Tankrabatt ab Mitternacht: 16,7 Cent Entlastung mit Fragezeichen
Seit Mitternacht gilt in Deutschland der zweite Tankrabatt des Jahres. Bis zum 31. Dezember werden die Energiesteuern auf Benzin und Diesel gesenkt – um 16,7 Cent je Liter. Die Regelung betrifft Kraftstoff, der ab Mitternacht Tanklager oder Raffinerien verlassen hat. An der Zapfsäule dürfte die Entlastung vielerorts rasch spürbar sein, auch wenn Tankstellen nicht verpflichtet sind, sie vollständig oder sofort an die Kundinnen und Kunden weiterzugeben.
Experten erwarten dennoch, dass die Preise an den meisten Tankstellen bereits ab Mitternacht deutlich sinken. So war es auch bei den bisherigen Tankrabatten im Mai und Juni dieses Jahres beziehungsweise 2022. Schon am Dienstag und Mittwoch waren die Spritpreise zurückgegangen. ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer rechnete mit einem schrittweisen weiteren Preisrückgang. Der ADAC fordert, dass die Steuersenkung vollständig und möglichst schnell bei den Autofahrern ankommt.
Entlastung mit Fragezeichen
Ganz ohne Bauchweh wird die Maßnahme allerdings nicht betrachtet. Befürchtet wird, dass ein Teil des Rabatts durch sogenannte Mitnahmeeffekte bei den Mineralölunternehmen oder Tankstellen hängen bleibt. Der September war bislang der mit Abstand teuerste Tankmonat. Eingeführt hat die Bundesregierung den aktuellen Tankrabatt wegen der stark gestiegenen Spritpreise; als Ursache nannte sie Verwerfungen auf den Ölmärkten infolge des Irankriegs. Für die Entlastung sind 2,5 Milliarden Euro eingeplant.
Kritiker halten den Tankrabatt für ungenau, sehen darin einen geringeren Anreiz zum Spritsparen und bezweifeln, dass die gesamte Summe bei den Verbrauchern landet. Die Mineralölwirtschaft widerspricht dieser Einschätzung. Befürworter wiederum sagen, derzeit gebe es kein besseres Mittel, um Menschen mit Auto zu entlasten. Gerade wer täglich zur Arbeit fahren muss, kann nicht einfach auf günstigere Wege ausweichen.
Ein Blick auf den Tankrabatt von 2022 zeigt, warum die Skepsis nicht aus der Luft gegriffen ist. Damals senkte Deutschland vom 1. Juni bis Ende August die Energiesteuer auf Kraftstoffe, um Verbraucher während der Energiekrise zu entlasten. Die Steuerreduzierung betrug 14,04 Cent je Liter Diesel und 29,55 Cent je Liter Superbenzin. Einschließlich der entfallenden Mehrwertsteuer entsprach das einer theoretischen Entlastung von 16,7 Cent bei Diesel und 35,2 Cent bei Superbenzin.
Was die Erfahrung von 2022 zeigt
Im Juni kam der Rabatt zunächst nahezu vollständig bei den Verbrauchern an. Im Juli und August nahm die preisdämpfende Wirkung jedoch stark ab, besonders beim Diesel. Ein wichtiger Grund waren niedrige Rheinwasserstände infolge der Trockenheit. Sie erschwerten den Treibstofftransport und machten ihn teurer. Dazu könnte laut RWI auch die nachlassende mediale Aufmerksamkeit beigetragen haben – wenn der Rabatt aus den Schlagzeilen verschwindet, schaut womöglich auch niemand mehr ganz so genau hin.
Die RWI-Studie zur gesamten dreimonatigen Rabattperiode zeigt außerdem deutliche regionale Unterschiede. In Bundesländern mit vergleichsweise hohem Durchschnittseinkommen wurde die Entlastung in geringerem Umfang weitergegeben, besonders in Bayern. In ostdeutschen Regionen kam ein größerer Anteil bei den Verbrauchern an.
