Trumps Diesel-Deal mit Putin bleibt an deutschen Zapfsäulen ohne Wirkung
Die Nachricht aus Washington klingt nach großer Bewegung am Dieselmarkt – an deutschen Tankstellen ist davon bislang allerdings kaum etwas zu spüren. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie erwartet keine größeren Auswirkungen des von US-Präsident Donald Trump angekündigten Diesel-Deals mit Kremlchef Wladimir Putin auf die Preise hierzulande.
Entscheidend ist ein Datum: Seit dem 5. Februar 2023 gilt in der Europäischen Union ein Importverbot für russischen Diesel. Dieses Verbot bleibt bestehen. Auch die vereinbarten Mengen dürften nach Einschätzung des Verbands weder den Weltmarkt noch die Preise deutlich beeinflussen.
Kaum Bewegung an deutschen Zapfsäulen
Die Daten des Spritpreisportals Tankerkönig passten bis Samstagmittag zu diesem Bild. Die Dieselpreise lagen vor und nach dem üblichen Preisanstieg zur Mittagszeit nahe den jeweiligen Freitagswerten. Beim Superbenzin sah es genauso aus. Wer also am Wochenende tankte, musste nicht wegen der Meldung aus den USA plötzlich tiefer in die Tasche greifen.
Trump hatte nach einem Gespräch mit Putin Lieferungen von mehreren Hunderttausend Tonnen Diesel aus Russland angekündigt. Dafür wollen die USA die Sanktionen gegen russischen Diesel vorübergehend aufheben. Der Kreml bestätigte die Vereinbarung. Für Trump kommt der Schritt zu einem heiklen Zeitpunkt: In den USA steht er wegen gestiegener Spritpreise unter Druck, und in weniger als einem Monat finden wichtige Zwischenwahlen statt.
Nach Trumps Darstellung sollen „umgehend“ mehr als 300.000 Tonnen Diesel für die USA und den Weltmarkt bereitgestellt werden. Für November stellte er weitere 500.000 Tonnen und anschließend eine Million Tonnen in Aussicht. Abhängig von der Lage der russischen Raffinerien könnten kurzfristig zusätzlich drei Millionen Tonnen geliefert werden. Konkrete Zeiträume nannte Trump dafür nicht.
Ein Tropfen für einen sehr großen Markt
Der Kreml erklärte, Russland sei bereit, Erdöl und Erdölprodukte an die US-amerikanischen und internationalen Märkte zu liefern. Das solle der Weltwirtschaft zugutekommen. Fachleute bleiben bei der möglichen Wirkung auf die Preise jedoch nüchtern – vielleicht sogar ziemlich trocken.
Ölanalyst Rory Johnston hält die Menge angesichts der üblichen russischen Exporte und der aktuellen Lage für unbedeutend. Die zunächst zugesagten 300.000 Tonnen entsprechen etwa 2,25 Millionen Barrel Diesel. Die USA exportieren täglich rund 1,5 Millionen Barrel Diesel. Gleichzeitig liegt der tägliche US-Verbrauch von Diesel und anderen Destillat-Kraftstoffen laut US-Energiebehörde EIA durchschnittlich bei etwa 3,77 Millionen Barrel beziehungsweise rund 500.000 Tonnen. Rechnerisch würden die ersten 300.000 Tonnen den US-Verbrauch von gut 14 Stunden decken.
Jim Mitchell vom Beratungsunternehmen Wood Mackenzie bezeichnete die Lieferungen deshalb als zusätzliche Unterstützung für einen angespannten Markt, nicht als Lösung. Die US-Diesel-Futures fielen nach Bekanntwerden der Vereinbarung um knapp fünf Prozent auf 1,23 US-Dollar pro Liter. Dauerhaft niedrigere Dieselpreise lassen sich daraus aber nicht automatisch ableiten.
Seit Beginn des von den USA und Israel begonnenen Krieges gegen Iran am 28. Februar sind Dieselpreise um 70 Prozent gestiegen. Die Konflikte im Iran und in der Ukraine haben weltweit zu Engpässen bei der Kraftstoffversorgung geführt. Da wirken 300.000 Tonnen schnell eher wie ein kurzer Schluck Wasser als wie ein gefüllter Tank.
Selenskyj spricht von einem unfairen Abkommen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte die Vereinbarung scharf. Der Verkauf russischer Erdölprodukte finanziere den Krieg gegen die Ukraine, sagte er, Russland werde dies mit weiterem Terror und weiteren Angriffen beantworten.
In einem Interview mit „Axios“ bezeichnete Selenskyj das Abkommen als „nicht fair und nicht ehrlich“. Er kritisierte zudem, dass Trumps Gesandte Steve Witkoff und Jared Kushner zeitgleich in Miami mit ukrainischen Unterhändlern über ein mögliches Kriegsende verhandelten, ohne das Dieselabkommen zu erwähnen.
Die Ukraine sei bereit, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, wenn Russland seinerseits Angriffe auf ukrainische Energieanlagen beendet, erklärte Selenskyj. Er forderte die USA auf, einen solchen Kompromiss zu vermitteln. Eine Lockerung der Russland-Sanktionen sei aus seiner Sicht ein Zeichen „offensichtlicher Schwäche“ und würde Russlands Respekt vor den USA weiter verringern.
