Wer heute, am 1. Oktober 2026, an die Zapfsäule fährt, erlebt vielerorts einen ungewohnt schnellen Preisrutsch. Um Mitternacht trat der zweite Tankrabatt dieses Jahres in Kraft. Kurz danach sanken die Preise an zahlreichen Tankstellen sichtbar.

Nach Angaben des Spritpreisportals Tankerkönig fielen die deutschlandweiten Durchschnittspreise zwischen 23:41 Uhr und 0:41 Uhr um etwa 10 bis 11 Cent je Liter. Auch am frühen Donnerstagmorgen lag der Unterschied zum Mittwoch noch ungefähr in dieser Größenordnung. Das ADAC-Portal meldete zudem, dass Super E10 vielerorts für weniger als zwei Euro je Liter angeboten wurde.

In München günstiger als in Köln

Wie stark der Rabatt ankommt, hängt allerdings vom Ort und vom Betreiber ab. In München, Stuttgart und Leipzig gab es sehr viele Tankstellen unter zwei Euro für E10, in Berlin zahlreiche. In Hamburg waren es nur wenige. In Köln fand sich am Morgen keine Tankstelle unter zwei Euro. Der bundesweite Durchschnittspreis bei Tankerkönig lag am Donnerstag weiterhin über der Zwei-Euro-Marke.

Bundestag und Bundesrat hatten den Tankrabatt am 25. September 2026 beschlossen. Der Bundestag stimmte namentlich mit 434 zu 128 Stimmen zu, der Bundesrat ebenfalls am selben Tag. Vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2026 sinkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent je Liter. Einschließlich Umsatzsteuer ergibt das rechnerisch 16,71 Cent, meist auf rund 17 Cent gerundet.

Für den Bund und die Länder bedeutet das erwartete Steuermindereinnahmen von 2,5 Milliarden Euro. Beide Seiten tragen jeweils 1,25 Milliarden Euro. Anfang 2027 will die Regierung außerdem weitere Entlastungen für Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen sowie für energieintensive Unternehmen ankündigen.

Was an der Zapfsäule tatsächlich ankommt

Um 7:05 Uhr am 1. Oktober lagen die bundesweiten Durchschnittspreise gegenüber dem Vorabend bei Super E10 um 14,7 Cent und bei Diesel um 14,6 Cent niedriger. Der rechnerische Rabatt betrug zu diesem Zeitpunkt 16,7 Cent. Zum Vergleich: In einer normalen Nacht ohne Steuersenkung bewegten sich die Preise im entsprechenden Zeitraum nur um 0,1 Cent bei E10 und 1,5 Cent bei Diesel.

Ganz sauber ist dieser frühe Vergleich trotzdem nicht. Die Morgenauswertung erfasste nur Tankstellen, die seit Mitternacht neue Preise gemeldet hatten. In 21 Großstädten waren das durchschnittlich 79 Prozent der Stationen. Die Preise für den ersten vollständigen Tag sollen am 2. Oktober ausgewertet werden; weitere Auswertungen sind für den 8. und 15. Oktober vorgesehen.

Gesetzlich verpflichtet, den gesamten Steuernachlass weiterzugeben, sind Tankstellen nicht. Die Anbieter legen ihre Preise selbst fest. Der ADAC erwartet deshalb ein schrittweises Sinken und fordert, dass die vollständige Steuersenkung in den ersten Oktobertagen bei den Verbrauchern ankommt. Aral kündigte an, die Senkung vollständig weiterzugeben.

Der Automobilclub verlangt außerdem die Abschaffung der sogenannten 12-Uhr-Regel. Danach dürfen Tankstellen ihre Preise nur einmal täglich mittags erhöhen. Nach Ansicht des ADAC hat die Regel ihr Ziel, Verbraucher zu schützen, verfehlt und die täglichen Preisschwankungen sogar vergrößert. Laut ADAC steigen die Preise ab etwa 12 Uhr im Durchschnitt um 14,6 Cent bei E10 und 18,4 Cent bei Diesel.

Ein Rabatt mit Vorgeschichte

Der September 2026 war laut dem Artikel der bislang teuerste Tankmonat in Deutschland. Die hohen Kraftstoffpreise schlugen auch auf die offizielle Inflationsrate durch. Seit Beginn des Irankriegs Ende Februar 2026 waren die Preise stark gestiegen. Bereits im Frühjahr hatte es einen auf zwei Monate befristeten Tankrabatt gegeben.

Beim Tankrabatt im Mai sanken die Preise am ersten Abend um 12,8 Cent bei E10 und 12,7 Cent bei Diesel. In den vier Tagen davor waren sie allerdings um 2,5 bis 3,2 Cent gestiegen, weshalb der Vergleich mit dem Vorabend die Weitergabe leicht überzeichnete. Bis zum 14. Tag fiel Diesel im Mai insgesamt um 21,5 Cent – neben dem Rabatt wirkten auch Marktfaktoren wie der Ölpreis mit.

