Tankrabatt ab Oktober: 17 Cent weniger pro Liter – doch kommt die Entlastung an der Zapfsäule an?
Für Autofahrer beginnt der Oktober mit einer spürbaren Änderung am Preisschild: Ab Donnerstag, 1. Oktober 2026, senkt die Bundesregierung die Energiesteuer auf Benzin und Diesel für drei Monate. Bundestag und Bundesrat hatten den Tankrabatt am 25. September 2026 beschlossen. Im Bundestag fiel die namentliche Abstimmung mit 434 zu 128 Stimmen aus, der Bundesrat stimmte am selben Tag ebenfalls zu.
Die Energiesteuer sinkt vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026 um 14,04 Cent je Liter. Einschließlich Umsatzsteuer entspricht das rechnerisch 16,71 Cent, meist gerundet also rund 17 Cent. Die Maßnahme kostet Bund und Länder zusammen voraussichtlich 2,5 Milliarden Euro an Steuermindereinnahmen; beide tragen jeweils 1,25 Milliarden Euro.
Was an der Tankstelle ankommt
Gültig ist die niedrigere Steuer für Kraftstoff, der ab Mitternacht neu aus Raffinerien oder Tanklagern ausgeliefert wird. In den Tanks der Stationen kann zunächst noch Ware liegen, die vor der Senkung zu höheren Preisen eingekauft wurde. Trotzdem dürften die Preise vielerorts sofort nachgeben – schon wegen des Wettbewerbs.
Der Verband Fuels und Energie kündigte an, Markentankstellen wollten den Rabatt ab Mitternacht vollständig und ohne Aufschläge weitergeben. Kleinere und freie Tankstellen dürften aus Wettbewerbsgründen rasch nachziehen. Nach Angaben des Verbands könnten die Preise in der Nacht um rund 17 Cent je Liter sinken. Bei 50 Litern wären gegenüber den Preisen der vergangenen Tage etwa acht Euro Ersparnis möglich, rechnerisch genau 8,36 Euro. Für 30 Liter ergeben sich 5,01 Euro, für 60 Liter 10,03 Euro. Wer monatlich 60 Liter tankt, könnte damit rund zehn Euro im Monat beziehungsweise 30 Euro über drei Monate sparen. Bei höherem Verbrauch wächst der Betrag entsprechend.
Ganz automatisch ist die Weitergabe allerdings nicht. Die Steuersenkung reduziert zunächst die Kosten der Anbieter, die Preise an den Tankstellen legen sie selbst fest. Tankstellen könnten anfangs sogar Verluste machen, wenn sie noch teurer eingekauften Kraftstoff verkaufen. Je mehr vergünstigte Ware durch die Versorgungskette läuft, desto stärker sollte sich der Rabatt an den Zapfsäulen zeigen. Eine Bilanz soll spätestens Anfang 2027 gezogen werden; Kartellamt, Wirtschaftsforschungsinstitute und Verbände wollen beobachten, ob die Entlastung tatsächlich bei den Verbrauchern landet.
Als Orientierung dienen die Durchschnittspreise vom 30. September 2026 in Deutschland: Super kostete 2,27 Euro, E10 2,22 Euro und Diesel 2,37 Euro je Liter. Laut ADAC steigen die Preise ab 12 Uhr im Durchschnitt um 14,6 Cent bei E10 und 18,4 Cent bei Diesel. Wer vergleicht, kann also durchaus ein paar Cent zusätzlich finden – manchmal ist die nächste Tankstelle eben nicht die billigste.
Erfahrungen und offene Preisfrage
Wie viel vom Rabatt wirklich ankommt, lässt sich erst mit etwas Abstand sagen. Die Preise für Oktober 2026 sollen ab dem 2. Oktober ausgewertet werden, weitere Auswertungen sind für den 8. und 15. Oktober vorgesehen – mit Daten für den ersten, siebten und vierzehnten Tag.
Erfahrungen aus Mai 2026 zeigen, dass die Weitergabe schwanken kann. Am ersten Abend lagen Super E10 und Diesel laut eigener Auswertung rund 12,8 beziehungsweise 12,7 Cent je Liter unter dem Vorabendpreis. Das entsprach gut drei Vierteln des rechnerischen Rabatts. Allerdings waren die Preise in den vier Tagen vor dem Start bereits um 2,5 bis 3,2 Cent gestiegen, weshalb der Vergleich mit dem Vorabend die Weitergabe etwas überschätzte. Bis zum 14. Tag sank der Dieselpreis um 21,5 Cent und damit stärker als der Rabatt – hier wirkten auch Marktfaktoren wie der Ölpreis.
