Nobelpreis für María Corina Machado rückt Venezuelas Freiheitskampf ins Zentrum der Nobelwoche 2026
Heute, am 4. Oktober 2026, richtet sich der Blick nach Oslo: Die Nobelpreiswoche 2026 beginnt morgen, Montag, 5. Oktober. Rund um die Auszeichnungen gibt es Fakten, Rekorde und kuriose Details – und diesmal steht mit der Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado auch Venezuela stark im Mittelpunkt. Zu sehen ist Machado auf einem Bild bei einer Pressekonferenz 2025 in Oslo.
Machado selbst bezeichnete den Friedensnobelpreis als Errungenschaft der venezolanischen Gesellschaft, nicht als persönliche Leistung. Das norwegische Nobelkomitee würdigte sie als „Schlüsselfigur“ der politischen Opposition Venezuelas. Lateinamerika-Experte Günther Maihold wertete die Entscheidung als Signal für Demokratie und gegen autoritäre Tendenzen, Einschränkungen des Rechtsstaats und der Bürgerrechte.
Eine Hoffnung inmitten der Krise
Machado vereinte die zuvor gespaltene Opposition und gewann breite Unterstützung in der Bevölkerung. Beobachter gehen davon aus, dass sie die venezolanische Präsidentschaftswahl 2024 unter freien und fairen Bedingungen gewonnen hätte. Für viele Venezolaner wurde sie zur Hoffnung auf einen friedlichen politischen Wandel – in einem Land mit Wirtschaftskrise, autoritärer Herrschaft und massiver Auswanderung.
Die mit Präsident Nicolás Maduro verbündete Justiz schloss Machado von der Wahl aus und sperrte sie für 15 Jahre von politischen Ämtern. Nach der Wahl tauchte sie aus Sicherheitsgründen unter. Den Druck auf die Regierung und friedliche Proteste wolle sie dennoch fortsetzen, kündigte sie an. Gewalt, betont Machado, sei dem Maduro-Regime zuzuschreiben; die Opposition handle friedlich, umsichtig und widerstandsfähig.
Geboren wurde María Corina Machado 1967 in Caracas, als Tochter eines Stahlingenieurs und einer Psychologin. Nach ihrem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens arbeitete sie in den USA als Wahlbeobachterin und unterhält weiterhin Kontakte zu politischen Akteuren dort. Wirtschaftlich und gesellschaftlich vertritt sie liberale Positionen: Sie befürwortet eine Öffnung der Wirtschaft, Privatisierungen, die gleichgeschlechtliche Ehe und eine Lockerung des Abtreibungsverbots.
2010 wurde Machado mit einer Rekordzahl an Stimmen in die venezolanische Nationalversammlung gewählt. 2014 entfernte die chavistische Regierung sie aus dem Amt. Anschließend leitete sie die Partei Vente Venezuela und gründete das Bündnis Soy Venezuela für prodemokratische Kräfte verschiedener politischer Richtungen.
Streit über Washingtons Kurs
Kritiker werfen Machado ihre Nähe zu den USA vor. Die US-Regierung unter Präsident Trump gratulierte ihr nach anfänglicher Kritik an der Nobelpreisvergabe. Gleichzeitig versenkten die USA zuletzt mehrfach venezolanische Boote, denen Verbindungen zum Drogenhandel vorgeworfen wurden, und verschärften ihren politischen Konfrontationskurs mit Venezuela.
Machado unterstützt diesen Kurs – und wird dafür auch in Venezuela kritisiert. Der politische Analyst Nicolas Ferrer verwies darauf, dass sie zwar keinen gewaltsamen Kampf in Venezuela befürworte, die USA aber zu einer Intervention aufgerufen habe.
Ihre Anhänger hoffen, dass der Nobelpreis ihren Einsatz für Freiheit und Wahlen stärkt und politischen Druck auf die Regierung ausübt. Andere Venezolaner bezweifeln, dass die Auszeichnung die Lage im Land verändert. Sie beklagen ausbleibende politische Veränderungen und den Einfluss einer auf Reichtum ausgerichteten Elite. In den offiziellen Kanälen von Nicolás Maduro wurde die Nobelpreisvergabe nicht erwähnt.
Frauen bleiben in der Nobelgeschichte in der Minderheit
Der Nobelpreis wird seit 1901 in den Kategorien Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Frieden vergeben. Seit 1969 gibt es zusätzlich den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften. Zwischen 1901 und 2025 wurden insgesamt 995 Preisträgerinnen ausgezeichnet, darunter fünf mehrfach ausgezeichnete Personen.
Unter ihnen waren 68 Frauen. Ihr Anteil beträgt 6,8 Prozent. Marie Curie ist bislang die einzige Frau, die zweimal mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wurde: 1903 erhielt sie den Nobelpreis für Physik als erste weibliche Preisträgerin, 1911 folgte der Nobelpreis für Chemie.
Die Zahl der Ausgezeichneten nahm im Zeitverlauf zu. Von 1901 bis 1910 gab es 60 Preisträgerinnen, zwischen 2011 und 2020 waren es 117. Unterschiede hängen unter anderem mit der Zahl der geteilten Preise und 49 nicht vergebenen Nobelpreisen zusammen, insbesondere während des Ersten und Zweiten Weltkriegs. In zahlreichen Jahren, vor allem während der Weltkriege, wurden in einzelnen Kategorien keine Nobelpreise vergeben.
| Zeitraum | Frauenanteil |
|---|---|
| 1931–1940 | 6,0 Prozent |
| 1941–1950 | 6,3 Prozent |
| 1951–1960 | keine Frau ausgezeichnet |
| 1991–2000 | 6,8 Prozent |
| 2001–2010 | 9,4 Prozent |
| 2011–2020 | 14,5 Prozent |
| 2021–2025 | 16,4 Prozent |
Vor 2010 lag der Frauenanteil in den einzelnen Jahrzehnten durchgehend unter 10 Prozent. 2025 wurden zwei von 14 Preisträgerinnen mit einem Nobelpreis ausgezeichnet. Nach Kategorien fällt das Bild sehr unterschiedlich aus: In der Physik beträgt der Frauenanteil 2,2 Prozent, in der Chemie 4,0 Prozent und in Physiologie oder Medizin 6,0 Prozent. In der Literatur sind es 14,8 Prozent, beim Frieden 17,9 Prozent. Beim Wirtschaftspreis liegt der Anteil bei 3,0 Prozent; drei von 99 vergebenen Preisen gingen an Frauen.
Gerade in den naturwissenschaftlichen Kategorien ist der Frauenanteil besonders niedrig. Vergeben werden die Preise von unterschiedlichen Institutionen, unter anderem von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften, der Nobelversammlung des Karolinska-Instituts, der Schwedischen Akademie und dem Norwegischen Nobelkomitee.
Nominierungen kommen von ausgewählten Akademiemitgliedern, Parlamentarierinnen, Universitätsprofessorinnen, Wissenschaftlerinnen, früheren Nobelpreisträger*innen sowie aktuellen und ehemaligen Mitgliedern der Preiskomitees. Öffentlich zugänglich werden die Nominierungen erst 50 Jahre nach der jeweiligen Preisverleihung. Bis dahin bleibt manches hinter verschlossenen Türen – und die Nobelpreiswoche beginnt trotzdem jedes Jahr mit reichlich Spannung.
