Heute, am 1. Oktober 2026, wird der Weg zur Baustelle für viele Handwerker und Pendler spürbar teurer. Der Ölpreis hat die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel überschritten. Seit Beginn des Irankriegs Ende Februar sind die Ölpreise deutlich gestiegen – und an deutschen Tankstellen ist das längst angekommen.

Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) warnt davor, dass Benzin und Diesel in Deutschland bald mehr als 2,50 Euro pro Liter kosten könnten. TIV-Sprecher Herbert Rabl befürchtet, dass Mineralölkonzerne die gestiegenen Rohölpreise vollständig und unmittelbar an die Verbraucher weitergeben. Seine Vermutung: Die Konzerne testen zugleich den deutschen Markt und wollen herausfinden, wie hohe Preise noch akzeptiert werden. Für Autofahrer fühlt sich das beim Blick auf die Anzeigetafel ziemlich bitter an.

Tankstellenpächter stehen zwischen den Fronten

Von den hohen Kraftstoffpreisen profitieren Tankstellenpächter laut TIV kaum. Pro verkauftem Liter erhalten sie lediglich etwa 1 bis 2 Cent Provision. An den Gewinnen der Mineralölkonzerne sind sie nicht beteiligt, den Ärger der Autofahrer bekommen sie trotzdem ab.

Auch das Geschäft im Tankstellenshop leidet. Rund 60 Prozent der Einnahmen entfallen laut TIV auf diesen Bereich. Wenn Kunden wegen der Preise schlecht gelaunt sind oder seltener anhalten, sinkt dort der Umsatz. Der Kaffee läuft weiter durch die Maschine, die Regale stehen voll – aber die Stimmung bleibt angespannt.

Nach Angaben des Verbands sind die Kraftstoffpreise in der vergangenen Woche in Deutschland stärker gestiegen als in jedem anderen europäischen Land. Als möglichen Grund nennt der TIV das politische Klima in Deutschland. Die Mineralölkonzerne gingen offenbar davon aus, dass sie von Bundesministerin Reiche keine Konsequenzen zu erwarten hätten.

Österreich als Vorbild – und der Blick auf die Steuer

Der TIV fordert deshalb eine Regelung nach österreichischem Vorbild. Dort dürfen Mineralölkonzerne die Preise nur einmal täglich erhöhen. Danach sind nur noch Preissenkungen erlaubt. Der Verband erwartet, dass dadurch spontane und starke Preiserhöhungen seltener werden.

In Österreich kostet der Kraftstoff aktuell etwa 1,70 Euro pro Liter. Ein wesentlicher Unterschied liegt bei der Energiesteuer: In Deutschland beträgt sie laut ADAC 65,45 Cent pro Liter Benzin, in Österreich laut Wirtschaftskammer Österreich 48,2 Cent. Dazu kommt in Deutschland eine CO₂-Abgabe von inzwischen 55 bis 65 Euro pro Tonne, die an die Verbraucher weitergegeben wird. Deshalb tanken zunehmend deutsche Autofahrer in Nachbarländern.

Ob die Bundesregierung den Vorschlag des TIV übernimmt, ist offen. Die weitere Entwicklung des Kriegs im Iran kann die Preise an deutschen Tankstellen zusätzlich beeinflussen. Und auch regional können die Kraftstoffpreise unterschiedlich ausfallen: Die Energiesteuer ist nur ein Bestandteil des Endpreises. Mineralölkonzerne und Tankstellenbetreiber bestimmen ihn weiterhin mit, ebenso wie Rohölpreise und Transportkosten.

Neue Entlastung ab Oktober

Wegen der Auswirkungen des Iran-Nahost-Konflikts auf die Kraftstoffpreise hat die Bundesregierung eine erneute Senkung der Energiesteuer beschlossen. Der Steuerrabatt gilt vom 1. Oktober bis Ende Dezember 2026 und soll rund 17 Cent pro Liter Kraftstoff Entlastung bringen. Die Energiesteuer wird um 14 Cent pro Liter gesenkt; einschließlich der Umsatzsteuerersparnis ergibt sich die Entlastung von rund 17 Cent. Verbraucher und Unternehmen sollen dadurch insgesamt um etwa 2,5 Milliarden Euro entlastet werden.

