Am 4. Oktober 2026 lohnt sich für viele Autofahrer aus der Grenzregion weiterhin die Fahrt nach Polen. Trotz des Tankrabatts in Deutschland und leicht gesunkener Preise bleibt der Sprit dort deutlich günstiger. An einer Tankstelle zwischen Löcknitz und Stettin kostete Diesel am Sonntagnachmittag umgerechnet 1,80 Euro pro Liter, Benzin 1,55 Euro.

Auf dem Tankstellengelände mischen sich deutsche Kennzeichen unter die polnischen. Die meisten Fahrzeuge kommen aus den Landkreisen Mecklenburgische Seenplatte und Vorpommern-Greifswald, auch Autofahrer aus der Uckermark fahren herüber. Viele machen gleich richtig voll und stellen zusätzlich einen 20-Liter-Kanister in den Kofferraum. Mehr Kraftstoff darf im Reservekanister nicht über die Grenze mitgenommen werden.

Polen deckelt den Spritpreis

Seit heute gilt in Polen eine staatliche Spritpreisbremse. Finanziert wird sie durch eine temporäre Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne. Präsident Karol Nawrocki unterzeichnete das entsprechende Gesetz, anschließend erließ die Regierung ein Spritpreispaket. Die Regelungen treten am 3. Oktober in Kraft und gelten bis Jahresende.

Der Höchstpreis für Kraftstoffe wird bis dahin täglich neu festgelegt, und zwar durch das Energieministerium. Vorgesehen sind außerdem eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Treibstoffe von 23 auf 8 Prozent sowie eine niedrigere Energiesteuer. Energieminister Milosz Motyka erwartet ab Samstag eine Preissenkung von umgerechnet bis zu 30 Cent pro Liter. Finanzminister Andrzej Domański rechnet bis Ende der Woche mit etwa 23 Cent weniger.

Zum Vergleich: Derzeit kostet Superbenzin in Polen durchschnittlich etwa 2,05 Euro pro Liter, Diesel etwa 2,06 Euro. Die neue Preisgrenze soll also spürbar in den Alltag hineinwirken – auch wenn an der Tankstelle zwischen Löcknitz und Stettin bereits niedrigere Preise angeschrieben waren.

Steuer mit politischer Vorgeschichte

Die Übergewinnsteuer gilt von März 2026 bis März 2027. Betroffen sind Unternehmen, die aufgrund ausländischer Konzessionen Kraftstoffe herstellen oder verarbeiten. Die Einnahmen fließen in den Staatshaushalt, müssen aber vollständig zur Senkung der Treibstoffpreise verwendet werden. Gemeint ist mit einer Übergewinnsteuer eine zeitlich begrenzte Sondersteuer auf Gewinne, die durch außergewöhnliche Umstände wie Krieg, Knappheit oder Marktverwerfungen entstehen.

Ganz geräuschlos kam das Gesetz nicht zustande. Zwischen der polnischen Regierung und dem rechtskonservativen Präsidenten hatte es Streit gegeben. Nawrocki hatte einen ersten Gesetzesentwurf im Sommer per Veto gestoppt. Nach öffentlichem Druck unterzeichnete er die Neufassung schließlich, beauftragte zugleich aber das Verfassungsgericht mit einer Prüfung. Die Mitte-links-Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk will mit den Einnahmen ihr neues Spritpreispaket finanzieren. Laut Nawrocki sollen sämtliche Einnahmen aus der Steuer zur Senkung der Treibstoffpreise verwendet werden.

Polens Regierung greift damit in einer angespannten Marktlage ein. Mineralölunternehmen erzielen derzeit unter anderem wegen des Irankriegs höhere Gewinne. Für Pendler und Familien zählt allerdings zunächst etwas viel Einfacheres: Was steht am Ende auf der Zapfsäule?

Auch Deutschland streitet über Übergewinne

In Deutschland forderten ebenfalls Politiker eine Übergewinnsteuer für Energiekonzerne. Dazu gehören die Grünen-Politiker Andreas Audretsch und Katharina Dröge, Linken-Chefin Ines Schwerdtner und SPD-Chefin Bärbel Bas. Dröge wollte mit den Einnahmen ein pauschales Energiegeld finanzieren.

Schwerdtner kritisierte, der deutsche Tankrabatt werde aus Steuermitteln bezahlt. Stattdessen sollten Übergewinne der Mineralölkonzerne zur Entlastung der Bevölkerung eingesetzt werden. Auch die SPD unter Vizekanzler Lars Klingbeil befürwortet eine Einführung. Bundeskanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, beide CDU, lehnen eine solche Steuer dagegen ab.

Ein Vorstoß des damaligen SPD-Vorsitzenden Klingbeil auf EU-Ebene wurde von EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis vorläufig abgelehnt. Auch der deutsche Finanzminister brachte einen Vorstoß auf EU-Ebene ein, der vorerst nicht durchkam. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sprach sich deshalb für eine nationale Einführung in Deutschland aus und forderte sie notfalls auch allein.

Während in Berlin und Brüssel weiter gerechnet, gestritten und gebremst wird, rollen an der Grenze die Autos Richtung Polen. Motor aus, Tankdeckel auf, der Geruch von Diesel in der Luft – und daneben der Kanister, sorgfältig verstaut für die Rückfahrt.