit 73 Prozent.
Die Wohnkosten waren 2025 auf EU-Ebene die größte Ausgabenkategorie der Haushalte. In Irland erreichten sie 190 Prozent des EU-Durchschnitts, in Bulgarien 41 Prozent. Lebensmittel und alkoholfreie Getränke folgten als zweitgrößte Kategorie und wiesen zugleich die geringsten Preisunterschiede zwischen den EU-Ländern auf: Luxemburg kam auf 122 Prozent, Rumänien auf 80 Prozent.
Bei der Bildung klaffte die Schere am weitesten auseinander. Sie war 2025 die kleinste Ausgabenkategorie der Haushalte auf EU-Ebene, lag aber in Luxemburg bei 334 Prozent des EU-Durchschnitts und in Rumänien bei 42 Prozent. Beim nächsten Einkauf in Waiblingen wirkt der Kassenzettel danach vielleicht ein kleines bisschen weniger rätselhaft – auch wenn 4,53 Euro natürlich trotzdem bezahlt werden wollen.
