Tankrabatt ab 1. Oktober: Bis zu 8,50 Euro weniger pro Tankfüllung, Preisdeckel folgt 2027
Autofahrer müssen ab morgen an den Zapfsäulen etwas weniger tief in die Tasche greifen. Bundestag und Bundesrat haben am 30. September 2026 beschlossen, die Energiesteuer auf Benzin und Diesel für drei Monate zu senken. Der Tankrabatt gilt vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026.
Auslöser sind die stark gestiegenen Kraftstoffpreise infolge des Iran-Kriegs und unterbrochener saudischer Öllieferungen. Die Unsicherheit an den Märkten trifft nicht nur Pendler, sondern auch Freiberufler, Ehrenamtliche, Familien und viele Betriebe. Wer täglich auf das Auto angewiesen ist, spürt das derzeit bei jedem Tankstopp – und sei es nur beim kurzen Blick auf die Preistafel.
Bis zu 17 Cent weniger pro Liter
Die Energiesteuer sinkt um rund 14 Cent je Liter. Einschließlich Mehrwertsteuer ergibt sich rechnerisch eine Entlastung von bis zu 17 Cent pro Liter. Bei einer Tankfüllung von 50 Litern wären damit maximal 8,50 Euro Ersparnis möglich.
Garantiert ist dieser Betrag allerdings nicht. Tankstellen müssen die Steuerentlastung nicht vollständig weitergeben, außerdem können Rohöl- und Spritpreise weiter schwanken. Steuervergünstigter Kraftstoff gilt zudem nur für Ware, die nach Mitternacht am 1. Oktober Raffinerien oder Großtanklager verlässt. Es kann deshalb mehrere Tage dauern, bis alle Tankstellen entsprechenden Kraftstoff verkaufen.
Wegen der Erwartungen der Kundinnen und Kunden dürften die Preise vielerorts trotzdem bereits in der Nacht zum 1. Oktober sinken, teilweise um Mitternacht. Beim ersten ähnlich gestalteten Tankrabatt im Mai und Juni 2026 wurde die Entlastung laut SPD-Fraktionsvize Armand Zorn zu etwa 80 bis 90 Prozent weitergegeben. Auch die Monopolkommission und das Bundeskartellamt kamen zu dem Ergebnis, dass die Energiesteuersenkung damals weitgehend bei den Verbrauchern ankam und Preisspitzen in einer Phase besonders hoher Kraftstoffpreise abfederte.
Das Bundesfinanzministerium erwartet durch die aktuelle Regelung Steuerausfälle von 2,485 Milliarden Euro. Die Länder sollen die Hälfte davon übernehmen. Nach Angaben der Bundesregierung werden Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen damit insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro entlastet; auf die Länder entfallen davon 1,25 Milliarden Euro über einen Umsatzsteuerfestbetrag.
Der Kriegspreis bleibt spürbar
Auf das Niveau vor dem Krieg dürfte der Tankrabatt die Preise voraussichtlich nicht drücken. Ende Februar kostete Super E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,78 Euro je Liter, Diesel lag bei 1,75 Euro. Die Steuersenkung soll die Belastung an den Tankstellen für drei Monate reduzieren, nicht die gesamte Preisentwicklung auf den Kopf stellen.
Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, die Maßnahme solle Menschen entlasten, die täglich auf das Auto angewiesen sind. Trotz angespannter Haushalte handle es sich um ein umfangreiches Paket. Dazu gehören auch eine dauerhafte Erhöhung der Pendlerpauschale, die Fortführung der Mobilitätsprämie für Steuerpflichtige mit geringen Einkommen und die vollständige Wiedereinführung der Agrardiesel-Rückvergütung für die Landwirtschaft.
Bereits im Mai und Juni 2026 gab es einen Tankrabatt. Ab 2027 ist außerdem eine Senkung der Einkommensteuer für Familien sowie für Menschen mit geringen und mittleren Einkommen geplant. Das Kartellrecht wurde verschärft, damit die Preisbildung an Tankstellen besser überwacht werden kann.
Preisdeckel ab 2027 geplant
Zusätzlich plant die Bundesregierung einen Spritpreisdeckel. Er soll spätestens zum 1. Januar 2027 eingeführt werden und sich an Modellen in Luxemburg oder Belgien orientieren. Gespräche mit der Mineralölwirtschaft sind vorgesehen; missbräuchliche Preisaufschläge sollen verhindert werden. Voraussetzung ist, dass die Versorgungssicherheit gewährleistet bleibt.
Wie der Preisdeckel genau funktionieren soll und wann er tatsächlich startet, ist noch offen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche äußerte Kritik an dem Vorhaben. Laut Armand Zorn haben sich Ministerpräsidenten und die Koalition jedoch grundsätzlich darauf verständigt. Auf EU-Ebene werden außerdem mögliche Maßnahmen gegenüber der Mineralölwirtschaft nach dem Vorbild des EU-Energiekrisenbeitrags von 2022 geprüft.
Der Bundesverband Freier Tankstellen (bft) unterstützt die Steuersenkung, lehnt den Preisdeckel aber ab. Eine Übertragung der Modelle aus Luxemburg oder Belgien sei wegen unterschiedlicher Markt- und Versorgungsstrukturen problematisch. Für bereits eingelagerte Kraftstoffe fordert der Verband einen Ausgleich, weil Tankstellen dafür noch die höhere Energiesteuer bezahlt haben.
Viel Zustimmung, aber auch deutliche Kritik
In einer Forsa-Umfrage für „Stern“ und RTL befürworteten 69 Prozent der Befragten einen Preisdeckel für Kraftstoffe, 26 Prozent lehnten ihn ab. Befragt wurden am 17. und 18. September 1.001 Menschen. In Ostdeutschland lag die Zustimmung bei 81 Prozent, in Westdeutschland bei 67 Prozent.
Die Mehrheit der Ökonomen kritisiert den Tankrabatt dennoch als teuer und nicht zielgenau. Auch Menschen, die keine Unterstützung benötigen, profitieren davon. Wer kein Auto besitzt, aber etwa wegen hoher Heizkosten unter steigenden Preisen leidet, erhält hingegen keine Entlastung. Zudem schwächt die künstliche Verbilligung den Anreiz, wegen knapper Güter weniger Kraftstoff zu verbrauchen. Und ob die komplette Entlastung tatsächlich bei den Verbrauchern ankommt, bleibt offen.
Manuel Frondel vom RWI hält gezielte Hilfen für bedürftige Haushalte grundsätzlich für besser. Angesichts fehlender einfacher Direktzahlungen bezeichnet er den Tankrabatt jedoch als pragmatische und faire Lösung. Die Bundesregierung will Preisentwicklung und wirtschaftliche Folgen weiter beobachten. Für besonders betroffene Menschen und Unternehmen soll gegebenenfalls eine gezielte Entlastung möglich werden; dafür schafft der Bund die Voraussetzungen für einen einkommensbezogenen Direktauszahlungsmechanismus.
Bis dahin bleibt es an den Tankstellen bei dem kleinen Rechenkunststück aus Steuer, Mehrwertsteuer, Rohölpreis und Weitergabe durch den Betreiber. Der Zapfhahn klickt, die Anzeige läuft – und ob am Ende wirklich bis zu 8,50 Euro im Portemonnaie bleiben, zeigt sich erst beim Bezahlen.
