Russischer Diesel für die USA: Warum Trumps Milliarden-Deal Baustellen kaum entlastet
Heute, am 12.10.2026, sorgt ein Vorschlag aus Washington für Unruhe an den Energiemärkten: US-Präsident Donald Trump will die Sanktionen gegen Russland teilweise lockern und russische Diesellieferungen wieder erlauben. Sein Versprechen klingt groß: Die Dieselpreise in den USA und weltweit würden dadurch schnell und auf Rekordniveau sinken.
Hinter dem Vorstoß steckt vor allem innenpolitischer Druck. Vor den US-Zwischenwahlen sind die hohen Spritpreise für Trump ein Problem. Experten vermuten deshalb, dass er mit dem Deal seine Position bei den Wählern stärken will. Klemens Fischer sieht darin hauptsächlich Symbolpolitik: Trump wolle zeigen, dass er etwas für die Steuerzahler unternehme. Die Vereinbarung sei vor allem ein Signal an seine Wählerschaft.
Streit um ein mögliches Rechtsproblem
Sieben US-Senatoren – drei Demokraten und vier Republikaner – halten die Vereinbarung für rechtswidrig. Der Kongress habe russische Energieimporte 2022 ausdrücklich verboten. Damit sollte verhindert werden, dass US-Geld Russlands Krieg gegen die Ukraine finanziert. Auch die Ukraine kritisiert die Lockerung der US-Sanktionen gegen russischen Diesel.
Außenpolitikexperten bewerten den Schritt als Trumps eigene politische Linie und als Signal, wirtschaftliche Interessen über Sanktionen zu stellen. Russland könnte nach ihrer Einschätzung besonders von der Vereinbarung profitieren. Der Vorschlag lautet, Handelsbeschränkungen zu lockern, um die Preise zu drücken.
Nach den angekündigten Plänen sollen sofort mehr als 300.000 Tonnen russischer Diesel für die USA und den Weltmarkt bereitstehen. Im November sollen weitere 500.000 Tonnen folgen, danach eine Million Tonnen. Später könnten bis zu drei Millionen weitere Tonnen hinzukommen – sofern Russlands Raffinerien dies ermöglichen. Zusammen wären das 4,8 Millionen Tonnen.
Viel Treibstoff auf dem Papier, wenig Zeit an der Zapfsäule
Die Größenordnung wirkt zunächst gewaltig. Die USA verbrauchten 2025 laut US-Energieinformationsbehörde EIA im Transportsektor täglich 2,94 Millionen Barrel Diesel, insgesamt waren es 3,9 Millionen Barrel. Die erste Tranche von 300.000 Tonnen entspricht ungefähr 2,2 Millionen Barrel und würde den US-Verbrauch nur etwa 14 Stunden lang decken.
Auch die bis Ende November angekündigten 800.000 Tonnen reichen rechnerisch bloß für ungefähr eineinhalb Tage. Die gesamte angekündigte Menge von 4,8 Millionen Tonnen entspricht rund 36 Millionen Barrel – damit ließe sich der US-Bedarf ungefähr neun Tage lang decken. Das ist nicht nichts, aber eben auch kein Zaubertrick für einen angespannten Markt.
Ob das weltweite Dieselangebot tatsächlich wächst, ist zudem offen. Russischer Diesel war teilweise bereits über Drittstaaten auf dem Weltmarkt erhältlich. Unklar bleibt daher, wie viel zusätzliches Angebot durch die gelockerten Exportbeschränkungen wirklich entsteht.
Raffinerien, Hormus und Rotes Meer
Mehrere Preistreiber bleiben ohnehin bestehen. Laut Dallas Fed waren zeitweise bis zu zehn Prozent der weltweiten Raffineriekapazitäten wegen Transportproblemen und geopolitischer Spannungen außer Betrieb. Dazu zählen die Schließung der Straße von Hormus, Angriffe der Huthi auf Schiffe im Roten Meer, beschädigte Raffinerien im Nahen Osten und in Russland sowie Exportbeschränkungen, unter anderem durch China.
Trumps Vereinbarung ändert an diesen Problemen nichts. Michael Lynch von der Energy Policy Research Foundation vermutet, russischer Diesel werde wahrscheinlich lediglich zu bisherigen Abnehmern umgeleitet. Diese müssten sich dann anderweitig versorgen – die Preise blieben im Wesentlichen auf dem bisherigen Niveau.
Daniel Sternoff vom Columbia Center on Global Energy Policy erwartet höchstens eine leichte Entspannung, aber keine erhebliche Preissenkung. Ölanalyst Rory Johnston hält die angekündigte Menge für unbedeutend: Russland exportiere normalerweise fast zehnmal so viel, wenn seine Raffinerien nicht angegriffen würden. Jim Mitchell von Wood Mackenzie sieht darin keine Lösung, sondern nur eine zusätzliche Bezugsquelle für einen bereits angespannten Markt.
Ein Deal zwischen zwei Konflikten
Russland verfügt über große Rohstoffvorkommen. Wegen der westlichen Sanktionen seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine erreichen viele davon westliche Märkte jedoch kaum noch. Gleichzeitig hat der von Trump gegen Iran geführte Krieg in diesem Jahr zusätzlichen Druck auf die Energiepreise ausgeübt. Beide Konflikte belasten die globalen Märkte.
Da Trump am Konflikt mit Iran derzeit nichts ändern kann, will er nun die Russland-Sanktionen lockern. Bis zum 7. April des kommenden Jahres sollen US-Sanktionen gegen russische Dieselprodukte weitgehend ausgesetzt werden. Die entscheidende Frage bleibt trotzdem offen: Senkt eine solche Vereinbarung die weltweiten Preise tatsächlich – oder wird der Diesel nur auf anderen Wegen verteilt?
Für die Bauwirtschaft und andere dieselabhängige Branchen ist das keine Nebensache. Bagger, Lastwagen, Stromaggregate und Lieferketten hängen am Treibstoffpreis. An der Tankstelle kann schon eine kleine Bewegung spürbar werden; auf einer Baustelle summiert sie sich schnell. Und während in Washington über Rekordsenkungen gesprochen wird, bleibt am Weltmarkt vorerst vieles beim Alten.
