Wer in Biberach oder Ulm an einer Kugel „Lieblingseis“ vorbeikommt, landet schnell bei Sorten, die man nicht an jeder Ecke findet. Äpfel, Birnen und Preiselbeeren aus heimischem Anbau wandern im Herbst in Sorbets. Geröstete Erdnüsse und unterschiedliche Schokoladensorten werden dagegen zu Milcheis verarbeitet. Das klingt nach Saisonwechsel, schmeckt aber eher nach Neugier.

Hinter den Kreationen steht Henrike Weihs. Ihre Eisdiele wurde beim Publikumspreis der Gourmetzeitschrift „Falstaff“ bereits viermal unter die fünf besten Eisdielen Baden-Württembergs gewählt. Beim „Bella Gelateria Award 2026“ des Restaurantführers „Schlemmer Atlas“ kam „Lieblingseis“ außerdem unter die 15 besten Eisdielen Deutschlands. Betrieben werden Filialen in Biberach und Ulm.

Von Pawpaw bis Kürbiskern

„Avocado-Kokos-Ananas“, „Quitte“ und „Nussiges Kürbiskern“ gehören zu den ungewöhnlicheren Sorten. Dazu kommt Eis aus Pawpaw-Früchten. Die aus Nordamerika stammende Frucht erinnert geschmacklich laut Artikel an eine Mischung aus Mango, Ananas und Banane. Ein Biberacher baut Pawpaw in seinem Garten an und liefert die Früchte an Weihs.

Das Handwerk dahinter hat einen persönlichen Wendepunkt. Vor rund zehn Jahren lernte Weihs das Konzept bei einem Eisdielenbetreiber in Italien kennen. Danach gab sie ihren Beruf als Hoteldirektorin auf und ließ sich zur Eiscremista und Eissommelière ausbilden. Ihre Rezepte entwickelt sie selbst. Auf sogenannte Basen, die unter anderem Volumen, Luftigkeit und Konsistenz erhöhen, verzichtet sie. Frische, natürliche Zutaten sollen das Eis sämig und fest machen.

Nach eigenen Angaben verwendet „Lieblingseis“ natürliche Zutaten, kein Fertigpulver und keine künstlichen Zusätze. Das Eis entsteht täglich frisch in der eigenen Manufaktur in Biberach. Henrike Weihs und ihr Team arbeiten in kleinen Chargen und stellen jede Sorte selbst her. Ein bewusst niedriger Luftaufschlag sorgt für dichteres, cremigeres Eis und einen intensiveren Geschmack – weniger Luft, mehr Löffelwiderstand.

2026 an der Spitze des Falstaff-Votings

2026 ermittelte Falstaff die beliebtesten Eisdielen in Deutschland per Community-Voting. Grundlage war ein Online-Voting von Leserinnen und Lesern, keine Bewertung durch eine Jury. Mehrfachabstimmungen, direkt oder indirekt, waren nicht erlaubt. Bundesländer mit weniger als drei nominierten Betrieben konnten im Ranking fehlen. Das Falstaff-Ranking ist außerdem nicht mit dem Varta-Guide identisch.

In Baden-Württemberg gewann „Lieblingseis“ aus Ulm. 2025 hatte der Betrieb im Falstaff-Voting noch den vierten Platz belegt. Die weiteren Plätze der Top 10 gingen an Clausgemacht in Ravensburg, Frau Bolle in Heidelberg, Nicoletti Eiscafe in Konstanz, die Eismanufaktur Gutman in Leingarten, Konditorei Café Huber in Engen, Eiscafé Eiszeit / Buon Gelato in Ortenberg, Eis-Cafe Rino in Schramberg, Eisdiele Vivo in Waldstetten und Eiscafé Lorenzo in Asperg.

Die Ulmer Filiale liegt in der Platzgasse 12, 89073 Ulm. Erreichbar ist sie unter 0176 21114947, online unter lieblingseis.de. In Biberach wird die Eisdiele im Herbst zum Pastaladen umgewandelt. In Ulm gibt es ganzjährig Pasta und Eis.

Auch die übrigen Bundesländer hatten ihre Sieger: In Bayern setzte sich Dolcier aus Memmingen durch, in Nordrhein-Westfalen De Rocco aus Dinslaken, in Brandenburg Der Eispate aus Heidesee, in Rheinland-Pfalz das Eiscafé Rigoni in der Paulinstraße in Trier und in Sachsen das Eiscafé der Sächsischen Eismanufaktur in Dresden.

Kollegen mit ungewöhnlichen Ideen

Das Falstaff-Magazin und die Stuttgarter Eismesse Gelatissimo zeichneten 2026 die besten Eisdielen Deutschlands aus. Die Platzierungen entstanden durch Publikumsabstimmungen und Fachjurys. In Konstanz landete das Eiscafé Nicoletti auf Platz vier des Falstaff-Rankings. Die Familie Nicoletti setzt auf traditionelle Herstellung und hochwertige Zutaten. Von der Platzierung erfuhr sie unerwartet durch die Glückwünsche einer Kundin per WhatsApp.

Auf Rang neun steht die Eisdiele „Vivo“ aus Waldstetten. Alberto Copat und Tamara Sacilotto betreiben sie seit elf Jahren am Malzéviller Platz. Ihre handwerkliche Ausbildung absolvierten beide an einer Eisschule in Perugia. Bis zu 28 Sorten stehen im Angebot, darunter Kreationen mit Gurke, Paprika, Fenchel und Sellerie. Anfangs war die Kundschaft bei Gemüse im Eis skeptisch, inzwischen werden die Sorten gezielt nachgefragt. Manche Gäste fahren dafür bis zu 66 Kilometer aus Ulm an.

Fast alles erledigt das Paar mit nur einer Aushilfe selbst. Eine zweite Filiale ist derzeit nicht geplant. Neue und ungewöhnliche Eissorten entstehen regelmäßig. In der Winterpause stellen Copat und Sacilotto aus sizilianischen Zitronen handgemachten Limoncello her. Und Alberto Copat isst trotz der täglichen Arbeit weiterhin jeden Tag Eis – am liebsten Stracciatella.

Gelatissimo kürte 100 Eisdielen in Deutschland; sieben ausgezeichnete Betriebe stammen aus Karlsruhe und der umliegenden Region. Giuseppe Cimino übernahm zur Saison 2026 in Karlsruhe das Lokal „Eis Cassata“ von seinem Bruder Pino Cimino, der weiterhin die Filiale in Rastatt führt. Weitere Auszeichnungen gingen an Eis Cristallo in Graben-Neudorf, Eis Rimini in Gaggenau, Gelateria Spatuzzi in Bretten und Crema Gelato in Baden-Baden mit der Saisonsorte „Melody“.

Auch Nordrhein-Westfalen mischt kräftig mit

Falstaff veröffentlichte 2026 ebenfalls das Ranking der beliebtesten Eisdielen in Nordrhein-Westfalen. „De Rocco“ in Dinslaken belegte zum zweiten Mal in Folge den ersten Platz. Dahinter folgen die Eismanufaktur Soest, Nino & Sarah in Menden, Goldmarie in Olsberg, das Eislabor in Bonn, Europa Eiscafe in Kevelaer, das Königsborner Eislädchen in Unna, Maximilians in Düsseldorf, Schmelz&Bohne in Köln und La Casa del Gelato in Moers.

Die Eismanufaktur Soest startete im März 2026 in ihre zwölfte Saison. Zur Eröffnung bildeten sich lange Warteschlangen. Im Eislabor in Bonn kommen regionale Erdbeeren für die Sorbets zum Einsatz – ein Detail, das gut zu dem passt, was auch in Biberach und Ulm den Ton angibt: Saisonware, Handarbeit und Sorten, bei denen man kurz innehält, bevor der erste Löffel schmilzt.