Tankrabatt in Deutschland: 17 Cent Entlastung, doch Polen bleibt günstiger
Seit dem 1. Oktober 2026 gilt in Deutschland ein dreimonatiger Tankrabatt. Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel sinkt um 14 Cent je Liter. Rechnet man die Mehrwertsteuer dazu, ergibt sich rechnerisch eine Entlastung von bis zu 17 Cent. Eine Preisgarantie ist das allerdings nicht: Ob die Mineralölkonzerne die Senkung vollständig weitergeben, entscheidet der Markt. Finanziert wird der Rabatt aus Haushaltsmitteln, die 2026 nicht ausgegeben wurden.
Bund und Länder wollen Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen insgesamt um rund 2,5 Milliarden Euro entlasten. Der Bund senkt die Energiesteuer vom 1. Oktober 2026 bis Ende 2026. Die Länder beteiligen sich mit 1,25 Milliarden Euro über einen Umsatzsteuerfestbetrag. Bereits von Anfang Mai bis Ende Juni hatte es einen Tankrabatt in vergleichbarer Höhe gegeben.
In den deutschen Grenzregionen schauen viele Autofahrer trotzdem nach Polen. Dort sind die Kraftstoffpreise deutlich gesunken. Anthony aus Cottbus fährt etwa 30 Minuten bis zu einer polnischen Tankstelle. Benzin bekommt er nach eigenen Angaben für 1,53 Euro je Liter, Diesel kostet etwa 1,80 Euro. Anthony fährt wöchentlich rund 800 Kilometer – trotz der Anfahrt spare sich das Tanken in Polen, sagt er. Der Motor läuft, die Zapfsäule klickt, und ein paar Euro bleiben im Geldbörsel.
Polen setzt auf Preisgrenze
Seit dem Wochenende gilt in Polen ein neues Spritpreispaket. Die Mehrwertsteuer auf Kraftstoff wurde von 23 auf 8 Prozent gesenkt. Dazu kommen eine niedrigere Energiesteuer und eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne, die Kraftstoffe auf Grundlage ausländischer Konzessionen herstellen oder verarbeiten. Die Einnahmen sollen nach Angaben des polnischen Präsidenten dazu dienen, die Treibstoffpreise weiter zu senken.
Außerdem legt das Energieministerium täglich einen Höchstpreis fest. Für das erste Wochenende lag er bei 1,54 Euro pro Liter Normalbenzin und 1,80 Euro pro Liter Diesel. Das Maßnahmenpaket gilt bis zum Jahresende. Autofahrer aus der Grenzregion berichten, dass sich die Fahrt nach Polen auch unter Einrechnung der etwa halbstündigen Anfahrt lohnt.
Für deutsche Autofahrer gelten beim Kraftstofftransport jedoch Zollregeln. Neben der Tankfüllung dürfen höchstens 20 Liter im Reservekanister mitgeführt werden. Größere Mengen müssen verzollt werden.
Deutschland plant zusätzlich einen Spritpreisdeckel
Während Polen die Kraftstoffpreise direkt begrenzt, hängt die Weitergabe der deutschen Steuerentlastung vom Verhalten der Mineralölkonzerne ab. Kanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnen eine Übergewinnsteuer ab, die SPD befürwortet sie. Die SPD fordert außerdem seit längerer Zeit einen Spritpreisdeckel; Reiche hatte sich dagegen ausgesprochen.
Der genaue Starttermin für den deutschen Preisdeckel ist noch offen. Spätestens am 1. Januar 2027 soll er eingeführt werden. Als Vorbilder gelten Regelungen in Luxemburg und Belgien. Der Höchstpreis für Benzin und Diesel soll sich unter anderem an Ölpreisen, Transport- und Vertriebskosten sowie einer Händlermarge orientieren. Versorgungssicherheit soll gewährleistet, missbräuchliche Preisaufschläge sollen verhindert werden.
Die Einigung war am Donnerstagabend bei Verhandlungen von Bundeskanzler Merz mit Koordinatoren der SPD- und CDU-geführten Länder vorbereitet worden. Merz bezeichnete die Entlastung angesichts angespannter Haushalte als erheblich. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) erklärte, die Bundesregierung wolle gegen hohe Aufschläge an Tankstellen vorgehen und Krisengewinne der Mineralölkonzerne an die Bevölkerung zurückgeben.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sagte, die Preise würden kurzfristig gesenkt und durch den Spritpreisdeckel langfristig weiter entlastet. Zugleich sprach er sich für eine Übergewinnsteuer aus, mit der sich die Ölkonzerne an der Finanzierung beteiligen sollen. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) erklärte, die Energiesteuersenkung berücksichtige auch mittelständische Unternehmen.
