Autofahrer zahlen seit dem Start des Tankrabatts offenbar nicht immer den Preisnachlass, den der Staat eigentlich vorgesehen hat. Eine Auswertung des Ifo-Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass Mineralölkonzerne die Steuersenkung bislang nur teilweise an die Verbraucher weitergeben.

In den ersten fünf Tagen wurden von der Senkung um 17 Cent je Liter im Durchschnitt 15 Cent beim Diesel weitergereicht. Beim Superbenzin E5 waren es gut 16 Cent, bei E10 ebenfalls 15 Cent. An der Zapfsäule kann das schnell auffallen: Der Preis springt, obwohl sich an der Steuer zunächst nichts geändert hat.

Rabatt schwankte von Tag zu Tag

Am 1. Oktober wurde der Tankrabatt laut Ifo noch vollständig weitergegeben. Am Wochenende blieb die Weitergabe dagegen teilweise aus. Besonders deutlich zeigte sich das bei E10: Von Donnerstag bis Sonntag sank sie um etwa 7 Cent. Am Montag lag sie wieder bei mehr als 15 Cent. Bei Diesel war ein ähnlicher Verlauf zu beobachten, allerdings weniger stark ausgeprägt.

Für seine Berechnung verglich das Ifo-Institut die deutschen Spritpreise mit den Preisen im Ausland. So sollten allgemeine Preisschwankungen, vor allem durch Veränderungen beim Ölpreis, herausgerechnet werden. Eine frühere Studie des RWI war zu dem Ergebnis gekommen, dass die Preise zu Beginn des Tankrabatts in einer vergleichbaren Größenordnung wie die Steuersenkung zurückgingen.

Verbände widersprechen dem Vorwurf

RWI-Forscher Manuel Frondel warnte, dass die Weitergabe nachlassen könne, sobald die öffentliche Aufmerksamkeit sinke. Maßnahmen gegen Preiserhöhungen per Kartellrecht seien voraussichtlich wenig wirksam.

Der Tankrabatt gilt seit dem 1. Oktober. Der Bund verzichtet dabei auf Energie- und Mehrwertsteuer in Höhe von 16,7 Cent je Liter. Ifo-Experte Florian Neumeier kritisierte die Maßnahme unter anderem deshalb, weil hohe Preise den Verbrauch dämpften und der Rabatt Kaufentscheidungen verzerrte. Wer eigentlich weniger fahren wollte, steigt dann vielleicht doch ins Auto – der Preis an der Zapfsäule fühlt sich ja plötzlich weniger schmerzhaft an.

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, kurz En2x, weist den Vorwurf zurück, Ölkonzerne behielten Teile der Steuersenkung ein. Nach Darstellung des Verbands wären die Tankstellenpreise ohne Tankrabatt seit Anfang Oktober zu jedem Zeitpunkt um 17 Cent je Liter höher gewesen.

Gleichzeitig räumt En2x ein, keine Aussage über den gesamten deutschen Markt mit rund 14.000 Tankstellen treffen zu können. Die Mitgliedsunternehmen des Verbands vertreten etwa die Hälfte dieser Tankstellen. Gerade deshalb bleibt der Blick auf die einzelnen Zapfsäulen für Autofahrer wohl vorerst wichtiger als jede Verbandsrechnung.

Hohe Energiepreise könnten bleiben

Auch international gibt es wenig Anlass, bei den Energiepreisen rasch mit Entspannung zu rechnen. Der Internationale Währungsfonds erwartet, dass die hohen Preise noch einige Zeit bestehen bleiben.

IWF-Chefin Kristalina Georgiewa erklärte, der Preisdruck könne durch die steigende Nachfrage zu Beginn der kalten Jahreszeit auf der Nordhalbkugel und durch das Auffüllen nationaler Reserven weiter zunehmen. Selbst bei einem baldigen Ende des Konflikts könnten die Energiepreise bis 2027 hoch bleiben.

Für Haushalte, Handwerksbetriebe und die Bauwirtschaft bleibt das eine unangenehme Mischung: Diesel wird für Baustellenfahrzeuge und Lieferverkehr gebraucht, während gleichzeitig Material- und Transportkosten schwer kalkulierbar bleiben. Und an der Tankstelle entscheidet sich manchmal binnen weniger Tage, ob die nächste Fahrt nur teuer oder noch ein gutes Stück teurer wird.