Bund und Länder sowie die Koalitionsfraktionen im Bundestag stimmen die Maßnahme ab. Bereits am 12. April 2026 hatte die Koalition einen Tankrabatt für Mai und Juni 2026 beschlossen. Dafür waren 1,6 Milliarden Euro eingeplant. Die Monopolkommission und das Bundeskartellamt bewerteten diese Steuersenkung als weitgehend bei den Verbrauchern angekommen. Der Rabatt habe in einer Phase besonders hoher Kraftstoffpreise Preisspitzen abgefedert.

Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, die Maßnahme solle Menschen entlasten, die täglich auf das Auto angewiesen sind. Für viele Beschäftigte im Baugewerbe gilt das unmittelbar: Material, Werkzeug und Mannschaft fahren nicht einfach von selbst zur Baustelle.

Zusätzlich will der Bund mit der Mineralölwirtschaft über einen vorübergehenden Spritpreisdeckel sprechen. Er soll spätestens zum 1. Januar 2027 nach Vorbildern aus Luxemburg oder Belgien eingeführt werden. Die Versorgungssicherheit soll dabei Vorrang haben. Die Bundesregierung unterstützt außerdem EU-Gespräche über mögliche Maßnahmen gegenüber der Mineralölwirtschaft nach dem Vorbild des EU-Energiekrisenbeitrags von 2022.

Die 12-Uhr-Regel und viel Kontrolle

Das Kartellrecht wurde 2026 verschärft. Seit dem 1. April 2026 gilt die sogenannte 12-Uhr-Regel: Tankstellen dürfen ihre Preise nur einmal täglich erhöhen, und zwar um 12 Uhr. Preissenkungen bleiben jederzeit möglich. Zuvor wurden Preise durchschnittlich bis zu 22-mal täglich geändert. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 100.000 Euro. Nach einem Jahr soll die Bundesregierung die praktische Wirksamkeit der Regel prüfen.

Überwacht werden die Daten von der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt. Sie beobachtet die Preise von rund 15.000 Tankstellen. Preisänderungen müssen innerhalb von fünf Minuten übermittelt werden. Die Angaben gibt die Stelle unter anderem an zugelassene Preis-Apps und Serviceportale weiter. Außerdem wertet sie Verstöße gegen die 12-Uhr-Regel aus und meldet sie an die zuständigen Landesbehörden.

Am 4. August berichtete das Bundeskartellamt, dass die Zahl der Abweichungen von der 12-Uhr-Regel weiterhin hoch sei. Landesbehörden zur Durchsetzung der Regel sind dem Bundeskartellamt aus Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, dem Saarland, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen bekannt. Mit den übrigen Ländern steht das Amt in Kontakt.

Das Bundeskartellamt hat Verfahren gegen alle Raffineriebetreiber in Deutschland eingeleitet. Bei Verdacht auf missbräuchlich überhöhte Kraftstoffpreise müssen Unternehmen die Erhöhungen rechtfertigen. Die verschärfte Missbrauchsaufsicht soll insbesondere überhöhte Preise gegenüber freien Tankstellen verhindern. Außerdem soll das Bundeskartellamt strukturelle Wettbewerbsstörungen leichter feststellen und schneller beheben können.

Verschärfte Kontrollen können Preisdämpfungen ermöglichen, führen aber nicht unmittelbar zu niedrigeren Preisen. Mit der 12. Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen sind weitere Änderungen geplant. Künftig sollen auch Preiserhöhungen bei Super Plus gemeldet werden. Raffinerien und Kraftstoffgroßhandel sollen zusätzliche Daten an die Markttransparenzstelle übermitteln. So sollen überhöhte Preise effektiver ermittelt und sanktioniert werden. Zugleich soll sich besser prüfen lassen, ob sinkende Rohstoffpreise zeitnah an Verbraucher weitergegeben werden.

Was 2027 noch kommen soll

Für Anfang 2027 sind zusätzliche zielgerichtete Entlastungen für besonders betroffene Menschen und Unternehmen angekündigt. Der Bund schafft die Voraussetzungen für einen einkommensbezogenen Direktauszahlungsmechanismus. Die Koalition plant außerdem zum 1. Januar 2027 eine Einkommensteuerreform zur dauerhaften Entlastung kleinerer und mittlerer Einkommen.

Die vorliegende Frontier-Kurzstudie zu Tankstellenpreisen im europäischen Vergleich vom 16. Juni 2026 liefert an dieser Stelle keinen lesbaren Nachrichtenartikeltext: Der übermittelte Inhalt besteht aus binären PDF-Daten einschließlich komprimierter Streams und eingebetteter JPEG-Bilddaten. Mehr lässt sich daraus seriös nicht herauslesen.