Für besonders betroffene Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen sollen weitere gezielte Maßnahmen geprüft werden. Außerdem sollen die Voraussetzungen für einen einkommensbezogenen Direktauszahlungsmechanismus geschaffen werden. Die Bundesregierung begrüßt Gespräche auf EU-Ebene über Maßnahmen für die Mineralölwirtschaft nach dem Vorbild des EU-Energiekrisenbeitrags von 2022. Auch dort geht es um eine mögliche Übergewinnsteuer, für die sich Finanzminister Klingbeil auf EU-Ebene einsetzt.
Rekordpreise wegen der Krise im Nahen Osten
Die Kraftstoffpreise stiegen wegen der Krise im Nahen Osten auf neue Rekordwerte. Laut ADAC kostete Diesel am Donnerstag im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,471 Euro pro Liter – knapp zwei Cent mehr als am Vortag. Super E10 wurde nach mehreren Rekorden leicht günstiger und lag bei durchschnittlich 2,308 Euro.
Ein Blick auf die europäischen Vergleichsdaten zeigt, wie groß die Unterschiede an der Zapfsäule sind. Die Europäische Kommission veröffentlicht wöchentlich die Tagesdurchschnittspreise für Benzin und Diesel in den 27 EU-Staaten. Die Angaben beziehen sich auf den 28. September 2026 und enthalten Abgaben und Steuern. Der Text wurde am 1. Oktober 2026 aktualisiert.
| Land | Benzin: Euro-Super 95 je Liter | Diesel je Liter |
|---|---|---|
| Deutschland | 2,35 Euro | 2,44 Euro |
| Polen | 1,85 Euro | 2,06 Euro |
| Dänemark | 2,66 Euro | 2,54 Euro |
| Niederlande | 2,46 Euro | 2,53 Euro |
| Malta | 1,34 Euro | 1,21 Euro |
Deutschland lag beim Benzin mit 2,35 Euro je Liter unverändert gegenüber der Vorwoche. Günstigster deutscher Nachbarstaat war Polen mit 1,85 Euro. EU-weit war Dänemark mit 2,66 Euro am teuersten, gefolgt von den Niederlanden mit 2,46 Euro und Deutschland. Malta hatte mit 1,34 Euro den niedrigsten Preis.
Die übrigen Benzinpreise: Finnland 2,33 Euro, Frankreich und Griechenland jeweils 2,21, Italien 2,16, Portugal 2,10, Lettland 2,04, Belgien 2,03, Irland 1,97, Österreich 1,96, Litauen 1,95, Spanien 1,94, Estland 1,93, Rumänien 1,90, Luxemburg 1,89, Tschechien und die Slowakei jeweils 1,85, Kroatien 1,81, Slowenien 1,74, Zypern und Ungarn jeweils 1,73, Bulgarien 1,67 sowie Schweden 1,59 Euro. Den größten Anstieg gegenüber der Vorwoche verzeichnete Zypern mit 3,0 Prozent, den größten Rückgang Ungarn mit 1,1 Prozent weniger.
Beim Diesel lag Deutschland bei 2,44 Euro je Liter, 0,8 Prozent weniger als in der Vorwoche. Polen war mit 2,06 Euro der günstigste Nachbarstaat. Dänemark führte die EU-Rangliste mit 2,54 Euro an, knapp vor den Niederlanden mit 2,53 Euro und Finnland mit 2,52 Euro. Malta war mit 1,21 Euro am günstigsten.
Belgien verlangte 2,43 Euro, Frankreich 2,37, Italien 2,35, Österreich 2,26, Litauen 2,25, Estland 2,24, Griechenland 2,22, Portugal 2,19, Schweden 2,14, Lettland 2,13, Irland 2,12, Luxemburg und Rumänien jeweils 2,10, Tschechien 2,08, Kroatien 2,04, Zypern 2,02, Slowenien 2,01 und die Slowakei 1,98 Euro. Bulgarien, Spanien und Ungarn lagen jeweils bei 1,93 Euro. Estland hatte mit 6,2 Prozent den größten Anstieg gegenüber der Vorwoche,
