Ein Diesel-Deal zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sorgt am 12.10.2026 für neue Unruhe auf den Energiemärkten. Russland soll zunächst mehr als 300.000 Tonnen Diesel für die USA und den Weltmarkt bereitstellen. Deutschland bleibt davon offiziell unberührt: Die Bundesregierung will weiterhin weder russisches Öl noch russisches Benzin beziehen.

Seit 2023 importiert Deutschland nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums kein russisches Öl und keine russischen Ölprodukte mehr. Die Versorgungssicherheit sei gewährleistet. Auch die EU hält an ihren Sanktionen fest. Für deutsche Autofahrer und die Bauwirtschaft ist das zunächst die entscheidende Nachricht, denn der Wirtschaftsverband Fuels und Energie sowie die Ökonomin Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft erwarten keine größeren Auswirkungen auf die Preise an deutschen Tankstellen.

Millionen Tonnen angekündigt – aber ohne festen Fahrplan

Trump kündigte zunächst mehr als 300.000 Tonnen Diesel an. Im Laufe des Novembers sollen weitere 500.000 Tonnen folgen, unmittelbar danach eine Million Tonnen. Innerhalb kurzer Zeit stellte der US-Präsident sogar insgesamt bis zu drei Millionen Tonnen in Aussicht. Wann genau die späteren Lieferungen beginnen, sagte er nicht. Abhängig ist das Vorhaben vom Zustand der russischen Dieselraffinerien.

Der Kreml bestätigte die Vereinbarung. Russland sei bereit, Erdöl und Erdölprodukte auf den US-amerikanischen und internationalen Märkten anzubieten; nach russischer Darstellung soll das der Weltwirtschaft zugutekommen. Das US-Finanzministerium erteilte wegen der bestehenden Sanktionen eine bis zum 7. April 2027 gültige Ausnahmegenehmigung für Verkauf, Lieferung, Entladung und Import russischen Diesels.

Für Trump kommt die Ankündigung politisch gelegen. Vor den US-Zwischenwahlen steht er wegen gestiegener Kraftstoffpreise unter Druck. Niedrigere Dieselpreise für Landwirte, Viehzüchter und Lastwagenfahrer nannte er als Ziel. US-Diesel-Futures fielen nach Bekanntwerden der Einigung um knapp beziehungsweise mehr als 5 Prozent auf 1,23 Dollar pro Liter. Seit Beginn des von den USA und Israel begonnenen Krieges gegen Iran am 28. Februar sind die Dieselpreise um 70 Prozent gestiegen.

Für den Markt zunächst nur ein kleiner Tropfen

Die erste Menge klingt gewaltig, schrumpft aber beim Blick auf den Verbrauch ziemlich schnell. Die 300.000 Tonnen entsprechen etwa 2,25 Millionen Barrel Diesel. Der tägliche US-Verbrauch von Diesel und anderen Destillat-Kraftstoffen liegt bei rund 3,77 Millionen Barrel beziehungsweise etwa 500.000 Tonnen. Rechnerisch reicht die erste Lieferung damit für ungefähr 14 Stunden. Zum Vergleich: Die USA exportieren täglich rund 1,5 Millionen Barrel Diesel.

Analysten sehen deshalb keine Lösung, sondern lediglich eine zusätzliche Quelle für einen angespannten Markt. Für einen nachhaltigen Preisrückgang müssten die Lieferungen tatsächlich verfügbar sein und über längere Zeit auf den Markt gelangen. Die globale Versorgungslage ist ohnehin schwierig: Hohe Kraftstoffpreise, Angriffe auf Raffinerien und Risiken für internationale Transportwege haben das Angebot verknappt. Auch die Konflikte im Iran und in der Ukraine führen weltweit zu Engpässen bei der Kraftstoffversorgung.

Ob Russland die versprochenen Mengen überhaupt liefern kann, hängt von der Auslastung seiner Raffinerien und den eigenen Exportbeschränkungen ab. Die angekündigten Volumina könnten den globalen Dieselmarkt kurzfristig nur begrenzt verändern. Für Europa ist vor allem der politische Unterschied wichtig: Die EU hält am Importverbot fest, während die USA eine befristete Ausnahme für russischen Diesel ermöglichen. Russisches Dieselöl bekommt dadurch keinen unmittelbaren Zugang zum deutschen Tankstellenmarkt – der Streit über den Umgang mit Moskau wird aber größer.

