Ifo-Analyse zeigt: Tankrabatt kommt nicht überall vollständig an
Seit dem 1. Oktober 2026 ist Tanken in Deutschland zunächst günstiger geworden. Der sogenannte Tankrabatt senkte die Spritpreise, doch die Entlastung kam nicht überall und nicht immer vollständig bei den Autofahrern an. Das zeigt eine Auswertung des Ifo-Instituts, die den Zeitraum der ersten fünf Tage betrachtet.
Von der Steuersenkung in Höhe von 17 Cent pro Liter wurden im Durchschnitt rund 15 Cent beim Diesel weitergegeben. Bei Superbenzin E5 waren es gut 16 Cent, bei E10 etwa 15 Cent. Der Bund verzichtet dabei auf Energie- und Mehrwertsteuer in Höhe von insgesamt 16,7 Cent pro Liter – die politische Ansage liegt also knapp bei 17 Cent.
Am ersten Tag voll, am Wochenende weniger
Ganz gleichmäßig lief die Weitergabe nicht. Am 1. Oktober wurde der Rabatt vollständig an die Kunden weitergereicht. Am Wochenende blieb davon teilweise weniger übrig. Besonders deutlich zeigte sich das bei E10: Von Donnerstag bis Sonntag sank die errechnete Weitergabe um rund 7 Cent, ehe sie am Montag wieder deutlich anstieg und erneut mehr als 15 Cent erreichte.
Beim Diesel verlief die Entwicklung ähnlich, allerdings mit geringeren Schwankungen. Das Ifo-Institut verglich die deutschen Spritpreise mit den Preisen im Ausland. So sollten allgemeine Einflüsse wie Veränderungen beim Ölpreis herausgerechnet werden – ein ziemlich wichtiger Kniff, weil sich an der Zapfsäule sonst Rabatt, Weltmarkt und tägliches Auf und Ab nur schwer auseinanderhalten lassen.
Kritik am Rabatt und ein neuer Preis-Tracker
Die Ifo-Ökonomen sehen die Maßnahme ohnehin kritisch. Hohe Spritpreise bremsen normalerweise den Verbrauch; ein Rabatt schwächt diesen Effekt ab. Nach Einschätzung des Instituts senkt der Tankrabatt wegen des derzeit begrenzten Angebots voraussichtlich nicht den Verbrauch von Benzin und Diesel. Außerdem kann er Kaufentscheidungen verzerren. Haushalte mit geringem Einkommen, kleinen Autos und geringer Fahrleistung profitieren kaum – wer selten und wenig fährt, spart eben auch bei einem niedrigeren Literpreis nur wenig.
Das Institut will erneut einen Online-Tracker zur Weitergabe des Tankrabatts einrichten. Beim ersten Tankrabatt im Mai und Juni hatte das Ifo bereits festgestellt, dass die Steuersenkung nicht vollständig weitergegeben worden war. Für Autofahrer dürfte der Tracker damit wieder einen Blick darauf ermöglichen, was vom Rabatt tatsächlich an der Zapfsäule landet.
Tankstellenverband widerspricht
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, kurz en2x, weist die Einschätzung des Ifo-Instituts zurück. Ohne Tankrabatt wären die Preise an den Tankstellen seiner Mitgliedsunternehmen seit Anfang Oktober jederzeit um 17 Cent pro Liter höher gewesen, erklärt der Verband. Eine Aussage über den Gesamtmarkt mit rund 14.000 Tankstellen könne en2x allerdings nicht treffen. Die Mitgliedsunternehmen vertreten etwa die Hälfte dieser Tankstellen.
Der erneute Tankrabatt wurde vom Bundestag wegen der gestiegenen Spritpreise infolge des andauernden Irankriegs und der Eskalation im Jemen eingeführt. Er gilt bis zum Jahresende. Bis dahin bleibt an der Zapfsäule also die etwas mühsame Rechnung: Was wäre der Preis ohne Rabatt gewesen, wie viel davon wurde weitergegeben – und wie stark hat sich der Ölmarkt gleichzeitig bewegt? Gerade am Wochenende, wenn die Preise ohnehin gern einmal hüpfen, ist das für Autofahrer kaum auf den ersten Blick zu erkennen.
