In Syrien wird gebaut, repariert und improvisiert – und doch reicht das oft nicht für ein sicheres Zuhause. Nach dem Sturz Baschar al-Assads kehren viele Binnenvertriebene in ihre Heimatorte zurück, zusätzlich kommen Menschen aus dem Ausland. Manche stehen bei der Ankunft vor zerstörten Häusern, ohne Schule, fließendes Wasser oder medizinische Versorgung. Andere ziehen bald wieder weiter, weil ein normales Leben dort schlicht nicht möglich ist.

Die meisten Rückkehrer kommen derzeit aus der Türkei und anderen Nachbarstaaten. Menschen aus Deutschland machen nur einen kleinen Anteil aus. Nach Einschätzungen und Gutachten sind die Bedingungen für eine sichere und freiwillige Rückkehr weiterhin nicht gegeben. Inflation, hohe Baustoffpreise und ungeklärte Eigentumsrechte bremsen den Wiederaufbau – und machen jede Reparaturrechnung zur Zitterpartie.

Zwischen Rückkehr und erneutem Aufbruch

Einige Rückkehrer landen wieder in Lagern für Binnenvertriebene. Manche wechseln dort sogar zwischen Lagern, um Zugang zu Wasser oder Schulen zu bekommen. Das Erdbeben vom Februar 2023 hat die ohnehin angespannte Lage zusätzlich verschärft.

Caritas-Partner leisten humanitäre Soforthilfe, verteilen Lebensmittel und zahlen Geld direkt an bedürftige Familien aus. Wegen niedriger Gehälter können viele Haushalte ihre Grundbedürfnisse ohne Unterstützung nicht decken. Besonders betroffen sind ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und alleinerziehende Mütter. Hinzu kommen psychologische Betreuung, die Sanierung von Häusern und Gemeinschaftsräumen sowie Hilfe bei der Gründung kleiner Unternehmen. Caritas will damit nicht nur kurzfristig über die Runden helfen, sondern langfristige Perspektiven schaffen.

In Aleppo und Homs konzentriert sich die Unterstützung auf stark zerstörte, von Armut geprägte Viertel. Wer Hilfe erhält, wird anhand eines Punktesystems bewertet. Berücksichtigt werden unter anderem Behinderungen, chronische Krankheiten und die Zahl der Kinder. Die Religion spielt bei der Vergabe keine Rolle; die große Mehrheit der Begünstigten sind Muslime. Weil die Mittel begrenzt sind, wurde die frühere allgemeine Lebensmittelhilfe durch gezieltere Unterstützung ersetzt.

Für alte Menschen ist die Lage oft besonders hart. Soziale Absicherung gibt es kaum, der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist eingeschränkt. Viele sind auf ihre Familie oder Überweisungen aus dem Ausland angewiesen. Manche haben im Krieg alle Kinder verloren und leben nun allein, ohne ausreichende Mobilität.

Häuser brauchen Sicherheit – und Eigentumstitel

Größere Städte wie Damaskus gelten für religiöse Minderheiten als vergleichsweise sicher, doch regional unterscheiden sich die Verhältnisse stark. In Aleppo gibt es eine sunnitische Mehrheit und eine kleinere, etablierte christliche Gemeinschaft. Die Beziehungen zu anderen Gruppen werden dort überwiegend als gut beschrieben.

In Homs ist die Lage fragiler. Dort leben mehr Alawiten und Christen; religiöse Spannungen und Konflikte zwischen Rückkehrern und ansässigen Gemeinschaften gehören zum Alltag. Gestritten wird über frühere Verbindungen zum Assad-Regime ebenso wie über Land und Immobilien. In Homs berichtet Carla Audo von Ausgangssperren, Schießereien, Angriffen und Überfällen. Die Opfer gehören häufig Minderheiten an. Was genau dahintersteckt und ob jemand strafrechtlich verfolgt wird, bleibt oft unklar, weil verlässliche Informationen schwer zugänglich sind.

Viele Menschen informieren sich über inoffizielle Kanäle und soziale Medien. Hassrede gegen andere religiöse Gruppen ist dort verbreitet und wirkt sich laut Audo ganz real auf das Zusammenleben aus. Als Beispiel nennt sie den Angriff auf einen jungen Christen in Homs, der in sozialen Medien mit persönlicher Rache erklärt wurde. Daneben spielen in vielen Regionen Stammes- und Clanstrukturen eine Rolle.

Christinnen und Christen können ihre religiösen Aktivitäten grundsätzlich frei ausüben. Nach einem Anschlag auf eine Kirche in Damaskus im Vorjahr wurde zeitweise landesweit zusätzliches Sicherheitspersonal vor Kirchen eingesetzt. Gottesdienste finden wieder regulär statt. Einige Straßenfeste wurden aus Sicherheitsgründen eingeschränkt, aber nicht behördlich verboten. In Aleppo wurde erstmals seit längerer Zeit wieder ein Weihnachtsdorf veranstaltet – unterstützt von den Behörden und besucht von Christen und Nichtchristen.

Zu den weiteren Minderheiten gehören Alawiten und Drusen sowie ethnische Minderheiten wie Kurden und Armenier. In den größeren Städten der Küstenregion, in der viele Alawiten leben, ist die Sicherheitslage besser geworden; außerhalb der Städte bleibt sie unsicher.