Kritik aus Kiew und Brüssel

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kritisierte die Vereinbarung scharf. Zusätzliche Einnahmen aus Diesellieferungen könnten Russland Mittel zur Finanzierung des Krieges verschaffen. Sie verwies auf russische Angriffe auf die Ukraine und zunehmende hybride Aktivitäten gegen Europa.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Deal als „nicht fair und nicht ehrlich“. Der Verkauf russischer Erdölprodukte finanziere den Krieg gegen die Ukraine, erklärte er; Russland werde die zusätzlichen Einnahmen für weiteren „Terror“ nutzen. Die Erlaubnis für russische Ölprodukte sei eine Investition in den Krieg.

Selenskyj kritisierte außerdem, dass die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner zeitgleich in Miami mit ukrainischen Unterhändlern über ein mögliches Kriegsende verhandelten, ohne das Dieselabkommen anzusprechen. Er bot erneut an, ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, wenn Russland im Gegenzug Angriffe auf ukrainische Energieanlagen beendet. Eine Lockerung der Russland-Sanktionen lehnte er ab. Sie sei ein Zeichen von Schwäche und werde dazu führen, dass Russland die USA weniger ernst nehme.

Eine ARD-Korrespondentin bezeichnete das Abkommen angesichts der russischen Angriffe und der Vorbereitungen auf den kommenden Kriegswinter als fatales Signal für die Ukraine. Reagieren kann Kiew allerdings nur begrenzt, weil die USA weiterhin der wichtigste Unterstützer der Ukraine im Krieg gegen Russland sind. Kritik kam auch von den Grünen und US-Demokraten, die Trump eine Kehrtwende bei den Russland-Sanktionen vorwarfen. Noch im Vormonat hatte er ein Gesetz mit weitreichenden Befugnissen für neue Sanktionen gegen Russland unterzeichnet. Ziel war unter anderem, russische Öl- und Gasexporte einzuschränken, die den Krieg gegen die Ukraine finanzieren.

Deutschlands Raffinerien helfen – aber nicht gegen jeden Preisschub

Deutschland verfügt über eigene Raffinerien und war im ersten Halbjahr 2026 trotz Importen Nettoexporteur von Diesel. Die Raffinerien erzeugten netto 16,15 Millionen Tonnen. Den Inlandsablieferungen von 15,18 Millionen Tonnen standen Importe von 4,46 Millionen und Exporte von 5,18 Millionen Tonnen gegenüber.

Das klingt beruhigend, ist aber kein Schutzschild gegen steigende Weltmarktpreise oder regionale Engpässe. Für die Versorgung braucht es kontinuierliche Rohöllieferungen, ausreichende Raffineriekapazitäten und funktionierende Transportwege. Bei der PCK-Raffinerie in Schwedt spielen unter anderem Lieferwege über Rostock und Danzig eine wichtige Rolle. Selbst bei einem bundesweiten Produktionsüberschuss können einzelne Regionen plötzlich knapp versorgt sein.

Der deutsche Dieselpreis bleibt vom europäischen und internationalen Markt abhängig. Zusätzliche Lieferungen könnten unter anderem aus Indien oder Südkorea kommen. Historische Exportmengen sind allerdings keine frei verfügbaren Reserven. Entscheidend sind tatsächliche Überschüsse, Lieferverpflichtungen, Kraftstoffqualitäten, Preise und Transportzeiten – und das alles muss am Ende auch durch die richtige Leitung oder auf den richtigen Lkw kommen.

Auch Saudi-Arabien kann mögliche Ausfälle nicht einfach auffangen. Eine Kpler-Analyse vom 17. September meldete den Ausfall von etwa 200.000 Barrel Diesel pro Tag aus dem YASREF-Komplex in Yanbu. Beschädigte Pumpstationen beeinträchtigten zusätzlich die Rohölversorgung über die Ost-West-Pipeline. Der gemeldete Wiederanlauf der Pipeline bedeutet noch keine vollständige Normalisierung der Dieselproduktion.

Angriffe auf Schiffe mit saudischer Ladung im Roten Meer sowie Beeinträchtigungen in der Straße von Hormus erschweren saudische Exporte. Tanker könnten von Yanbu aus über den Suezkanal nach Europa fahren, ohne Bab el-Mandab oder die Straße von Hormus zu passieren. Dafür müssten jedoch ausreichend Rohöl, funktionierende Raffinerien und intakte Verladeanlagen vorhanden sein.