Auch die Konkurrenz vor Ort spielte eine Rolle. Tankstellen mit wenigen Wettbewerbern in unmittelbarer Umgebung gaben beim Diesel etwa 84 Prozent und bei Super E10 etwa 80 Prozent des Rabatts weiter. Über die gesamte Laufzeit waren es im Durchschnitt 87 Prozent des Tankrabatts bei Diesel und 71 Prozent bei Superbenzin E10. Die geringere Weitergabe an Standorten mit wenig Konkurrenz liefert laut Studie Hinweise auf deren allgemeines Preissetzungsverhalten.
Grundlage der Untersuchung waren RWI-Berechnungen mit Preisdaten von Tankerkönig.de für Deutschland und „Le Prix des Carburants“ für Frankreich. Veröffentlicht wurde sie als Ruhr Economic Paper #1087 „Heterogeneous Pass-through over Space and Time: The Case of Germany’s Fuel Tax Discount“ von Manuel Frondel, Patrick Thiel und Colin Vance.
Bund und Länder planen weitere Schritte
Die aktuellen hohen Spritpreise werden auch mit der Eskalation im Nahost-Konflikt und der dadurch ausgelösten Unsicherheit an den Märkten begründet. Bund und Länder planen deshalb gemeinsame Entlastungen für Bürgerinnen, Bürger und die Wirtschaft. Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel soll bis Ende 2026 um 14 Cent je Liter sinken. Einschließlich der darauf entfallenden Umsatzsteuer ergibt sich eine Entlastung von etwa 17 Cent je Liter.
Private Haushalte und Unternehmen sollen dadurch insgesamt um rund 2,5 Milliarden Euro entlastet werden. Die Länder beteiligen sich mit 1,25 Milliarden Euro über einen Umsatzsteuerfestbetrag. Bundestag und Bundesrat stimmten der Umsetzung zum 1. Oktober 2026 zu. Bundeskanzler Friedrich Merz begründete die Maßnahme mit der Belastung von Menschen, die täglich auf das Auto angewiesen sind, und verwies zugleich auf einen Fahrplan für 2027.
Die Monopolkommission und das Bundeskartellamt stellten fest, dass die Energiesteuersenkung im Mai und Juni 2026 weitgehend bei den Verbrauchern ankam. Der damalige Tankrabatt habe Preisspitzen in einer Phase besonders hoher Kraftstoffpreise abgefedert. Trotzdem will die Bundesregierung mit der Mineralölwirtschaft über einen vorübergehenden Spritpreisdeckel verhandeln. Spätestens zum 1. Januar 2027 soll er nach Vorbildern aus Luxemburg oder Belgien eingeführt werden. Versorgungssicherheit soll gewährleistet, missbräuchlichen Preisaufschlägen soll vorgebeugt werden.
Auf EU-Ebene werden außerdem mögliche Maßnahmen gegen die Mineralölwirtschaft nach dem Vorbild des EU-Energiekrisenbeitrags von 2022 geprüft. Die Bundesregierung will die Preisentwicklung und die wirtschaftlichen Folgen weiter beobachten und gegebenenfalls besonders betroffene Menschen und Unternehmen gezielt entlasten. Dafür sollen die Voraussetzungen für einen einkommensbezogenen Direktauszahlmechanismus geschaffen werden.
Auf der Liste bereits umgesetzter oder vorgesehener Maßnahmen stehen der Tankrabatt im Mai und Juni 2026, die dauerhafte Erhöhung der Pendlerpauschale und die Fortführung der Mobilitätsprämie für Steuerpflichtige mit geringen Einkommen. Geplant ist außerdem eine Senkung der Einkommensteuer ab 2027 für Familien sowie für Menschen mit geringen und mittleren Einkommen. Hinzu kommen die vollständige Wiedereinführung der Agrardiesel-Rückvergütung und eine weitere Verschärfung des Kartellrechts, damit die Preisbildung an Tankstellen besser überwacht werden kann.
