Inflation von der Zapfsäule bis zur Baustellenrechnung: Energiepreise setzen Bauwirtschaft unter Druck
Die deutsche Inflationsrate ist im September auf 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Im August hatte sie noch 2,9 Prozent betragen. Damit erreichte sie den höchsten Stand seit Ende 2023. Grundlage sind vorläufige Zahlen des Statistischen Bundesamts.
Für viele Haushalte dürfte sich der Preissprung zuerst an der Tankstelle bemerkbar gemacht haben. Hauptursache waren stark gestiegene Kraftstoffpreise. Die Ölpreise überschritten wegen des Nahost-Kriegs zeitweise die Marke von 100 US-Dollar je Barrel. Nach Angaben des ADAC wurden im September mehrfach Rekordpreise für Diesel und Benzin verzeichnet.
Kraftstoff treibt die Teuerung
In Nordrhein-Westfalen verteuerten sich die Preise im September gegenüber dem Vorjahr beim Diesel um 48,7 Prozent, beim Benzin um 33,8 Prozent und beim Heizöl sogar um 49,9 Prozent. Das merkt man nicht nur beim Blick auf die Zapfsäule: Auch auf Baustellen, bei Lieferfahrten und im Fuhrpark schlägt jeder zusätzliche Cent durch.
Von Oktober bis Jahresende gilt erneut ein Tankrabatt, der bereits im Mai und Juni eingesetzt worden war. Nach Einschätzung der Landesbank Helaba könnte er die Kraftstoffpreise um bis zu 17 Cent je Liter senken. Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding erwartet dadurch im Oktober eine Dämpfung der Inflationsrate um etwa 0,3 Prozentpunkte. Ob das beim täglichen Tanken tatsächlich spürbar bleibt, hängt freilich auch von der Entwicklung des Ölpreises ab.
Bundesweit lagen die Energiepreise im September 14,9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Im August waren es 10,5 Prozent gewesen. Nahrungsmittel verteuerten sich um 0,4 Prozent, nach 0,1 Prozent im August. Dienstleistungen wie Versicherungen und Reisen kosteten 2,7 Prozent mehr; im August hatte der Anstieg 2,8 Prozent betragen.
Auch für Bauunternehmen bleibt Energie ein Risiko
Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel lag erneut bei 2,4 Prozent. Gegenüber August stiegen die Verbraucherpreise insgesamt um 0,6 Prozent. Für die Bauwirtschaft ist das eine unangenehme Mischung: Treibstoff, Heizenergie und Transporte werden teurer, während sich der Kostendruck bei Waren und Dienstleistungen nicht einfach verflüchtigt.
Eine Umfrage des Ifo-Instituts deutet darauf hin, dass Unternehmen höhere Energiekosten zunehmend an ihre Kunden weitergeben wollen. Das Barometer für die Preiserwartungen stieg im September auf 22,7 Punkte, nach 21,4 Punkten im August. Laut Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser könnten Energieversorger im Winter die Preise für Strom und Gas erhöhen. Auch der Preisdruck bei Waren und Dienstleistungen dürfte weiter zunehmen.
Für Bauherren, Handwerksbetriebe und Planer heißt das: Angebote werden vorsichtiger kalkuliert, Nachträge bleiben ein heikles Thema, und bei größeren Vorhaben zählt jeder Monat. Wenn Diesel, Strom und Gas gleichzeitig anziehen, wandert der Druck schnell von der Baustelle in die Rechnung. Das ist wenig glamourös, aber im Alltag ziemlich konkret.
EZB vor weiteren Zinsschritten
Wegen einer voraussichtlich ebenfalls steigenden Inflation in der Euro-Zone rechnen Volkswirte mit weiteren Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank. Die EZB hat den Leitzins in diesem Jahr bereits zweimal auf aktuell 2,50 Prozent angehoben. Deutsche Bank Research erwartet für Dezember eine weitere Erhöhung auf 2,75 Prozent.
Das könnte die Finanzierung von Grundstücken, Neubauten und Sanierungen zusätzlich erschweren. Steigende Zinsen treffen dabei nicht nur private Kreditnehmer, sondern auch Unternehmen, die Maschinen, Fahrzeuge oder Betriebsmittel finanzieren müssen. Auf den Baustellen läuft derweil der Diesel weiter durch den Tank — und irgendwo klingelt schon wieder das Telefon des Lieferanten.