Exportverbote würden den Druck im Winter erhöhen

Die USA und Russland zählen zu den wichtigsten Diesel- und Gasölexporteuren weltweit. Nach UN-Daten für 2023 exportierten die USA rund 55,2 Millionen Tonnen Diesel und Gasöl, Russland 39,8 Millionen Tonnen. Es folgten Saudi-Arabien mit 28,5 Millionen und Indien mit 28,2 Millionen Tonnen. Die Statistik umfasst auch leichtes Heizöl sowie Bruttoexporte einschließlich Wiederausfuhren.

Russland beschränkt seit dem 8. Juli 2026 die Dieselausfuhren seiner Produzenten. Als Gründe gelten Versorgungsprobleme nach ukrainischen Angriffen auf Raffinerien und die Stabilisierung des russischen Binnenmarkts. Die zuletzt bestätigte russische Beschränkung gilt bis zum 31. Oktober 2026; über eine Verlängerung wurde berichtet. Ausnahmen bestehen unter anderem für zwischenstaatliche Liefervereinbarungen.

In den USA wächst vor den Kongresswahlen ebenfalls der politische Druck, den Dieselpreis zu senken. Medien berichteten über Vorbereitungen für ein 90-tägiges Exportverbot, die Regierung bestritt jedoch einen bereits beschlossenen pauschalen Lieferstopp. Ein solches US-Exportverbot könnte die Dieselpreise in den USA kurzfristig drücken. Der Branchenverband API warnt allerdings vor vollen Lagern, fehlenden Absatzmöglichkeiten und einer möglichen Drosselung der Raffinerieproduktion. Dann würde neben Diesel auch weniger Benzin und Flugtreibstoff hergestellt.

Für Europa wäre ein US-Exportverbot eine zusätzliche verlorene Bezugsquelle. Nationale Exportverbote beseitigen die globale Dieselknappheit nicht, sondern schränken den verfügbaren Handel für Importländer weiter ein. Ein gleichzeitiger 90-tägiger US-Exportstopp und eine Verlängerung der russischen Beschränkungen bis zum Jahresende würden die Versorgung im Winter besonders belasten.

Wie lange Deutschland eine solche Lage überstehen könnte, hängt von Raffinerieauslastung, Rohölzufuhr, Lagerbeständen, Ersatzlieferungen und der Nachfrage ab. Bei sinkenden Temperaturen steigt auch der Bedarf an leichtem Heizöl, das wie Diesel zu den Mitteldestillaten gehört. Raffinerien können ihre Produktion innerhalb technischer Grenzen anpassen, aber nicht beliebig erhöhen. Werden Heizöltanks stärker befüllt, kann das die Dieselverfügbarkeit an Tankstellen verringern.

Längere Schiffsreisen um das Kap der Guten Hoffnung binden Tankerkapazitäten, verzögern Lieferungen und erhöhen den Treibstoffverbrauch. Deutschlands eigene Produktion kann Lieferausfälle abfedern, zusätzliche Importmengen könnten aber deutlich teurer und schwieriger zu beschaffen sein. Bei funktionierenden deutschen Raffinerien wären zunächst vor allem höhere Beschaffungskosten und steigende Dieselpreise zu erwarten. Treffen Lieferausfälle zusätzlich auf Kälte, niedrige Lagerbestände oder Anlagenstörungen, wächst das Risiko regionaler Dieselengpässe.

Deutschland verfügt über strategische Reserven. Der Erdölbevorratungsverband hält nach der gesetzlichen Bevorratungspflicht Rohöl und Mineralölprodukte im Umfang von mindestens 90 Tagen der maßgeblichen Nettoimporte. Das garantiert keine Dieselversorgung für exakt 90 Tage, weil die Reserve mehrere Produkte umfasst und Rohöl zunächst verarbeitet werden muss. Je länger Exportbeschränkungen und Produktionsausfälle andauern, desto teurer und anfälliger wird die Dieselversorgung.

Für deutsche Verbraucher dürfte der direkte Preiseffekt des Trump-Putin-Abkommens nach Einschätzung von Branchenvertretern und Ökonomen gering bleiben. Entscheidend sind weiterhin die weltweite Angebotslage, Transportkosten und geopolitische Risiken. Offen bleibt, wann die Lieferungen beginnen, welche Mengen Russland tatsächlich exportiert und ob der Deal über kurzfristige Markteffekte hinaus überhaupt etwas an den Dieselpreisen ändert.