Trumps Ankündigung steht außerdem im Gegensatz zu einem erst im Vormonat unterzeichneten Gesetz. Es gibt der US-Regierung weitreichende Befugnisse für neue Sanktionen gegen Russland und zielt unter anderem auf eine Einschränkung russischer Öl- und Gasexporte, die den Krieg gegen die Ukraine finanzieren.
Wegen der bestehenden Sanktionen erteilte das US-Finanzministerium eine befristete Genehmigung für das Abkommen. Verkauf, Lieferung, Entladung und Import russischen Diesels sind in diesem Zusammenhang bis zum 7. April 2027 erlaubt.
Sanktionen wirken nicht auf Knopfdruck
Der Blick auf die bereits verhängten Maßnahmen zeigt, warum die weitere Entwicklung schwer einzuschätzen ist. Ab dem 21. November 2025 gelten US-Sanktionen gegen die russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil; angekündigt worden waren sie am 23. Oktober. Beide Unternehmen stehen für etwa 50 bis 55 Prozent der russischen Rohölproduktion und gelten als wichtig für die russische Kriegswirtschaft.
Ob die Sanktionen greifen, hängt unter anderem davon ab, ob China und Indien als wichtigste Abnehmer russischen Öls ihre Geschäfte einschränken. Frühere EU-Sanktionspakete hätten Russland laut dem zugrunde liegenden Bericht nicht entscheidend geschwächt. Eine Rolle spielt dabei die sogenannte Schattenflotte: Schiffe, die unter falscher Flagge russisches Öl transportieren und Sanktionen umgehen. Experten bezweifeln, dass sich deren Einsatz vollständig unterbinden lässt. Außerdem können Sanktionen erst mit Verzögerung Wirkung zeigen.
Die USA beschlossen zusätzlich Sekundärsanktionen. Unternehmen, die weiterhin mit Rosneft, Lukoil oder deren Tochtergesellschaften Geschäfte machen, können ebenfalls sanktioniert werden. Chinesische und indische Banken könnten etwa durch einen Ausschluss aus dem westlichen Finanzsystem Swift betroffen sein. Solche Maßnahmen könnten internationale Unternehmen vom Kauf russischen Öls abhalten. Ihre Vereinbarkeit mit dem Völkerrecht ist laut einer Expertin allerdings unklar; ein Vorgehen gegen China und Indien könnte zudem den Handelskonflikt zwischen den USA und China verschärfen.
Mehrere chinesische und indische Energiekonzerne kündigten an, ihre Importe aus Russland deutlich zu reduzieren oder einzustellen. Die Daten des Dienstleisters Kpler zeigen bisher jedoch einen Anstieg der russischen Ölexporte nach Indien: Im September 2025 waren es etwa 1,6 Millionen Barrel pro Tag, im Oktober etwa 1,7 Millionen Barrel. Ein Barrel entspricht 159 Litern.
Laut Kpler war dieser Anstieg vor dem Ende der Mitte November auslaufenden Übergangsfrist zu erwarten. Indien verfolgt demnach weiterhin das Ziel, möglichst große Rohölmengen unabhängig vom Herkunftsland zu beschaffen. Die Indian Oil Corporation steigerte ihre Importe von 191 Millionen Barrel pro Tag im September auf 405 Millionen Barrel pro Tag im Oktober. Der Durchschnitt seit Februar 2022 liegt bei 343 Millionen Barrel pro Tag. Ob Indiens Importe nach Inkrafttreten der Sanktionen zurückgehen, bleibt offen.
Ölpreis, Opec und die offene Rechnung
Nach der Ankündigung der Sanktionen stieg der Brent-Ölpreis um etwa fünf Prozent auf rund 65 Dollar pro Barrel. Die Befürchtungen einer dauerhaften Ölknappheit haben sich bislang nicht bestätigt. Russland gehört neben den USA und Saudiarabien zu den größten Ölproduzenten weltweit.
Führungskräfte von TotalEnergies und BP erwarteten Verzögerungen, langsamere Geschäfte und eine geringere Nachfrage nach russischem Rohöl. Der Ölpreis lag zuletzt wieder bei etwa 63 Dollar pro Barrel. Ein Experte erwartet für die kommenden zwölf Monate einen Preis von rund 65 Dollar und damit keine nachhaltige Preissteigerung durch die Sanktionen.
Historisch liegt der Ölpreis weiterhin relativ niedrig: Im Januar 2025 waren es etwa 82 Dollar pro Barrel, seitdem ist er um mehr als 20 Prozent zurückgegangen. Sollte es durch die Sanktionen dennoch zu einer Verknappung kommen, könnte die Opec ihre Förderung erhöhen.
Die Organisation wurde 1960 gegründet und hat zwölf Mitglieder, darunter Saudiarabien, Iran, Irak und Venezuela. Derzeit warnen die Opec-Staaten allerdings eher vor einem Überangebot wegen der saisonal schwächeren Nachfrage im ersten Quartal. Anfang November beschloss die Opec daher, die Fördermengen im ersten Quartal 2026 nicht auszuweiten.