Laut Handelsblatt kam der Rabatt bei Superbenzin nahezu vollständig an, bei Diesel waren es etwa 12 von 16,7 Cent. Das ifo-Institut bezifferte die Weitergabe auf 82 bis 94 Prozent; für 2022 wurden 85 bis 100 Prozent genannt. Clemens Fuest vom ifo-Institut bezeichnete den Tankrabatt dennoch als Fehler. Ralf Dewenter von der Helmut-Schmidt-Universität hält die Entlastung für zu gering und zu kurzfristig. Die FDP lehnt den Rabatt ab und fordert umfassendere Steuersenkungen. Der Deutsche Bauernbund bewertet 17 Cent als positiv, aber nicht ausreichend.

Bei vollständiger Weitergabe ergibt sich für eine Tankfüllung folgende rechnerische Ersparnis:

Tankmenge Ersparnis
30 Liter 5,01 Euro
50 Liter 8,36 Euro
60 Liter 10,03 Euro

Wer monatlich 60 Liter tankt, könnte also rund 10 Euro im Monat oder etwa 30 Euro während der dreimonatigen Laufzeit sparen. Bei höherem Verbrauch wächst der Betrag entsprechend. Gültig ist der Rabatt für jede Tankfüllung zwischen dem 1. Oktober und dem 31. Dezember 2026.

Ein Umweg oder eine zusätzliche Fahrt zur billigeren Tankstelle lohnt sich laut Artikel meist nicht, weil Unterschiede zwischen Tankstellen und Tageszeiten größer sein können. Preisvergleiche bleiben entscheidend. Kurz vor 12 Uhr zu tanken, Preise zu vergleichen und vorausschauend zu fahren, hilft unabhängig vom Rabatt.

Für Pendler eine Atempause, keine Dauerlösung

Marcel Effenberg fährt täglich 120 bis 140 Kilometer zur Arbeit und gibt monatlich etwa 250 bis 300 Euro für Kraftstoff aus. Er rechnet mit einer monatlichen Entlastung, sagt aber zugleich, dass der Rabatt keine dauerhafte Lösung sei. Effenberg fordert Maßnahmen, die unabhängiger von fossilen Energieträgern machen.

Ähnlich vorsichtig reagieren andere Autofahrer. Ines Herzog hofft auf eine spürbare Entlastung, bezweifelt aber, dass die Preise dauerhaft niedrig bleiben. Frank Petich hält den Rabatt grundsätzlich für richtig, kritisiert jedoch den späten Zeitpunkt: Bei Preisen von bis zu 2,20 Euro je Liter hätte er stärker geholfen. Rene Borchert rechnet nüchtern vor, dass ein Preis von 2,24 Euro abzüglich 17 Cent weiterhin über zwei Euro je Liter läge.

Der Ökonom Henning Vöpel hält es für ungewiss, ob die Steuersenkung vollständig bei den Kunden ankommt. Mineralölkonzerne könnten einen Teil als zusätzlichen Gewinn verbuchen. Auch Fachleute warnen vor dem geplanten, zeitlich begrenzten und krisenbedingten Spritpreisdeckel, über den die Regierung mit der Mineralölwirtschaft sprechen will. Er soll spätestens am 1. Januar 2027 gelten; Vorbilder sind Luxemburg und Belgien, die konkrete Berechnung ist noch offen. Ein staatlicher Höchstpreis könnte Verkauf und Import unrentabel machen und dadurch Versorgungsprobleme auslösen.

Die Bundesregierung hatte den Tankrabatt als Reaktion auf die hohen Spritpreise beschlossen. Direktzahlungen und allgemeine Steuererleichterungen lehnte sie ab, weil der Rabatt schneller bei Autofahrern ankomme. DIW-Präsident Marcel Fratzscher hält dagegen eine Energiepreispauschale für wirksamer: Bedürftige könnten das Geld flexibel für Kraftstoff oder Lebensmittel verwenden. Die Mehrheit der Befragten begrüßt die Entlastung, sieht sie aber überwiegend als kurzfristige Atempause und nicht als Antwort auf die strukturellen Energieprobleme.

Diesel bleibt Kostenfaktor für Transporte

Besonders die Logistikbranche spürt jede Bewegung an der Zapfsäule. Bei der UNITAX Pharmalogistik GmbH in Großbeeren gehören Diesel und Kühltechnik zu den wichtigsten Kostenfaktoren. Geschäftsführer Bernd Schmider bezeichnet den Dieselpreis als einen der größten Kostentreiber: Steigende Dieselpreise erhöhen die Transportkosten.

Kurzfristig erwartet Schmider durch den Rabatt Entlastung, als dauerhafte Lösung sieht er ihn nicht. Eine stärkere Förderung von Zukunftstechnologien hält er für sinnvoller