Tankrabatt 2026: Warum der Preisnachlass nicht an jeder Zapfsäule gleich ankommt
Am 3. Oktober 2026 lohnt sich der Blick auf die Anzeigetafel an der Tankstelle besonders. Der neue Tankrabatt ist gestartet, und laut ADAC sanken die bundesweiten Tagesdurchschnittspreise am ersten Tag gegenüber dem Vortag um rund 13 Cent. Super E10 kostete im Schnitt 2,114 Euro je Liter, Diesel 2,262 Euro.
Ganz so einfach ist die Rechnung allerdings nicht. Viele Autofahrer dürften am Donnerstagvormittag gleichzeitig zur Zapfsäule gefahren sein, weil sie auf die Vergünstigung gewartet hatten. Außerdem hatten Tankstellen ihre Lager möglicherweise bewusst kleiner gehalten: Der Steuervorteil von 16,7 Cent je Liter gilt nur für Kraftstoff, der nach Mitternacht Tanklager oder Raffinerien verlässt. Bis der steuerbegünstigte Sprit überall angekommen ist, können einige Tage vergehen.
Rabatt bis Jahresende, aber nicht an jeder Zapfsäule gleich
Der ADAC rechnet trotzdem nicht mit relevanten Engpässen. Beim vorherigen Tankrabatt im Mai hatte es trotz des Feiertags am 1. Mai ebenfalls keine gegeben. Die aktuelle Regelung gilt bis Ende des Jahres. Vorgesehen ist eine Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent je Liter; einschließlich Umsatzsteuer ergibt sich ein Preisnachlass von rund 17 Cent.
Die Bundesregierung kalkuliert mit 2,485 Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen. Etwa die Hälfte sollen die Länder tragen. Dafür führt der Bund ihnen etwas weniger Umsatzsteuereinnahmen als üblich ab; vorgesehen ist ein Umsatzsteuerfestbetrag von 1,25 Milliarden Euro. Tankstellen sind allerdings nicht verpflichtet, die Steuersenkung vollständig an ihre Kunden weiterzugeben.
Das macht die Sache für Autofahrer etwas unübersichtlich. Die Preise waren schon vor dem Start gesunken, möglicherweise in Erwartung des Rabatts. Der genaue Effekt lässt sich deshalb zunächst nur schwer bestimmen. Und der Blick zurück zeigt: Anfang Juni 2022 fielen die Preise zunächst sichtbar, stiegen in der zweiten Hälfte der dreimonatigen Maßnahme aber wieder. Ende August lag Diesel in Deutschland sogar über dem französischen Niveau.
Empirische Untersuchungen kamen später dennoch zu dem Ergebnis, dass die Steuersenkung zunächst weitgehend bei den Verbrauchern ankam. Das ifo-Institut ermittelte eine Weitergabe von 85 bis 100 Prozent, Monika Schnitzer 89 bis 102 Prozent, Hans-Jörg Schmerer nahezu 100 Prozent. Auch das RWI stellte fest, die Steuervorteile seien „zu sehr großen Teilen, wenn nicht gar gänzlich“ bei den Verbrauchern angekommen. Ein Vergleich deutscher und französischer Tankstellenpreise zeigte, dass die Preise hierzulande im ersten Monat ungefähr im Umfang der Steuersenkung fielen.
Ein alter Streit mit neuen Zahlen
Der Begriff Tankrabatt bezeichnet eine befristete Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe. Erstmals eingeführt wurde die Maßnahme vom 1. Juni bis 31. August 2022. Anlass waren stark gestiegene Kraftstoffpreise infolge der EU-Sanktionen gegen Russland nach dessen Überfall auf die Ukraine. Der Rabatt gehörte zum zweiten Entlastungspaket der Bundesregierung, in dem auch das 9-Euro-Ticket enthalten war.
Rechtlich umgesetzt wurde er durch Änderungen des Energiesteuergesetzes und der Energiesteuer-Durchführungsverordnung. Der Gesetzentwurf kam am 10. Mai 2022 in den Bundestag, beschlossen wurde er am 19. Mai. Für Benzin sank die Energiesteuer damals um 29,55 Cent je Liter, von 65,45 auf 35,90 Cent. Bei Diesel waren es 14,04 Cent, also von 47,04 auf 33,00 Cent.
Der Gesetzentwurf veranschlagte die Mindereinnahmen für drei Monate auf 3,15 Milliarden Euro. Nach einer späteren Auswertung von FragDenStaat beliefen sich die tatsächlichen Mindereinnahmen auf 3,4 Milliarden Euro. Eine 2024 veröffentlichte Untersuchung von FragDenStaat ergab zudem, dass das Bundesfinanzministerium interne Warnungen ignoriert habe, wonach vor allem Ölkonzerne profitieren könnten.