Entlassungen, Geldprobleme und teure Baustoffe

Die Übergangsregierung verfolgt Personen, die mit dem Assad-Regime verbunden waren oder damals Einfluss hatten. Gleichzeitig werden laut Audo auch Menschen allein wegen ihrer früheren Arbeit im öffentlichen Dienst entlassen, teils werden ganze Abteilungen ausgetauscht. Häufig trifft das Angehörige von Minderheiten, etwa Ingenieure oder Ärzte in öffentlichen Einrichtungen. Wie groß der Personalaustausch ausfällt, hängt von der jeweiligen Region und den dort kontrollierenden Akteuren ab.

Christinnen und Christen sind im öffentlichen Sektor, insbesondere in Aleppo, inzwischen weniger vertreten. Im Bildungswesen arbeiten weiterhin viele christliche Lehrkräfte, neue Stellen sind für sie jedoch schwerer zu bekommen. Staatsbedienstete werden bezahlt, die Gehälter wurden etwas erhöht. Zeitweise gab es wegen eines Mangels an Banknoten Probleme beim Abheben von Geld. Seit der Währungsreform Anfang 2026 hat sich die Situation verbessert.

Das syrische Pfund verlor zuletzt allerdings wieder an Wert und liegt nahezu auf dem Niveau vor dem Regimewechsel; die Inflation ist zurück. Nach der Aufhebung der US-Sanktionen gibt es mehr Handelsmöglichkeiten und eine größere Warenvielfalt. Auf den Märkten in Aleppo tauchen zunehmend türkische Waren auf. Das setzt syrische Kleinunternehmen und besonders die Textilbranche unter Druck.

Für den Bau bedeutet das: Baumaterial und Treibstoff sind teurer geworden. Durch die Rückkehrer nimmt auch der Wettbewerb zu. Wer Zement, Holz oder andere Baustoffe braucht, wartet nicht selten länger und zahlt mehr – sofern überhaupt genug Geld da ist. Ungeklärte Eigentumsrechte kommen noch obendrauf.

Carla Audo, 37, stammt aus Aleppo und ist seit 2025 Programmberaterin für Caritas international. Sie sagt, Syrien entwickle sich teilweise in eine positive Richtung. Vertrauen müsse nach Jahren der Unterdrückung aber erst wieder entstehen. Kathrin Göb, 45, koordiniert das Hilfsprogramm von Freiburg aus und reist regelmäßig in die Projektregionen. Sie berichtet von Enttäuschung über ausbleibende Verbesserungen und der Sorge, dass sich die Sicherheitslage nicht stabilisiert.

Die anfänglichen Erwartungen an schnelle Veränderungen konnten wegen der zerstörten Infrastruktur nicht erfüllt werden. Hunger, fehlende Rückkehrmöglichkeiten und unsichere Lebensbedingungen verstärken die Enttäuschung. Audo nennt drei zentrale Voraussetzungen: landesweite Sicherheit, ein stabiles Bankensystem mit funktionierenden Geldtransfers sowie ein unabhängiges Justizsystem mit echter Rechenschaftspflicht und Schutz vor Übergriffen und Raub.

Mehr als drei Millionen Rückkehrer

Seit dem Sturz der Assad-Regierung im Dezember 2024 sind nach Angaben des International Rescue Committee mehr als 3,5 Millionen Syrerinnen und Syrer nach Syrien zurückgekehrt. Die Bewegung zählt zu den größten weltweit. Freiwillig war die Rückkehr für viele jedoch nicht. Verschlechterte Lebensbedingungen in der Vertreibung, ein schwindender Rechtsstatus in den Aufnahmeländern und der aktive Konflikt im Libanon seit Anfang 2026 beeinflussten die Entscheidungen.

Bei der Ankunft fehlt neun von zehn Rückkehrenden der Zugang zu grundlegender Versorgung. 71 Prozent leben in beschädigten Unterkünften, Unterstützung für Reparaturen oder Wiederaufbau ist kaum vorhanden. 44 Prozent bewerteten die Bedingungen bei ihrer Ankunft in Syrien als schlechter als erwartet. Die humanitären Systeme vor Ort können den Bedarf nur unzureichend decken, Versorgungslücken verschärfen soziale Spannungen zwischen Rückkehrenden und aufnehmenden Gemeinden.

Der IRC-Bericht stützt sich auf Umfragen, Gruppendiskussionen und Expertinnen- und Experteninterviews in sieben syrischen Provinzen. Gefordert werden Investitionen in eine flächendeckende Grundversorgung und eine parallele Finanzierung humanitärer, entwicklungspolitischer und friedensfördernder Programme im Rahmen des Humanitarian-Development-Peace-Nexus. Dauerhafte Lösungen einschließlich Resettlement sollen für Menschen erhalten bleiben, die noch nicht sicher zurückkehren können. Außerdem braucht es flexible, mehrjährige Finanzierung für lokale zivilgesellschaftliche und von Frauen geführte Organisationen sowie eigene Finanzierungslinien für psychische Gesundheit, psychosoziale Unterstützung, sozialen Zusammenhalt und Friedensförderung.

Caritas international erreicht mit laufenden Projekten rund 36.000 Menschen in Syrien. Finanziert werden sie durch das Auswärtige Amt, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung