Wer in Deutschland eine Grafikkarte kaufen will, muss derzeit tief in die Tasche greifen. Eine Marktanalyse von 3D Center hat die Preise über zwölf Monate bis Oktober 2026 ausgewertet: Im Durchschnitt verteuerten sich Grafikkarten um 66 Prozent. Für Käufer ist das keine kleine Delle, sondern ein kräftiger Sprung – und er trifft ausgerechnet jene Modelle, die für hohe Auflösungen und anspruchsvolle Spiele interessant sind.

Am härtesten erwischte es Nvidias GeForce RTX 5090. Ihr Preis lag 132 Prozent über dem Vorjahresniveau. Fast alle anderen Modelle der RTX-50-Serie wurden mindestens 50 Prozent teurer. Rechnet man die RTX 5090 heraus, bleibt für die Baureihe immer noch ein durchschnittlicher Anstieg von rund 57 Prozent. Die RTX 5060 Ti mit 16 GB Videospeicher legte um mehr als 70 Prozent zu.

VRAM wird zum Preistreiber

Modelle mit 16 GB Speicher verteuerten sich allgemein stärker als Varianten mit weniger Videospeicher. Der naheliegende Grund: VRAM ist gefragt, nicht zuletzt wegen immer aufwendigerer Spiele und Anwendungen. Der Preisanstieg begann bereits Ende 2025 mit höheren DRAM-Kosten und beschleunigte sich im zweiten Halbjahr 2026.

Beim GDDR6-Speicher kletterte der Spotpreis seit Herbst 2025 von etwa 2,50 auf 7,50 US-Dollar je Gigabyte – ein Plus von 200 Prozent. Herkömmlicher DRAM verteuerte sich im Jahresvergleich um 170 Prozent. Samsung, SK hynix und Micron verschieben zugleich Produktionskapazitäten zunehmend hin zu HBM-Speicher für KI-Rechenzentren. Für regulären Arbeits- und Grafikspeicher bleibt dadurch weniger übrig.

Auch AMD und Intel entkommen dem Preisdruck nicht. Grafikkarten mit AMDs RDNA-4-Architektur, also die Radeon-RX-9000-Serie, stiegen um 48 Prozent. Innerhalb der AMD-Modelle verzeichnete die Radeon RX 9060 XT mit 8 GB den stärksten Anstieg. Intels Arc-Battlemage-Modelle B580 und B570 verteuerten sich zusammen um 38 Prozent.

RTX 5090 ausverkauft – und anderswo absurd teuer

In den USA ist die RTX 5090 im Onlinehandel nahezu flächendeckend ausverkauft. Drittanbieter verlangen dort etwa 6.395 bis 9.500 US-Dollar. In Kanada kostet die Karte teilweise bis zu 5.999 kanadische Dollar. Nvidia und AMD haben die Preise für Gaming-Grafikkarten erhöht; weitere Belastungen könnten bald folgen.

Berichten zufolge plant Nvidia, Partnerunternehmen künftig nur noch GPU-Silizium-Dies statt kompletter GPU-Speicher-Kits zu liefern. Die Beschaffung des Speichers läge dann vollständig bei den Boardpartnern. Nvidia teilte Großkunden außerdem mit, dass Server mit KI-Chips ab Anfang 2027 wegen höherer Speicherkosten um mehr als 15 Prozent teurer werden könnten.

AMD kündigte der Lieferkette eine geplante Preiserhöhung von etwa zehn Prozent für die gesamte GPU-Produktlinie an. Als Gründe nennen die Unternehmen Speicherknappheit, gestiegene DRAM-Preise und höheren Margendruck. Die angekündigten Aufschläge sollen in den kommenden Wochen an Endkunden weitergegeben werden.

Die Speicherbranche baut für KI um

Hinter der Entwicklung steckt ein struktureller Umbau des Speichermarkts. 2026 verschiebt er sich deutlich in Richtung KI-Infrastruktur. HBM, Server-DRAM und Enterprise-SSDs profitieren von der Nachfrage nach KI-Beschleunigern und Rechenzentren. Samsung und SK hynix bauen ihre HBM-Produktion und die entsprechenden Investitionen deutlich aus. Dafür werden Wafer, Advanced-Package-Kapazitäten, Entwicklungsbudgets und Fertigungsmöglichkeiten in anderen Speicherbereichen knapper.

Die Hersteller geben Server-DRAM und HBM Vorrang vor klassischen Anwendungen. Micron bezeichnet Speicher im KI-Zeitalter als strategische Ressource für Kunden. Samsung meldete im Februar 2026 den Beginn der Massenproduktion von HBM4 und die Auslieferung kommerzieller Produkte. Das Unternehmen erwartet, dass sich der eigene HBM-Umsatz 2026 gegenüber 2025 mehr als verdreifacht.

