Wer derzeit an der Tankstelle steht, schaut nicht selten zweimal auf die Anzeige. Der im Februar 2026 ausgebrochene Iran-Krieg ließ die Ölpreise und damit auch Benzin und Diesel mehrfach kräftig steigen. Preise von deutlich über zwei Euro je Liter wurden zur Regel. Der Tankstellen-Interessenverband hält künftig sogar etwa drei Euro pro Liter für möglich.

Am 16. September 2026 erreichten die Kraftstoffpreise laut ADAC neue Höchststände: Super E10 kostete im Durchschnitt 2,314 Euro pro Liter, Diesel sogar 2,453 Euro. Mitte September lag ein Barrel Brent-Rohöl laut Reuters bei rund 100 US-Dollar – zuletzt war dieser Preis im Mai 2026 erreicht worden. Für Pendler, Handwerksbetriebe und Unternehmen im Baugewerbe ist das keine Kleinigkeit: Jeder gefahrene Kilometer schlägt unmittelbar auf die laufenden Kosten durch.

Was im Spritpreis steckt

Der Preis an der Zapfsäule besteht im Wesentlichen aus drei Bereichen. Erstens gibt es Steuern und Abgaben: Mehrwertsteuer, Energiesteuer und CO₂-Abgabe. Zweitens fallen Beschaffungskosten an, die vom Rohölpreis, vom Dollarkurs sowie von Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt beeinflusst werden. Drittens kommen die sogenannten Deckungskosten hinzu. Darin stecken unter anderem Transport, Tankstellenpacht, Vermarktung, Verwaltung und der Gewinn von Mineralölkonzernen und Tankstellenbetreibern.

Laut BR24 entfällt etwa die Hälfte des Spritpreises auf Steuern und Abgaben. Die Mehrwertsteuer beträgt 19 Prozent. Den größten Anteil unter den staatlichen Abgaben hat die Energiesteuer: Bei Benzin beziehungsweise Super E10 sind es 65,45 Cent pro Liter, bei Diesel 47,04 Cent.

Auch der CO₂-Preis wirkt direkt an der Zapfsäule. Er lag 2026 laut ADAC zwischen 55 und 65 Euro je Tonne. Dadurch verteuerte sich Benzin um etwa 15,7 bis 18,6 Cent pro Liter, Diesel um etwa 17,3 bis 20,5 Cent. Im Juli 2026 betrug der gesamte Steuer- und Abgabenanteil durchschnittlich rund 57 Prozent bei Benzin und rund 47 Prozent bei Diesel. 2025 waren es noch rund 64 Prozent bei Benzin und 56 Prozent bei Diesel.

Kraftstoff Energiesteuer je Liter CO₂-bedingte Verteuerung 2026
Benzin beziehungsweise Super E10 65,45 Cent etwa 15,7 bis 18,6 Cent
Diesel 47,04 Cent etwa 17,3 bis 20,5 Cent

Warum sinkende Ölpreise nicht sofort helfen

Auf dem Papier klingt es simpel: Sinkt der Rohölpreis, müsste auch das Tanken günstiger werden. In der Praxis kommt die Bewegung meist mit Verzögerung an. Laut ADAC-Experte Christian Laberer werden steigende Ölpreise schnell weitergegeben, während sinkende Preise langsamer bei den Autofahrern ankommen.

ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann nennt das den „Rakete-und-Feder“-Mechanismus: Die Preise steigen schnell wie eine Rakete und sinken langsam wie eine Feder. Wer das schon einmal an einer Tankstelle beobachtet hat, kennt dieses leicht frustrierende Gefühl – rauf geht’s flott, runter eher gemütlich.

In Ländern wie Polen oder Luxemburg ist Tanken teilweise günstiger. Eine Mehrwertsteuer von 17 Prozent, staatlich festgelegte Höchstpreise und eine niedrigere Energiesteuer können dort den Unterschied machen. Für Autofahrer in Grenzregionen lohnt sich der Vergleich deshalb manchmal trotz zusätzlicher Strecke.

Tankrabatt, neue Entlastung und offene Fragen

Um Bürger und Unternehmen zu entlasten, senkte die Bundesregierung im Mai und Juni 2026 die Energiesteuer um etwa 17 Cent pro Liter. Der sogenannte Tankrabatt wurde zunächst nicht verlängert. Danach stiegen die Kraftstoffpreise weiter – bis zu den Rekordwerten im September.

Der ADAC erklärte, Ölpreis und Euro-Dollar-Wechselkurs könnten das Preisniveau nur teilweise erklären. Gerade bei Raffinerien und im Großhandel bestehe weiterer Klärungsbedarf. Der Automobilclub forderte deshalb mehr Transparenz bei der Preisbildung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Die Bundesregierung erklärte dagegen, die Preisgestaltung liege vollständig bei Mineralölkonzernen und Tankstellenbetreibern und hänge von zahlreichen Faktoren ab. Das Bundeskartellamt beobachtete die Entwicklung nach eigenen Angaben genau. Unternehmen dürften die Situation nicht für sachlich ungerechtfertigte Preiserhöhungen nutzen.

Am 18. September 2026 beschlossen Bund und Länder eine weitere Energiesteuersenkung für Benzin und Diesel. Bundestag und Bundesrat stimmten am 25. September 2026 der Umsetzung zum 1. Oktober 2026 zu. Das Entlastungspaket sollte Kraftstoffe bis Jahresende um etwa 17 Cent pro Liter verbilligen.

Darüber hinaus plante die Bundesregierung Gespräche mit der Mineralölwirtschaft über einen vorübergehenden Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs oder Belgiens, möglichst ab 1. Januar 2027. Ob und wie so ein Modell umgesetzt wird, bleibt für Autofahrer ebenso interessant wie für Betriebe, deren Fahrzeuge täglich unterwegs sind.

Ein paar Cent lassen sich trotzdem sparen

Wer nicht auf politische Entscheidungen warten will, kann laut ADAC den Tankzeitpunkt im Blick behalten und kurz vor 12 Uhr tanken. Außerdem lohnt es sich, die Preise verschiedener Tankstellen zu vergleichen. Die Unterschiede können normalerweise bis zu sieben Cent pro Liter betragen.

Bei einem kleinen Pkw-Tank wirkt das zunächst überschaubar. Für Transporter, Baustellenfahrzeuge oder einen Fuhrpark summiert sich die Differenz allerdings schnell. Dann wird aus dem kurzen Blick auf die Preistafel eine richtige Rechenaufgabe – und manchmal entscheidet tatsächlich der Umweg von ein paar Minuten darüber, ob der Tankstopp halbwegs erträglich ausfällt.

Quelle: ka-news.de