Nach Angaben des Handelsblatts kam der Rabatt bei Superbenzin nahezu vollständig an, bei Diesel dagegen etwa 12 von 16,7 Cent. Das ifo-Institut bezifferte die Weitergabe auf 82 bis 94 Prozent; für 2022 wurden 85 bis 100 Prozent genannt. Es bleibt also ein Spiel mit mehreren Variablen, nicht bloß ein Knopfdruck an der Zapfsäule.
Die weitere Entwicklung ist ohnehin unsicher. Kriegshandlungen im Nahen Osten sowie in Russland und der Ukraine führen laut Fuels und Energie zu einer Knappheit bei Benzin und besonders bei Diesel. Weltweit fehlen dadurch Raffineriekapazitäten; die Kraftstoffknappheit sei größer als die Rohölknappheit. Eine globale Knappheit bei Rohöl und Mineralölprodukten besteht weiterhin. Raffinerien und Verteiler konnten die Versorgung trotz zusätzlicher Probleme durch Niedrigwasser am Rhein bislang aufrechterhalten. Vorübergehende, örtlich begrenzte Engpässe oder leere Tankstellen seien aber nicht vollständig auszuschließen.
Kritik am „Gießkannen“-Rabatt
Die Reaktionen fallen gemischt aus. Herbert Rabl vom Tankstellen-Interessenverband begrüßt die Entlastung grundsätzlich, kritisiert aber den späten Zeitpunkt und die hohen Kosten für den Staat. Wirksamer fände Rabl einen Spritpreisdeckel nach belgischem oder luxemburgischem Vorbild sowie eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne.
Auch der Verkehrsgewerbe-Verband Baden hält den Rabatt für Spediteure, Taxi- und Mietwagenunternehmen für notwendig. Geschäftsführer Tobias Lang bezeichnete ihn zugleich als teure „Gießkannen-Politik“. Er fordert unter anderem vergünstigten Gewerbe-Kraftstoff und ein Ende der doppelten CO₂-Belastung des Transportgewerbes.
ifo-Präsident Clemens Fuest nannte den Tankrabatt einen Fehler. Ralf Dewenter von der Helmut-Schmidt-Universität hält die Entlastung für zu gering und zu kurzfristig. Die FDP lehnt den Tankrabatt ab und fordert umfassendere Steuersenkungen. Der Deutsche Bauernbund bewertet die 17 Cent als positiv, aber nicht ausreichend.
Für Anfang 2027 hat die Bundesregierung zusätzliche Entlastungen für Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen sowie für energieintensive Unternehmen angekündigt. Außerdem will sie mit der Mineralölwirtschaft über einen zeitlich begrenzten, krisenbedingten Spritpreisdeckel sprechen. Er soll spätestens am 1. Januar 2027 gelten; Vorbilder sind Luxemburg und Belgien. Wie dieser mögliche Deckel berechnet wird, ist noch nicht festgelegt. Fachleute warnen zugleich: Liegt ein Deckel unter dem Marktpreis, könnten Verkäufe und Importe unrentabel werden – mit möglichen Folgen für die Versorgung.
Was Autofahrer jetzt beachten können
Innerhalb des Rabattzeitraums zu tanken, wenn es ohnehin passt, ist naheliegend. Umwege oder zusätzliche Fahrten lohnen sich wegen der teils größeren Unterschiede zwischen Tankstellen und Tageszeiten meist nicht. Preise vergleichen, kurz vor 12 Uhr tanken, vorausschauend fahren und die üblichen Spartipps beachten – das klingt unspektakulär, kann sich aber läppern.
Nach dem 31. Dezember steigt die Energiesteuer rechnerisch wieder um 14,04 Cent je Liter, sofern der Rabatt nicht verlängert wird und kein Spritpreisdeckel in Kraft ist. Einschließlich Umsatzsteuer wären das etwa 16,7 Cent je Liter; bei 50 Litern entspräche die Rückkehr rund 8,36 Euro. Bis dahin bleibt an den Tankstellen vor allem eines zu beobachten: ob der Rabatt tatsächlich am Zapfhahn ankommt oder irgendwo zwischen Raffinerie, Lager und Preistafel hängen bleibt.
