Nobelpreise, Buchmesse und die Frage, wie Kinder fürs Lesen begeistert bleiben
Bei Baupreisen denkt man zuerst an Material, Arbeit und die nächste Rechnung. Doch heute lohnt ein Blick über den Tellerrand: In den Kindernachrichten dieser Woche geht es um die diesjährigen Nobelpreise und um die Frankfurter Buchmesse. Die Nobelpreise gelten für viele Menschen als wichtigste Auszeichnungen der Welt. In dieser Woche wurde bekannt gegeben, wer die Nobelpreise in diesem Jahr erhält – auch in Deutschland gab es Anlass zum Feiern.
In Frankfurt am Main hat außerdem die weltweit größte Buchmesse begonnen. Ein zentrales Thema dort ist die Lesekrise bei Kindern und Jugendlichen: Es werden immer weniger Bücher verkauft, zugleich wird untersucht, welche Bücher Kinder gerne lesen. Zwischen Messeständen, Papiergeruch und Stimmengewirr geht es also um eine ziemlich ernste Frage: Wie bleibt Lesen für junge Menschen attraktiv?
Von Pinneberg in die Kindernachrichten
An der Produktion der Kindernachrichten waren Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen der Johannes-Brahms-Schule in Pinneberg beteiligt: Jacob, Lewin, Josephine und Amelie. Clea Schnitzlein vom NDR-Kinder-Audioteam interviewte die Kinder. Caren Busche schrieb und sprach die Kindernachrichten, Janine Albrecht und Tom Heerdegen übernahmen die Redaktion.
Wer lieber hört oder sieht, kann die Sendung auch als Podcast und in Gebärdensprache nutzen. So kommen Nobelpreise und Buchmesse nicht nur über gedruckte Zeilen ins Haus.
Alfred Nobel: Erfinder, Unternehmer, Stifter
Alfred Nobel, nach dem die Preise benannt sind, wurde 1833 als dritter Sohn des schwedischen Ingenieurs und Industriellen Immanuel Nobel und Karolina Andriette Nobel, geborene Ahlsell (1805–1889), geboren. Seine Brüder waren Robert (1829–1896), Ludvig (1831–1888) und Emil Oskar Nobel (1843–1864). Zur Verwandtschaft gehörte außerdem der schwedisch-russische Ölmagnat Emanuel Nobel (1859–1932), Erbauer des ersten Dieselmotorschiffs „Vandal“. Alfred Nobel war zudem Ur-Ur-Urenkel des Universalgelehrten Olof Rudbeck des Älteren.
1841 und 1842 besuchte Alfred Nobel eine Schule in Stockholm. 1842 zog er nach Sankt Petersburg, wo sein Vater mit Unterstützung der norwegischen Regierung Hüttenwerke gegründet hatte und die russische Armee belieferte. Wegen des Wohlstands der Familie erhielt Alfred Privatunterricht. Mit 17 Jahren beherrschte er Schwedisch, Russisch, Deutsch, Englisch und Französisch – nicht schlecht für einen jungen Mann, der sich neben Chemie und Physik auch für englische Literatur interessierte.
Sein Vater hielt ihn für introvertiert und schickte ihn auf Studien- und Bildungsreisen nach Schweden, Deutschland, Frankreich und in die Vereinigten Staaten. 1850 lernte Nobel in Paris Ascanio Sobrero kennen, der 1847 Nitroglycerin entdeckt hatte, es aber wegen seiner Gefährlichkeit für unpraktisch hielt.
1859 kehrte Nobel mit seinem Vater nach Stockholm zurück. Nun konzentrierte er seine Arbeit darauf, Nitroglycerin technisch als Sprengstoff nutzbar zu machen. Zwischen 1860 und 1864 experimentierte er unter anderem im Ruhrgebiet, im heutigen Dortmunder Stadtteil Dorstfeld, mit Sprengstoffen für den Bergbau. 1863 entwickelte er eine Initialzündung, um Nitroglycerin sicherer zur Explosion zu bringen.
Die Risiken blieben gewaltig. Bei mehreren Unfällen wurde 1864 Nobels Laboratorium zerstört; neben seinem Bruder Emil starben vier weitere Menschen. Emil kam am 3. September 1864 bei einer durch Nitroglycerin-Experimente verursachten Explosion auf dem Anwesen Heleneborg in Stockholm ums Leben. Alfred war zu diesem Zeitpunkt nicht im Unternehmen anwesend. Danach untersagten die schwedischen Behörden weitere Nitroglycerin-Experimente in bewohnten Gebieten.
1865 verlegte Nobel sein Labor und seine Fabriken nach Vinterviken am Mälaren westlich von Stockholm. Weitere Anlagen entstanden bei Krümmel in Schleswig-Holstein nahe Hamburg. Noch im selben Jahr gelang ihm die Massenproduktion von Nitroglycerin, die weiterhin von schweren Unfällen begleitet wurde.