SK hynix spricht für 2026 von einer HBM-geprägten Phase eines „AI memory supercycle“. HBM3E soll in diesem Jahr für KI-Server zentral bleiben, während parallel der Übergang zu HBM4 vorbereitet wird. HBM4E gilt als nächster Technologieschritt mit höherer Bandbreite für künftige Rechenzentrumsarchitekturen. Der Ausbau kann die Profitabilität der Speicherbranche erhöhen, verknappt aber zugleich klassisches DRAM.

Für das erste Quartal 2026 wurden die Preisprognosen kräftig angehoben: Konventionelles DRAM sollte gegenüber dem Vorquartal um 90 bis 95 Prozent steigen, Server-DRAM um rund 90 Prozent. Bei NAND-Flash wurden 55 bis 60 Prozent erwartet, bei Enterprise-SSDs 53 bis 58 Prozent. Anfang März lagen die DRAM-Spotpreise bereits über den Vertragspreisen. Der durchschnittliche Spotpreis für DDR4 1Gx8 mit 3200 MT/s wurde mit 33,02 US-Dollar angegeben. Die Spotpreise für 512-Gbit-TLC-NAND-Wafer stiegen innerhalb einer Woche um 14,7 Prozent.

Vom Rechenzentrum bis zum alten DDR4-Riegel

Enterprise-SSDs sollen 2026 zur größten NAND-Anwendung werden. Hersteller verlagern NAND-Angebot von Client-SSDs zu Datacenter-SSDs. Hochkapazitive und kostengünstige QLC-Produkte bleiben begrenzt verfügbar, während NAND insbesondere für KI-Datenspeicherung und Inferenz-Infrastruktur knapp wird.

Unangenehm wird es auch bei älteren Produkten. DDR4 könnte 2026 um bis zu 50 Prozent teurer werden, weil mehrere Anbieter Ausstiegs- oder EOL-Pläne verfolgen. Auch DDR3 bleibt angespannt. Industrie, Automotive, Medizintechnik und Embedded-Systeme sind wegen langer Produktlebenszyklen und aufwendiger Qualifizierungen besonders betroffen. Dort lässt sich ein Bauteil eben nicht einfach über Nacht austauschen.

Die weltweite MLC-NAND-Kapazität soll 2026 um 41,7 Prozent sinken. Samsung führt MLC-Produkte aus; die letzten Auslieferungen sind für Juni 2026 vorgesehen. Kioxia, SK hynix und Micron beschränken die MLC-Produktion im Wesentlichen auf Bestandskunden.

Auch Smartphones geraten zwischen die Zahnräder. Für 2026 wird ein Rückgang der weltweiten Produktion um zehn Prozent auf rund 1,135 Milliarden Geräte erwartet. Steigende Speicherpreise erhöhen die Gerätepreise und belasten die Nachfrage. Gleichzeitig soll die durchschnittliche Speicherkapazität pro Smartphone um 4,8 Prozent steigen – weil kleine NAND-Kapazitäten auslaufen und On-Device-KI mehr Speicher verlangt.

Mehr KI, weniger Luft im Speicher

Gemessen am äquivalenten Waferbedarf von HBM und GDDR7 könnte KI 2026 nahezu 20 Prozent des globalen DRAM-Angebots binden. Wegen dieser starken Konzentration auf KI-Anwendungen wird bereits über das Risiko einer Speicherblase diskutiert. SK hynix verweist auf Preis-, Angebots- und geopolitische Risiken sowie auf eine mögliche Korrektur nach 2026. Die steigenden Investitionspläne wecken zudem Sorgen vor einem neuen zyklischen Überangebot.

Ein kleiner technischer Hoffnungsschimmer kommt von Google, löst das Grundproblem aber nicht. TurboQuant ist kein neuer Speicherchip, sondern ein Kompressionsverfahren für KI-Vektoren und den KV-Cache großer Sprachmodelle. Google gibt an, den KV-Speicher in Long-Context-Szenarien mindestens um den Faktor sechs reduzieren zu können. Außerdem berichtet das Unternehmen über 3-Bit-Quantisierung ohne Genauigkeitsverlust und bis zu achtfachen Performancegewinn auf Nvidia-H100-Systemen.

Das zugrunde liegende Paper nennt bei 3,5 Bit pro Kanal eine vergleichbare Qualität, bei 2,5 Bit nur marginale Einbußen. Damit kann TurboQuant den Speicherbedarf einzelner Inferenz-Workloads senken und den Druck auf HBM und Server-DRAM begrenzen. Physische Speicherchips ersetzt das Verfahren allerdings nicht. HBM-, DRAM- und NAND-Engpässe bleiben bestehen, ebenso die EOL-Probleme bei DDR3, DDR4 und MLC-NAND.

Für 2026 bleibt der Speichermarkt daher angespannt. Hersteller investieren weiter in HBM4, Advanced DRAM und höhere Speicherdichten. Samsung erweitert seine HBM4-Kapazitäten, Micron meldet anhaltend starke Nachfrage, und SK hynix