Mehrere Ökonomen und das DIW kritisierten die Maßnahme wegen ihrer fehlenden Zielgenauigkeit, einer möglichen Umverteilung zugunsten höherer Einkommen und eines klimaschädlichen Anreizes zu höherem Verbrauch fossiler Kraftstoffe. Kritiker bezeichneten den Rabatt als indirekte Steuersenkung zugunsten der Mineralölunternehmen und als sozial nicht ausreichend ausgerichtet. Im Raum standen gezieltere Hilfen für das Güterkraftgewerbe sowie für geringverdienende Berufspendler mit langen Arbeitswegen.
Wirtschaftsminister Robert Habeck plante deshalb eine Verschärfung des Kartellrechts. Damit sollte der Staat gegebenenfalls auch ohne nachgewiesenen Wettbewerbsverstoß in Märkte eingreifen können. Die Mehrheit der Experten hält den Tankrabatt für teuer und wenig zielgenau: Er entlastet auch Menschen, die keine Unterstützung benötigen, insbesondere Vielfahrer mit großen Fahrzeugen. Wer kein Auto besitzt, aber unter hohen Heiz- oder sonstigen Kosten leidet, profitiert direkt gar nicht.
Manuel Frondel vom RWI hält gezielte Zahlungen an bedürftige Haushalte grundsätzlich für besser. Weil unkomplizierte Direktzahlungen fehlten, sei der Tankrabatt aber eine pragmatische und faire Lösung. Auch der ADAC sieht darin ein geeignetes kurzfristiges Entlastungsmittel, obwohl Direktzahlungen sinnvoller wären. Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Spedition und Logistik, bezeichnete die Energiesteuersenkung grundsätzlich als richtig, kritisierte jedoch ihre Befristung. Kurzfristige Eingriffe könnten zu Preisschwankungen führen, weil Kraftstoff- und Transportpreise vertraglich gekoppelt seien.
Für Pendler spürbar, für manche kaum relevant
Ein durchschnittliches Auto wird in Deutschland etwa 900 Kilometer im Monat bewegt. Bei einem Verbrauch von 7 bis 8 Litern je 100 Kilometer ergibt sich über drei Monate eine ungefähre Ersparnis von 32 bis 36 Euro. Das klingt nach einem vollen Einkaufswagen, aber nicht nach einem Befreiungsschlag. Die tatsächliche Ersparnis hängt von der Fahrleistung, dem Verbrauch und dem Zeitpunkt des Tankens ab.
Gleichzeitig schwächt die künstliche Verbilligung den Anreiz, bei knappen und teuren Gütern weniger zu verbrauchen. Haushalte mit hohem Einkommen nutzen im Durchschnitt mehr Kraftstoff und würden daher relativ stärker entlastet. Ein schuldenfinanzierter Tankrabatt subventioniert damit den Kraftstoffverbrauch zulasten jüngerer Generationen. Und die Ursachen der hohen Weltmarktpreise verschwinden dadurch nicht.
Der Preis liegt weiterhin deutlich über dem Stand vor dem Ukrainekrieg. Ende Februar kostete Super E10 im Schnitt 1,78 Euro je Liter, Diesel 1,75 Euro. Im EU-Vergleich rangiert Deutschland bei Diesel auf Platz fünf von 27 Mitgliedstaaten. Bei Super 95 liegt Deutschland auf Rang drei der teuersten EU-Länder.
Nur die Niederlande und Dänemark verlangen für Super 95 noch mehr: 2,46 beziehungsweise 2,66 Euro je Liter. Diesel kostet dort 2,53 beziehungsweise 2,54 Euro. Den höchsten genannten Dieselpreis in Europa weist die Schweiz mit 2,60 Euro je Liter auf. Deutlich günstiger ist Kraftstoff in osteuropäischen Ländern wie Bulgarien, Ungarn und der Slowakei; dort liegen Diesel und Super 95 unter zwei Euro. Die niedrigsten Preise nennt die EU-Kommission für Malta: 1,34 Euro für Super 95 und 1,21 Euro für Diesel.
2026: Rabatt, Prämie und die nächste Runde
2026 wurde der Tankrabatt erneut eingeführt. Wegen erneut gestiegener Kraftstoffpreise infolge des Irankriegs schlug die Regierung Merz im April eine zweimonatige Senkung der Mineralölsteuer um brutto 17 Cent je Liter vor. Arbeitgeber sollten Arbeitnehmern zusätzlich steuerfrei eine Prämie von bis zu 1.000 Euro zahlen können. Die Finanzierung sollte unter anderem über eine Erhöhung der Tabaksteuer erfolgen.
Der Bundestag beschloss die Steuersenkung am 24. April 2026. Sie galt vom 1. Mai bis 30. Juni 2026. Die Regelung begann an einem Feiertag; auch am Sonntag, dem 3. Mai 2026, galt ein Lkw-Fahrverbot. Abgerechnet wurde die Steuerermäßigung beim Großhandel, etwa an Raffinerien.
Auch diese Maßnahme geriet schnell unter Beschuss: wegen der Entlastung zahlungsfähiger Autofahrer, der unsicheren Weitergabe an Kunden, fehlender Anreize zum Kraftstoffsparen und Kosten von rund 1,6 Milliarden Euro.
Im September 2026 wurde ein dritter Tankrabatt beschlossen, der