Nobel suchte nach Zusatzstoffen, die Nitroglycerin bei gleicher Sprengkraft sicherer machen sollten. 1866 tropfte bei einem Transport reines Nitroglycerin auf Kieselgur, mit der die Ladefläche eines Transportwagens ausgepolstert war. Die breiige Masse führte zur Entwicklung eines handhabungssichereren Sprengstoffs. Nobel bestritt allerdings, dass es sich um eine reine Zufallsentdeckung gehandelt habe.
1867 patentierte er das optimierte Mischungsverhältnis von drei Teilen Nitroglycerin zu einem Teil Kieselgur und nannte das Produkt „Dynamit“. Wegen der hohen Nachfrage, unter anderem während der Zeit des Diamantenfiebers, baute Nobel damit schnell ein großes Vermögen auf. Seine Unternehmen lieferten Nitroglycerin-Produkte nach Europa, Amerika und Australien; schließlich besaß Nobel mehr als 90 Dynamitfabriken weltweit.
1875 entwickelte er die Sprenggelatine. 1887 patentierte er Ballistit, ein rauchschwaches Pulver. Nobel bot es zunächst der französischen Regierung an. Sie lehnte ab, weil sie ein anderes nahezu rauchfreies Pulver entwickeln ließ. Italien kaufte die Erfindung. In Frankreich wurde Nobel anschließend in der Presse mit Spionage in Verbindung gebracht, verhaftet und vom Experimentieren ausgeschlossen.
Dynamit und Sprenggelatine waren entgegen verbreiteten Annahmen nicht für den Kriegseinsatz geeignet. Ballistit revolutionierte jedoch die Schusstechnik von Pistolen bis zu Kanonen. Bereits Nobels Vater hatte als Rüstungsunternehmer durch die Herstellung von Seeminen für das Russische Reich während des Krimkriegs Vermögen erworben.
Der „Kaufmann des Todes“ und die Friedensidee
Nach dem Tod seines Bruders Ludvig 1888 veröffentlichte eine französische Zeitung irrtümlich einen Nachruf auf Alfred Nobel. Die Überschrift lautete: „Der Kaufmann des Todes ist tot“. Der Artikel erklärte Nobels Reichtum damit, dass er ein Mittel gefunden habe, mehr Menschen schneller als zuvor zu töten.
Nobel war über diese Darstellung entsetzt und beschäftigte sich danach intensiv mit seinem späteren öffentlichen Ansehen. Er diskutierte wiederholt über Krieg und Frieden mit Bertha von Suttner. Suttner hatte 1876 auf eine Stelle als Privatsekretärin bei Nobel reagiert, sie aber nach einer Woche wieder aufgegeben. Später wurde sie eine bedeutende Friedensaktivistin.
Nobel und Suttner führten einen umfangreichen Briefwechsel. Nobel unterstützte ihre Ziele, hielt Einfluss auf Regierungen jedoch für erfolgversprechender als die Mobilisierung der öffentlichen Meinung. Der Briefwechsel trug zur Stiftung des Friedensnobelpreises bei. Bertha von Suttner erhielt ihn 1905.
1894 kaufte Nobel den schwedischen Rüstungsbetrieb Bofors. Mit Waffenproduktion verband er die Hoffnung, dass eine ausreichende militärische Abschreckung Staaten künftig vom Krieg abhalten könne. Der Gedanke war widersprüchlich, aber Nobel lebte mit solchen Spannungen: Sprengstoffunternehmer und späterer Preisstifter für Friedensbemühungen.
Testament, Preise und ein kompliziertes Erbe
1876 lernte der damals 43-jährige Nobel in Baden bei Wien die 26-jährige Sofie Hess kennen, die in einem Blumengeschäft arbeitete. Nobel heiratete nicht. Hess blieb 15 Jahre seine Geliebte; auch nach ihrer Schwangerschaft durch einen anderen Mann unterstützte Nobel sie finanziell und berücksichtigte sie in seinem Testament.
Nobel und Hess schrieben mehrere hundert Briefe. Darin äußerte Nobel unter anderem chauvinistische, rassistische und antisemitische Ansichten. Nach Nobels Tod 1896 kaufte die Nobel-Stiftung die Briefe von Hess für 12.000 Florinen, damit sie nicht veröffentlicht wurden. Hess verpflichtete sich im Gegenzug, nichts über die Beziehung zu publizieren. Das Schwedische Nationalarchiv gewährte Forschern ab 1976 Zugang zu den Briefen; die vollständige Korrespondenz wurde 2017 veröffentlicht.
1891 zog Nobel nach Sanremo, kaufte dort eine 1870 erbaute Villa und verbrachte dort den Rest seines Lebens. Am 10. Dezember 1896 starb Alfred Nobel im Alter von 63 Jahren in Sanremo an einer Hirnblutung. Er blieb kinderlos und hinterließ ein Vermögen von etwa 31,2 Millionen Kronen.
Am 27. November 1895 verfasste Nobel in Anwesenheit einiger Freunde, aber ohne Anwalt, sein Testament. Rund 94 Prozent seines Vermögens bestimmte er für eine Stiftung. Aus den Zinserträ
