Seit Mitternacht gilt ein neuer Tankrabatt: Pro Liter fallen knapp 17 Cent Steuern weniger an. Die Bundesregierung will Autofahrer damit um rund 17 Cent je Liter einschließlich Mehrwertsteuer entlasten. Ob die Mineralölunternehmen den Rabatt vollständig weitergeben, ist allerdings unklar. Ebenso offen bleibt, ob dadurch der Tankbetrug zurückgeht.

Für viele Betreiber kommt die Entlastung keinen Tag zu früh. Wegen der zuletzt hohen Spritpreise fahren manche Menschen offenbar von der Tankstelle weg, ohne ihre Tankfüllung zu bezahlen. Der Tankstelleninteressenverband TIV, der etwa 1.250 Tankstellen und damit rund zehn Prozent der deutschen Tankstellen vertritt, beobachtet einen Zusammenhang zwischen teurem Kraftstoff und Diebstahl. Ab etwa 2,40 Euro pro Liter sinke bei einigen die Hemmschwelle, einfach loszufahren.

Wenn der Preis die Nerven blanklegt

Herbert Rabl vom TIV berichtet, die meisten dieser Fahrer kämen innerhalb von 30 bis 60 Minuten zurück. Ein kleinerer Teil gehe gezielt kriminell vor – mit verhülltem Gesicht sowie verdeckten oder falschen Kennzeichen. Betreiber und Pächter beobachten auch bei dieser Gruppe einen leichten Anstieg. Besonders junge und ältere Menschen seien laut Verband häufiger dazu bereit, ohne zu bezahlen.

Westfalen bestätigte einen leichten Anstieg in den vergangenen zwei bis drei Wochen. Ein Tankstellenleiter in Kiel hält das Risiko vor allem nachts für hoch, weil sich Autofahrer in der Dunkelheit unbeobachtet fühlen könnten. Seine Tankstelle sperrt deshalb zwischen 20 und 5 Uhr einzelne Zapfsäulen. Getankt wird dann vor dem Verkaufsraum oder dort, wo die Überwachungskameras hinschauen.

Hans-Joachim Rühlemann vom Zentralverband des Garagen- und Tankstellengewerbes Nord-Ost, der rund 2.000 Tankstellen vertritt, bestätigt die Beobachtungen. Kassierer können das Tankfeld häufig nicht vollständig einsehen. Ob ein Fahrzeug überhaupt ein Kennzeichen trägt, ist von der Kasse aus also nicht immer zu erkennen. Täter nutzen laut Rühlemann auch Stoßzeiten aus. Manche entfernen ihr Kennzeichen, tanken und verwenden das Geld anschließend für andere Ausgaben.

Mehr Diebstähle in Sachsen-Anhalt

Das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt warnt vor einem Anstieg der Kraftstoffdiebstähle. Hintergrund sind Rekordpreise für Benzin und Diesel. Seit März nehmen die Fälle von gestohlenem Kraftstoff in Sachsen-Anhalt deutlich zu. Auch beim Tankbetrug zeichnet sich ein Anstieg ab, der an die Entwicklung zu Beginn des Ukrainekriegs erinnert.

Seit dem Ausbruch des Nahostkriegs werden Benzin und Diesel in Sachsen-Anhalt laut Bericht häufiger gestohlen. Das LKA sieht in den aktuellen Zahlen Hinweise auf eine ähnliche Entwicklung wie 2022. Zuletzt waren die Spritpreise infolge der Eskalation im Nahen Osten auf neue Höchststände gestiegen.

Verlässliche aktuelle Zahlen liegen noch nicht vor. Die Polizeiliche Kriminalstatistik liefert solche Angaben einmal jährlich. Laut ihr gingen die Fälle von Tankbetrug im vergangenen Jahr um 23,5 Prozent zurück. Rühlemann schätzt, dass sich die Tankbetrugsfälle in den vergangenen Jahren ähnlich wie die Spritpreise entwickelten: 2025 waren die Spritpreise das dritte Jahr in Folge rückläufig.

In Sachsen gingen die Tankbetrugsfälle deutlich zurück, auch in Sachsen-Anhalt sanken die Fallzahlen. Halle bildet dort allerdings eine Ausnahme: In der Stadt stiegen die Fälle deutlich. Für Thüringen lagen Rühlemann keine Zahlen für 2025 vor. In Erfurt wurde in diesem Jahr kein signifikanter Anstieg der Tankbetrugsfälle festgestellt.

Kameras helfen – aber nicht immer sofort

Fast die Hälfte der Tankbetrugsfälle wird inzwischen aufgeklärt, deutlich mehr als früher. Eine gute Videoüberwachung ist dabei besonders wichtig. Tankstellen sollen mit guter Beleuchtung, flächendeckenden Kameras und gegebenenfalls dem Sperren schlecht einsehbarer Zapfsäulen vorbeugen. Die Polizei bestätigt, dass hochwertige Aufnahmen die Ermittlungen unterstützen.

Wird sie schnell informiert und erhält Angaben zu Person und Kennzeichen, kann sie unmittelbar ermitteln. Über das Kennzeichen lässt sich der Fahrzeughalter feststellen. Im ersten Gespräch lässt sich häufig klären, ob ein Versehen oder vorsätzliches Handeln dahintersteckt.

In jedem Fall wird zunächst ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Hat jemand lediglich vergessen zu bezahlen und gibt es keine Hinweise auf Betrugsabsicht, stellt die Staatsanwaltschaft das Verfahren in der Regel ein. Bei bewusstem Tankbetrug ist die Täterermittlung schwieriger, vor allem bei falschen Kennzeichen.

Der neue Rabatt soll nun den Druck an der Zapfsäule etwas herausnehmen. Ob das reicht, zeigt sich erst im Alltag: an der Kasse, im Kamerabild und daran, ob ein Wagen nach dem Tanken wiederkommt oder einfach davonbraust.